Archiv für Februar, 2018

Bloss ein Pferd in einem Raum in einem Haus im Nirgendwo

Posted in Allgemein on Mittwoch, 21. Februar 2018 by badana

Ich sage dir: Es ist bloss ein Pferd in einem Raum in einem Haus im Nirgendwo. Das Fenster zu klein oder zu hoch, um rauszuschauen. Dahinter verschwommenes Blättergewirr. In meinem Traum, in meinem Traum, da sitzt das Pferd in diesem Raum und weiss nicht, woher es kommt und wohin es gehen soll. Es sitzt nur da und wartet ab, bis der Abend endlich die müden Hände über dem Haus zusammenschlägt. Auf der Strasse hört man noch Fahrradklingeln und das Geschrei von wütenden Buben, die ihre Fäuste erheben gegen den Himmel, der nun Regen von sich lässt. Sie wissen, dass sie nach Hausse müssen, zu strengen Müttern und kalten Spargeln in grossen Schüsseln mit feinen Rissen darin.

In meinem Traum wird der Himmel plötzlich grau, während sich seine Wolken zu jagen beginnen wie angsterfüllte Wollknäuel. Das Pferd blickt in eine Ecke des Zimmers. Im Zimmer herrscht angenehmes Licht und von der Decke kommt gedämpfte Musik. Wenn das Leben ein Lied wäre, dann wäre es das, denkt das Pferd und summt leise mit. Auf der Strasse ist nun Ruhe eingekehrt, der Regen plätschert auf den Kopfsteinpflastern und sammelt sich rauschend in Strassenrinnen, um geräuschvoll in schwarzen Löchern zu versickern.

Ich schaue dem Pferd beim Warten zu und das Pferd betrachtet mich von Zeit zu Zeit mit unverhohlener Neugier. Ein schöner Traum ist das – denke ich – und möchte noch ein Weilchen weiterschlafen.

Andrea Lehmann

Andrea Lehmann

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