Archiv für März, 2011

Hamster sind glücklich

Posted in Allgemein on Mittwoch, 30. März 2011 by badana

Wie wunderbar sich das anfühlt, wenn man endlich etwas zu Ende gebracht hat, das schon längst zur Last geworden ist. Heute habe ich endlich ein seit Ewigkeiten fälliges Storyboard fertiggestellt. Nachdem ich 100 von Bildern bearbeitet, Geister retuschiert und gegen den inneren Souhund triumphiert habe: nun ein kleines Glück nur für mich.

„Wir haben gesagt: das Glück ist kein Zustand [..] Wenn [..] das Glück vielmehr [..] als ein Tätig-Sein zu bestimmen ist, die Formen dieses Tätig-Seins aber teils notwendig und als Mittel zum Zweck wählenswert, teils an sich wählenswert sind, so ist das Glück offenbar unter die an sich [..] wählenswerten Tätigkeiten zu setzen, denn das Glück ist frei von Mangel: es genügt sich selbst. Nun ist aber jenes Tätigsein wählenswert an sich, dem man außer der Funktion des Tätigseins nichts weiter abverlangt.“
(Aristoteles: Nikomachische Ethik.)
 

Ich habe mich immer gefragt, wie so ein Hamster in seinem immer gleichen Rad überleben kann.  

Jetzt weiss ich es und wende mich lächelnd dem nächsten Storyboard zu.

Advertisements

Der Wutbauch

Posted in Allgemein on Donnerstag, 24. März 2011 by badana

Schlage ich die Zeitung auf, so schlägt sie zurück. Ich werde unter Berührung zu Stein. Innen Stürme, draussen Stille. Dieser atmet zu laut, jener steht im Weg. Der Polizeihund bellt ohne Unterlass in mir, möchte Menschen in Hintern beissen, schöne Dinge zerstören.

Einmal erzählte mir ein Freund von seinem cholerischen Chef und dessen Wutbauch. Es scheint – so sagte der Freund – dass der ganze Zorn dieses Mannes fussballgross in seinen Bauch runtergerutscht ist. Und jetzt? – frage ich. Und jetzt trägt er seinen Wutbauch stolz vor sich her, antwortete der Freund. Und dann? – bohrte ich weiter. Und dann trägt er ihn hoffentlich mal aus, denn sonst verplatzt er. – schloss der Freund seufzend.

Momentan trage ich viel Zorn in mir. Er fühlt sich an wie eine pulsierende Feuerblume, die sich dann und wann bis in meine Finger- und Zehenspitzen ausbreitet. Als würde sich zähflüssiges Gift durch meine Adern schieben. Früher hab ich die Wut vertrieben – mit Poppen oder Bier oder sonst hab ich mir die Birne weich gekifft. Nun sitz ich da und starr in meinen Tee, in der Hoffnung, dass er aus der Tasse springt und mir das Gesicht verbrüht. Dieses Warten auf irgendein Wunder, das Leben ins Leben bringt, ist nervenaufreibend. Meine kurze Zündschnur wartet nur auf einen Funken, mein Triggerfinger zuckt.

Brrrr – ruhig Blut.

„…If I ever feel better
Remind me to spend some good time with you
You can give me your number
When it’s all over I’ll let you know…“

(Phoenix)

Discopenis

Posted in Allgemein on Montag, 21. März 2011 by badana

Am Wochenende war ich wieder mal tanzen mit den Girls. Ich vertrieb mir die Zeit mit Zigaretten, Wein und dem Hin- und Hertiegern in engen, stickigen Räumen. „Es ist als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.“ (Rainer Maria Rilke) Ich mimte zu monotoner elektronischer Musik den ugly dance und rettete Freundinnen vor fatalen Fehlern.

Irgendwann, inmitten einer Trockeneiswolke und taumelnder Tänzer, fiel mein Blick auf eine Wandkritzelei: Discopenis – stand da gross, in krakeligen Lettern, was ich sehr lustig fand. Einige Zigaretten vorher hatte mir nämlich eine Freundin im Raucherrüümli erzählt, dass Frauen eigentlich auch einen Penis hätten, dass das einfach niemand wisse, weil er bei uns verborgen liegt. Corpus cavernosum clitoridis – nennt sich dieser Schwellkörper, der etliche Jahrzehnte des Penisneids hinfällig werden lässt und die armen Freudianer einer wichtigen Grundlage für ihre klassische Psychoanalyse beraubt. Soso, ich hab also einen Penis – dachte ich und tanzte ausgelassen weiter.

Ich meine, irgendwie hab ich das schon lange geahnt.

Flirtskills

Posted in Allgemein on Donnerstag, 17. März 2011 by badana

Zugegeben: Ich könnte etwas dazulernen, was das Flirten anbelangt. Wenn mir jemand gefällt, dann ignorier ich ihn meistens und wenn er dann in meine Nähe rückt, dann häng ich die Intellektuelle raus. Oder ich werde ziemlich angriffslustig, was mein Gegenüber verständlicherweise etwas abschreckt. Oder dann gerat ich an einen, der gerne mit mir streitet und nicht merkt, wann es Zeit wird, mit dem Keifen aufzuhören.  

Meine Freundinnen hingegen sind in der Kunst des Kokettierens wahre Meisterinnen.

