Archiv für Juli, 2009

High Noon in Gössl: Jetzt jagt auch Sarko nach der Nazi-Ente

Posted in Allgemein on Dienstag, 21. Juli 2009 by drunkenjudge
Taucht des öfteren: Frankreichs Staatspräsident

Taucht des öfteren: Frankreichs Staatspräsident

Die Sensation ist perfekt: Kein geringerer als Frankreichs «Kapitän», Nicolas Sarkozy, ist auf dem Toplitz-See gesichtet worden. Nur ein Narr glaubt, dass Sarko zur Erholung im österreichischen Gössl weilt. Kill!Kill! weiss, was Sarko wirklich will: Die goldene Nazi-Ente, die SS-Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner 1945 hier versenkt hat.

Der wirbelige Staatspräsident ist nicht der einzige, der die Ente jagt: Schon seit April 2009 tauchen der zähe Amerikaner Norman Irish und seine Crew nach dem sagenhaften Schatz (Kill!Kill! berichtete) – trotz modernster Ausrüstung noch immer ohne Erfolg.

Royaler Lifestyle hat seinen Preis

Sarko hat guten Grund, nach der angeblich vier Tonnen schweren Stockente aus purem Gold zu tauchen: Jüngst hat der französische Rechnungshof das Budget des Staatschefs unter die Lupe genommen – zum ersten Mal seit Louis XVI. Das Resultat: Sarkozys Lifestyle kostet Frankreichs Steuerzahler jährlich über 170 Millionen Franken. Allein für Käse gab Sarko letztes Jahr 183‘000 Franken aus. Die Nazi-Ente käme da gerade recht: Statt zu sparen könnte der Präsident künftig Millionen für Milchprodukte ausgeben – und das ohne die Gewissenbisse, die ihm bisher den Schlaf raubten.

Einzelgänger mit Hang zur Selbstüberschätzung

Wie aktuelle Bilder beweisen, verlässt sich  Sarko bei der Entenjagd allein auf sich und seine Körperkraft. Ausgewählte Experten bezweifeln jedoch, dass der Präsident über die Physis verfügt, um Tauchgänge in Tiefen von bis zu 70 Metern zu unternehmen. In dieser Tiefe könnte sich die Höhle befinden, in der die Goldente begraben liegt. Hingegen hält es ein Szenekenner für «extrem ausgebufft», dass Sarko bei der Schatzsuche komplett auf eine Crew verzichtet. «Das gäbe nur Streit, falls er etwas findet», meint der Profi.

Wird Sarko die Jagd für sich entscheiden? Oder kann ihm der rasch alternde Norman Irish die Ente noch vor der Nase wegschnappen? – Die Sauregurkenzeit hält an, Kill!Kill! bleibt dran.

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Abgründe

Posted in Allgemein on Sonntag, 19. Juli 2009 by badana

Da ist eine Halfpipe. Ihre steilen Wände sind mit Gras bewachsen. Auf ihr galoppiert ein wilder schwarzer Hengst immer hin und her, wobei er oben jeweils eine leichtfüssige und schnelle Drehung vollführt. Ich weiss, ich muss da hin, ihn zu fassen kriegen (oder das orange Zaumzeug, das um seinen Kopf schlenkert). Ich krieche oben dem schmalen Grat entlang, versuche, meinen Atem zu beruhigen, mir einzureden, dass mein Unternehmen zwar gefährlich sei, aber nicht gefährlicher als über die Strasse gehen oder ohne Helm Fahrrad zu fahren. Ich verharre in der Mitte der Halfpipe. Konzentriere mich auf die Bewegungen des Hengstes, dessen Hufe die ganze Vorrichtung erzittern lassen. Ich erkenne, wann jeweils der richtige Moment kommt, um nach dem Zaumzeug zu greifen. Jetzt. Das Pferd folgt dem Zug meines Armes und landet auf dem schmalen oberen Grat, wiehert und trippelt und senkt sich, damit ich es besteigen kann. Mit Schrecken sehe ich, dass es gar keinen Sattel hat und nur ein oranger wollener Faden um seinen Kopf geschlungen ist. Doch ich sitze bereits auf dem Pferd, drücke meine Schenkel mit aller Kraft an den schweissüberzogenen erhitzten Tierleib. Mein Herz rast und als sich der Hengst in Position gebracht hat, ich die steile Graswand der Pipe runterblicke, da befällt mich eine unglaubliche Ruhe im Angesicht meines baldigen Todes.

