Archiv für Dezember, 2010

Einfach weiter

Posted in Allgemein on Sonntag, 12. Dezember 2010 by badana

Wo blühen Sonntage mit einem Lachen oder zwein du und ich und ein Tisch dazwischen unsere Hände bilden Brücken darüber kein Schweigen das drückt nur gibt es dich wirklich oder nur mich wie ich mich in Gläsern oder deinen Augen spiegle immer wieder ohne zu denken dass du und ich und ein Tisch dazwischen unsere Hände das alles nur die Kulisse eines Stücks und nur wir sitzen im Publikum und plötzlich werden du und ich und der Tisch und dazwischen unsere Hände ein klein wenig zögerlich und scheu und ich denke an die Welt und all die Männer die ich noch küssen will und du denkst an sie oder an deine Freunde und du und ich wie wir uns selbst betrachten bedauern den Ausgang den wir erahnen und so schweigen wiederum du und ich an einem Tisch und unsere Hände gerade noch Brücken zerfallen nun stetig und so warten du und ich voller Demut auf das unausweichliche Ende das doch bald da sein wird und noch nicht ganz da ist aber schon fühlbar wie der Regen in den Knien meines Grossvaters und nun schau ich aus dem Fenster und du auf deine schönen Hände und ich schau zu dir und du auf die Wand hinter mir die ganz schön sexy sein muss deinem Blick nach zu urteilen und da regt sich wieder was in mir eine kleine Alltagswut und ich trete dich unter dem Tisch und du möchtest mir grollen aber es gelingt dir nicht ganz und da blüht sogleich wieder unser Sonntag mit einem Lachen oder zwein du und ich und ein Tisch und unsere Hände die wieder zueinander wollen etwas stockend zwar doch zielgenau und und wir übersehen dass da jemand zuschaut und unsere Zeit misst und der Sonntag vergeht wie im Flug und wir warten einfach weiter dass rein gar nichts passiert.

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Winterblues

Posted in Allgemein on Sonntag, 12. Dezember 2010 by badana

„Ich würd mich gerade gern wegspülen.“, hat er zu mir gesagt und ist sich verlegen mit den Fingern durch das Haar gefahren. Ja, dachte ich, ja ich auch, du hast so Recht, in diesen Tagen, da ist man sich zu viel und gleichzeitig zu wenig. Und auch die anderen Menschen, die anderen kommen einem stets zu nah und bleiben doch immer fern.

Die Stunden mehren sich rasch im Winter und man beginnt aus Langeweile wieder zu rauchen, füllt sich den Bauch mit trübem Bier, den Kopf mit rasenden Bildern und tropfenden Klängen und ist drinnen doch ganz leer. Als würde alles gleich wieder durch mich durchsickern, denke ich und betrachte die immer gleiche Decke in meinem Zimmer. Die Augen marschieren den selben Furchen entlang und in mir wummern ausgesprochene und unausgesprochene Worte und tanzen einen Reigen.

Wahrheit ist in meinem Kopf immer so klar und einzig. Oft, wenn ich Menschen begegne, dann sagen sie etwas und tun dann etwas ganz anderes. Und manchmal sagt keiner die Wahrheit und doch sind alle ehrlich.

„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du mußt nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

(Franz Kafka. 1920)

So ist also jedes Ende unausweichlich und es endet immer gleich.