Archiv für Juni, 2010

Memento

Posted in Allgemein on Montag, 14. Juni 2010 by badana

Vorher hab ich einen Knopf angenäht und plötzlich musste ich an meine Grossmutter denken, die vor einiger Zeit gestorben ist. Sie arbeitete viele Jahre lang als Schneiderin und ihre Finger waren vom Nähen im Alter ganz krumm. Es ging schon bergab mit ihr, als wir zusammen das Kleid nähten, das ich an meinem Maturaball trug. Das war silbergrau, ganz in zarten feinen Spitzen, im Stil der 5oer gehalten. Wir haben also zusammen Schnittmuster mit Glüfeli am Stoff festgesteckt, die Ränder mit Heftfaden gesäumt und ich sah die ganze Zeit, dass ihr die Arbeit Mühe bereitete. Natürlich wurde kein Wort darüber verloren – ich stamme aus einer Familie, die nicht gern Schwäche zeigt. Aber zu sehen, wie sehr sie sich bemühte, ihre Form zu bewahren – das war unerträglich. Wir arbeiteten schweigend und mit den Stunden wurde sie immer blasser, bis ich es nicht mehr aushielt und ihr in trotzigem Ton mitteilte, ich hätt die Schnauze voll und würd jetzt lieber fernsehen. Wie gesagt, ich stamme aus einer Familie, die nicht gern Schwäche zeigt. Natürlich hat sie kurz und nicht wirklich ernsthaft mit mir geschumpfen und ich war froh drum.

Meine Grossmutter hatte noch ein Talent: Sie konnte fluchen wie ein bärtiger Seemann.. („Jedi govna dok ti ulovim zeca.“) Ich bin noch nie einem Menschen begegnet, der derber flucht als sie und als ich geboren wurde, war sie sehr traurig, dass ich ein Mädchen bin. Später hat sie aber trotzdem immer mit mir angegeben.

Das Kleid, das sie mir damals genäht hat, hängt immer noch in meinem Zimmer. Irgendwann werde ich es wieder anziehen, mir übel die Lampe füllen und den Mond so lang unflätigst beschimpfen, bis er rot wird.

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Ihr Herz ist ein Ziegelstein

Posted in Allgemein on Sonntag, 13. Juni 2010 by badana

Herzstück.

Eins Darf ich Ihnen mein Herz zu Füssen legen.
Zwei Wenn Sie mir meinen Fussboden nicht schmutzig machen.
Eins Mein Herz ist rein.
Zwei Das werden wir ja sehen.
Eins Ich kriege es nicht heraus.
Zwei Wollen Sie, dass ich Ihnen helfe.
Eins Wenn es Ihnen nichts ausmacht.
Zwei Es ist mir ein Vergnügen. Ich kriege es auch nicht heraus.
Eins (heult).
Zwei Ich werde es Ihnen herausoperieren.
Wozu habe ich ein Taschenmesser.
Das werden wir gleich haben.
Arbeiten und nicht verzweifeln.
So, das hätten wir.
Aber das ist ja ein Ziegelstein. Ihr
Herz ist ein Ziegelstein.
Eins Aber es schlägt nur für Sie.

(Heiner Müller: Herzstück. Berlin 1983.)

Resteficken

Posted in Allgemein on Sonntag, 13. Juni 2010 by badana

War an der ZHdK-Diplomausstellung vor zwei Wochen und mir haben die Arbeiten von diesem Künstler ausserordentlich gefallen: Videosequenzen.

Der Rest war bläh.