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Das Pferd, das du mir gegeben hast, funktioniert nicht.

(Iván Andrassew: Das Pferd, das du mir gegeben hast.)

Gibs auf!

Posted in Allgemein on Mittwoch, 15. Juli 2009 by badana

Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof. Als ich eine Turmuhr mit meiner Uhr verglich, sah ich, dass es schon viel später war, als ich geglaubt hatte, ich musste mich sehr beeilen, der Schrecken über diese Entdeckung ließ mich im Weg unsicher werden, ich kannte mich in dieser Stadt noch nicht sehr gut aus, glücklicherweise war ein Schutzmann in der Nähe, ich lief zu ihm und fragte ihn atemlos nach dem Weg. Er lächelte und sagte: „Von mir willst du den Weg erfahren?“ „Ja“, sagte ich, „da ich ihn selbst nicht finden kann.“ „Gibs auf, gibs auf“, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.

(Franz Kafka: Gibs auf! In: Sämtliche Erzählungen.)

Gestern habe ich eine Stunde lang mit einem Chilenen über Kafka gesprochen. Er hat mir erzählt, dass er immer Kafka liest, wenn er in schlechter Stimmung ist. Einmal war er einen ganzen Monat lang krank und hat seine Mutter gebeten, ihm „Die Verwandlung“ zu kaufen. Das Buch hätte ihn unglaublich erheitert, er hätte den ganzen Nachmittag lachend in seinem Bett verbracht. Ich hab ihn dann an die Stelle erinnert, wo die Eltern aus Ekel und Angst nach ihrem Insekten-Sohn mit Äpfeln werfen, hab ihn daran erinnert, wie die Äpfel in Gregors Panzer steckenbleiben, wie sie langsam vermodern und ihm Schmerzen bereiten, wie er schliesslich stirbt.

Der Pepe – nennen wir ihn Pepe, weil so nur Esel heissen und er ein kleiner Klugscheisser ist – hat mir dann aber erzählt, dass er es überaus komisch gefunden hätte, dass am Schluss ein so idyllisches Zukunftsbild von der verbleibenden Familie gezeichnet werde, da die Schwester einen guten Fang gemacht habe und der Vater sich wohlwollend bei diesem Gedanken über seinen kugelrunden Bauch streiche – und dass dieses Zukunftsbild natürlich total ironisch sei, von einem subtilen Humor unterlegt, der diesen ganzen Schluss zum Bersten bringe – ihn so in gewissem Sinne von Schwere befreie.

Ich kann es nicht leiden, wenn mir jemand widerspricht. Ich kann vor allem nicht leiden, wenn jemand ein Fenster öffnet, dort, wo ich nur graue Mauer sehe.

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Ich möchte Kafka auch lustig finden – das würde unser Verhältnis unglaublich entspannen.

Das menschliche Hirn (1): Am Arsch

Posted in Allgemein on Mittwoch, 15. Juli 2009 by drunkenjudge
Les’ ich jetzt immer mit dem Arsch: 20 Minuten.

Les’ ich jetzt immer mit dem Arsch: 20 Minuten.

Am Morgen habe ich mein Hirn ins Klo geworfen. Das verlorene Gewicht – immerhin gut 1,3 Kilo – kann ich jetzt am Bauch zulegen. Ausserdem verbrauche ich ohne das Ding 20 Prozent weniger Sauerstoff. Hurra, Spitzensport ist endlich wieder möglich!

Bei der Arbeit klappte alles ganz wunderbar, mein Boss lobte mich – das hat er vorher nie gemacht.  Man hat halt so seine Tricks: Ich hatte mir die rechte Hand an der Maus festgeklebt, weil ich fürchtete zu vergessen, wozu das Ding gut ist, was ich auch tat. Muss sehr professionell ausgesehen haben. Nur beim Mittagessen wurde am Nebentisch getuschelt. Ich hab gelächelt, das wirkt charmant. Und so gross ist der Unterschied zwischen Maus und Messer nun auch wieder nicht. Tönt ja auch ähnlich.

Gut möglich, dass mir meine Arbeit irgendwann auch ohne Hirn auf die Eier geht. Die hab ich noch, glaubt zumindest mein Arsch, pièce de résistance des Verstandes. Und genau dieser Arsch weiss mit unerhörter Gewissheit: Ich werde es noch weit bringen, mir stehen alle Türen offen. Wenn’s mit der Hochsprung-Karriere nichts wird, dann mach ich eben Wirtschaftspolitik.