Die eine, Linn, sie hat zum Beispiel ihren Drink-Trick und der geht so: Sie kommt mit einem ins Gespräch, ihr Glas ist leer, sie schwenkt das leere Glas sachte in der Hand, tut so, als würde sie selbstvergessen einen Schluck nehmen wollen, hält dann dramatisch inne in der Bewegung und lässt die Hand langsam, fast enttäuscht, wieder sinken. Wenn dann das Gegenüber endlich auf die Idee kommt, sie zu fragen, ob sie noch was trinken möchte, dann sagt sie nach kurzem Nachdenken: „Ooch, ich nehm einfach ein Bisschen von dir, wenn ich darf.“ Elegant bringt sie ihn so dazu, sich zu verpflichten, in ihrer Nähe zu bleiben. Zumindest für eine Drinklänge – und eine solche Drinklänge kann sehrsehr lange währen.

Meine Freundin Romy andererseits, die geht einfach schnurstracks auf den Typen zu, der ihr gefällt und stellt sich vor ihn hin, funkelt ihn mit ihren Sprenkelaugen an und sagt: „Hoi.“ Der Typ, natürlich etwas verdattert, da er fieberhaft zu überlegen versucht, woher er diese Frau kennen könnte, stammelt dann etwas zurück. Sie kneift dann die Augen zusammen und macht eine Schnute und kuckt ihn aufmerksam an und fragt: „Bist du verliebt?“ Keine Ahnung, was dann genau folgt, ich kann mich ja nicht unbemerkt zwischen die zwei quetschen. Aber schlussendlich kommts immer zum Knutschen. Das seh ich auch aus der Entfernung.

Und die Elfie, die stellt sich einfach mit ihren Riesenaugen und ihren Reizen vor einen hin und dann knurrt oder miaut sie ihn an. Manchmal pöbelt sie auch oder reisst ihm den Drink aus der Hand oder die Zigarette. Ich musste schon einige völlig aufgelöste und verknallte Männer trösten, die ihr im Handumdrehen erlegen waren – denn sie ist schon vergeben.

Momentan nehme ich mir ein Timeout und trete einen Schritt zurück, betrachte schmunzelnd das Geschehen und warte „auf den Sommer, auf  längeres Haar“ (Element of Crime). 

Und dann mach ichs wie die Wanton von Edward Gorey. Ich glaub, das krieg ich hin.

Wild at Heart

Posted in Allgemein on Mittwoch, 16. März 2011 by badana

Kaffe, dann keine Zigarette, denn morgens rauche ich nie.
Das Blättern durch liegengebliebene Tageszeitungen.
Das Hin- und Herräumen von Dingen, die offenbar nie ihren eigenen Platz finden werden.
Zähneputzen.
Dann mein momentanes Lieblingslied von PJ Harvey’s neuer Platte.
Das Spiegelbild zeigt Blässe und lädierte Haut (für jedes Körperteil eine andere Crème – so wird man alt). 
Computer hochfahren, plötzliche Ratlosigkeit, wo die Arbeit beginnen und wo aufhören soll (was mach ich hier überhaupt).
Der Blick aus dem Fenster, vorüberziehende Kindergärtner in Zweier-Reihen (das Mädchen da, das wär ich).
Kalter Kaffee, der Rücken fühlt sich wieder steif an.
Dinkelcracker, Apfelschnitze (dieser Scheiss-Gesundheitswahn). 
Am Abend Wasserturnen.
Vorher noch zum Psychiater und die Nase machen lassen. 

So vergeht leise ein Tag meines Lebens.

„A prayer for the wild at heart that are kept in cages.“
(Tennessee Williams)

Monster

Posted in Allgemein on Montag, 14. März 2011 by badana

Letzte Nacht hatte ich einen Traum. Einen jener Träume, der einen sehr müde aufwachen lässt. Letzte Nacht regnete es in meinem Traum. Ich schlenderte anfangs noch seelenruhig weiter, fühlte sogar einen Anflug von Freiheit, da ich mein Haar so unbekümmert nass werden liess. Ich merkte jedoch schon bald, dass die Menschen auf der Strasse alle an mir vorbeihasteten. Ich wunderte mich noch, denn sie waren in dicke Regenjacken gepackt und hielten ausladende Regenschirme umklammert. Ich liess den Regen in mein Gesicht prasseln und hob die Innenseite der Handflächen dem Himmel entgegen, als mein Blick schliesslich auf das in den Kuhlen meiner Hände angesammelte Regenwasser fiel, das grünbrauner Farbe war. Erst dann merkte ich den säuerlichen Geschmack in meinem Mund und ich spuckte auf den Gehsteig, während die Menschen – vermummte Gestalten – an mir vorbeirasten und kurz aus ihren dunklen Augenhöhlen starre Blicke auf mich warfen. Ich begann auch zu laufen, verirrte mich immer wieder in engen Gassen und spürte, wie mich der Regen bis auf die Knochen durchnässte, wie meine Haut zu brennen begann. Ich rettete mich in einen Hauseingang und erschrak, da dort bereits ein verwahrlost aussehender Mann in einer Ecke stand, bemüht, einige Zeitungen enger um sich zu schlingen. Ich lächelte ihm zu, im Wissen, dass uns diese auswegslose Situation irgendwie verband, dass sie uns gleichsetzte. Auf seinem Gesicht jedoch breitete sich bei meinem Anblick die nackte Panik aus, er erbleichte und riss seinen Mund auf zu einem lautlosen Schrei. Ich sah seine verfaulten Zähne und einen schwarzen Schlund und fühlte, dass etwas mit mir nicht stimmte. Mein Körper pulsierte dumpf, und ein heisser Schmerz durchfuhr mich, als ich spürte, dass meine Knochen zu bersten begannen.

Pornomania

Posted in Allgemein on Montag, 14. März 2011 by badana