Archiv für September, 2013

Sell Me

Posted in Allgemein on Montag, 16. September 2013 by badana

Es flowt gerade nicht so – würde er sagen, wenn ihn jemand fragen würde. Fragt aber niemand. Kein Geld, keine Ahnung, wo er hinsoll, die Tage reihen sich lustlos aneinander und er trinkt zu viel und schläft zu wenig.. Missverständnisse zerklüften ihn und sein ganzes Umweld und er kann nur ab und zu in einer Kneipenschlägerei etwas Dampf ablassen. Schon wieder so wenig Halt, schon wieder an diesem Punkt.

Nur manchmal, wenn er an seiner Zigarette zieht – vor ihm ein grosses Bier – dann kann er kurz die Sorgen hinter sich lassen. Wenn er ins Erzählen kommt, von seinen Heldengeschichten, den verrückten Weibern, den Zufällen oder Schicksalsschlägen, da fällt ihm plötzlich alles nicht mehr so schwer. Leider kommt nach dem Gezeche anderntags immer das böse Erwachen und er merkt, dass er immer noch pleite ist, immer noch keinen Deut gescheiter, immer noch sauer auf alles und jeden.

Daraufhin grumschelt er einige Tage vor sich hin, meidet Geselligkeiten, selbst direkten Blickkontakt im Supermarkt nebenan – bis eines Morgens die Sonne scheint, die Welt etwas freundlicher wirkt, worauf er sich dann kopfvoran wieder in die alte Knelle reinstürzt, um zu pöbeln, zu saufen und in alten Erinnerungen zu schwelgen. In letzter Zeit aber, seit sein Haar etwas schütterer geworden ist, seine Hüfte bei Wetterwechsel zu schmerzen begonnen hat und seine Pointen immer flacher werden, da fällt es ihm auch schwerer, an diesen sonnigen Tagen aufzustehen und manchmal liegt er nun morgens in seinem Bett, lässt seinen Kopf ganz leer werden von all den zermürbenden Gedanken und träumt von einer Zukunft, in der er nicht ganz verloren ist, in der die Menschen über seine Witze lachen und ihm schulterklopfend ihre Achtung ausdrücken, in der ihn nicht immer die Trostlosigkeit am Küchentisch befällt, diese vermaledeite Unrast und in der er (statt in der Beiz zu hängen), Drachen hoch hinauf in den wolkenverhangenen Himmel steigen lässt, bis sie sich dem Blick des Betrachters beinahe entziehen.

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Reif für die Insel..

Posted in Allgemein on Montag, 9. September 2013 by badana

.. war ich und so floh ich alleine auf die Isola Palmaria. Nur ich&ich, mit einem Rucksack voll Neurosen, Unruhe, mit wenig Geld und wunderbaren Büchern („Unsichtbar“ von Paul Auster, „Das Wetter vor 15 Jahren“ von Wolf Haas, „Quecksilber“ von Amélie Nothomb, „Himmel und Hölle“ von Alice Munro – nur um einige davon zu nennen).

Am zweiten Tag war alles viel einfacher: die Gedankenwirren, das stille Abendessen, die romantische Stimmung, die verwunderten Blicke (sie dachten sicher, ich sei ne junge Witwe aufgrund meiner schwarzen Kleidung, dann aber später sahen sie in mir wohl eine liebeskranke Künstlerin, was ich ja auch immer ein bisschen bin).. Die Minibar und ich wurden allmählich beste Freunde, das Fenistil hilf mir über die Bisse der bösen Mücken hinweg, die Geister der Vergangenheit wurden langsam müde und flüsterten mir nur noch vor dem Schlafengehen ins Ohr (aber da war ich meist so heiter, dass ich sie einfach mit einer nachlässigen Handbewegung wegwedelte).

Und auch das Meer, das tiefe, klare, kalte Meer, das weckte einen Mut in mir, den ich bereits verloren glaubte, der mich an Lieder erinnerte, an Zeiten, an die Versöhnlichkeit der wiederkehrenden Zeit („When I run in the dark/Daniel/To a place that’s worst/Under a sheet of rain in my heart/Daniel/I dream of home“).

Bald traf ich schöne und offene Menschen, trank Wein mit ihnen, tauchte in fremde Geschichten ein und wieder aus und fühlte mich schliesslich etwas versöhnter mit meinem Leben und all den feindlichen Windmühlen dieser Welt. Und ja, ich werde mich wohl immer etwas alleine fühlen, aber es ist meine Entscheidung, ob ich auch einsam sein will und verbittert.

Und auch wenn mir die Zukunft (die nahe und die ferne) sehr ungewiss entgegenblickt, auch wenn ich jederzeit diesen meinen Rucksack mit alten Neurosen und neuen Büchern füllen und irgendwohin aufbrechen könnte, noch bin ich nicht an dem Punkt, restlos zu verzweifeln – vielleicht ein kleines bisschen, aber noch nicht ganz.

Bis bald

Bis bald