DANKE

Posted in Allgemein on Dienstag, 14. Juli 2009 by badana

Björk singt: „I tried to organise freedom – how Skandinavian of me.“

Meine schwedische Freundin hat mir gestern wieder mal den Arsch gerettet. Und statt dass ich den Abend damit verbracht habe, mir zu überlegen, ob ich mich von der Dachterrasse stürzen soll, tranken wir kühlen Weisswein mit Zitrone, wurden dabei von einem wahrscheinlich seltsamen Nachbarn beobachtet und einmal hätte mir fast eine Taube auf den Kopf geschissen. In unserem Innenhof hörte man Geschirrklappern, laute Gespräche in fremden Zungen und über uns schwebten violette Wolken und manchmal hagelte es Zigarettenstummel. So fühlt sich also Heimat an.

Ich möchte das Glück fressen, mir einen Vorrat an Hoffnung anlegen – auf dass ich gross und stark werde für all die kargen Winter, die noch kommen werden.

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Schock: 47 Prozent der KillKill!-Leser inexistent

Posted in Allgemein on Dienstag, 7. Juli 2009 by drunkenjudge

Die Medienkrise verschont auch Kill!Kill! nicht: Rund die Hälfte der Leser des Qualitätsblogs sind schlicht nicht existent, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Fatal: Die Anzeigenkunden springen ab, die Kill!Kill!-Redaktion fürchtet um ihren Verstand.

«Bist du?» wollte Kill!Kill! kürzlich von seinen Besucherinnen und Besuchern wissen. Die Resultate der existenziellen Umfrage sind ein Schlag ins Gesicht, denn nur 53 Prozent der Leser haben die Frage bejaht – die andere knappe Hälfte «ist nicht».

«Dass ein derart grosser Teil unserer Zielgruppe nicht existiert, stellt den Sinn unserer Arbeit mehr als nur in Frage. Wir stehen vor einem Abgrund», jammert ein Kill!Kill!-Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Nicht da: Kill!Kill!-Leser

Nicht da: Kill!Kill!-Leser

Weniger Produktionsaufwand dank transzendenten Beiträgen
Aus dem Blog-Umfeld ist zu vernehmen, dass man bei Kill!Kill! derzeit verschiedene Ansätze prüfe, um sich aus der Misere zu befreien. «Diskutiert wird die Publikation inexistenter Beiträge, um die Leser quasi bei ihrem eigenen ontologischen Status abzuholen», will ein «Freund» der Redaktion wissen. Da die Produktion weniger aufwändig wäre, könnten beim Personal massive Einsparungen vorgenommen werden.

Ob Kill!Kill! damit nicht den Teufel mit dem Beelzebub austriebe? Schliesslich würde der Blog mit inexistenten Beiträgen in publizistischer Hinsicht Neuland beschreiten. Ob der Blog seine Anzeigenkunden für das schwer verständliche, metaphysische Konzept gewinnen könnte, ist mehr als fraglich. Zudem liefe Kill!Kill! mit einer solchen Strategie Gefahr, die kleine Mehrheit der realen Leser zu vergraulen.

Mit Kant durch die Krise?
Gangbarer scheint ein zweiter Lösungsansatz, von dem gut informierte Kreise wissen wollen. «Kill!Kill! denkt laut über eine kantianische Rosskur nach», verrät der Vertrauensarzt eines Kill!Kill!-Verwandten. Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit orientiert sich diese Rosskur am zweiten Satz von Kants Principiorum primorum cognitionis metaphysicae nova dilucidatio: «Es gibt 2 erste Grundsätze: a) Alles, was ist, ist und b) Alles, was nicht ist, ist nicht.» Allerdings hat auch dieser Lösungsansatz einen Haken. Schliesslich müsste das Blog-Management endlich zur Erkenntnis gelangen, dass nicht-seiende Leser nicht sind. Ganz einfach ist das nicht.

Hüpf, Herz, hüpf

Posted in Allgemein on Freitag, 3. Juli 2009 by badana

Da denkt man, man habe ausgedacht und ausgelacht, sei ausgelaugt und ausgelebt und einfach etwas immermüde. Da geht man also aus dem Haus, tagaus tagein, macht dies und das und jenes. Und dann kommt plötzlich etwas Schönes, an einem Sommertag, man hält inne und lauscht dem inneren Beat, der dröhnt und anhebt zu einem wuchtigen Wummern, bis die Sonne versinkt hinter wattigen Wolken. Das ist kein monotoner Beat. „Wir brauchen Bass, Bass.“