Archiv für April, 2010

Formen des Wahnsinns

Posted in Allgemein on Dienstag, 13. April 2010 by drunkenjudge

Chronische Raserei und erste Ansätze einer Lykanthropie: Mad Max hat sie nicht alle.

… und ob ich sie an mir feststelle:

Demenz – Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, aber auch des Denkvermögens und der Motorik.

Ja, vor allem morgens und abends.

Amentielles Syndrom – Akute halluzinatorische Verwirrtheit mit Desorientiertheit, Ratlosigkeit, illusionärer Verkennung der Wirklichkeit und zusammenhangslosem Denken.

Ja, vor allem abends.

Raserei (Manie)– Affektive Störung, die meist in Phasen verläuft.

Seit ich versuche das Rauchen aufzugeben.

Lykanthropie – Die (irrige) Vorstellung eines Menschen, ein Wolf (oder ein anderes Tier) zu sein.

Halte mich seit längerem für einen Menschen. Wenn ich wünschen könnte, dann hätte ich noch einen Papageienschnabel.

Furor (Wut) – Impulsive und aggressive Reaktion, ausgelöst durch eine als unangenehm empfundene Situation oder Bemerkung.

Wenn ich eine Situation oder Bemerkung als unangenehm empfinde.

Noctambulismus – Nachtwandeln.

Nachts schlafe ich, wie jeder andere anständige Bürger auch.

Lethargie – Bewusstseinsstörung, die mit Schläfrigkeit und einer Erhöhung der Reizschwelle einhergeht.

Während der Bürozeiten.

Ignoranz – (Möglicherweise absichtliches) Nicht-Wissen-Wollen oder Nicht-Beachten von Dingen.

Wenn möglich vor Situationen oder Bemerkungungen, die ich als unangenehm empfinden könnte.  [«Antizipierende Ignoranz»]

Apoplexie – Plötzliche Durchblutungsstörung eines Organs.

Meine Organe sind alle ganz normal.

Katatonie – psychomotorisches Syndrom, das unter anderem durch Einwirkung von Alkohol und anderen Drogen zustande kommt. Äussert sich in unnatürlichen, stark verkrampften Haltungen des ganzen Körpers.

Wenn es sehr kalt ist und ich nackt Velo fahre.

Hypochondrie – Psychische Störung, bei der die Betroffenen unter ausgeprägten Ängsten leiden, eine ernsthafte Erkrankung zu haben, ohne dass sich dafür ein objektiver Befund finden lässt.

Never!

Ebenfalls crazy: «De Dulle Griet» (auch bekannt als «Mad Meg»)

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So unter Frauen

Posted in Allgemein on Dienstag, 6. April 2010 by badana

Vor längerer Zeit, da führte ich so ein richtiges Frauengespräch:

Sie so: Sag, nichts Spannendes bei dir?
Ich: Wie – spannend?
Sie: Naja, so spannend, du weisst schon..
Ich: No.
Sie: Wirklich niemanden? Nicht mal ein bisschen?
Ich: Mhmm, da hatte es einen, der hat mir ganz gut gefallen, der ist aber schon in eine meiner Freundinnen verliebt.
Sie: Oha, das ist ungünstig – und sonst?
Ich: Und einen anderen, naja, der ist „Wächter des Lichts“.
Sie: Uff, das klingt ja gefährlich. Und sonst?
Ich: Und noch einen, der ist aber leider verheiratet.
Sie: Lass ja die Finger von verheirateten Männern..
Ich: Ah, und der davor, der wollte immer so in Konzepten leben, da hatten Menschen irgendwie keinen Platz.
Sie (mit hochgezogener Augenbraue): Also, das versteh ich nicht, es hat doch so viel nette Kerle.. Wieso triffst du bloss immer die falschen. Aber lass mich mal, ich schau mich für dich um..
Ich: Bitte einfach keinen, der „Avatar“ mag und „Jack Johnson“ hört.
Sie (augenrollend): Du und deine verschrobenen Ansprüche..
Ich (schmollend): Gar nicht wahr.. (trotzig) Die sind nicht verschroben..

Einen Monat später liess mir die besagte Freundin folgende Nachricht zukommen:

ich hab einen für dich gefunden. er heisst hugo und ist so:

in seiner freizeit geht er gern mit einem metall-detektor in den wald und sucht einen schatz, damit er mal reich wird – der hat also handfeste zukunftspläne. er sucht auch halluzinogene pilzchen im wald. von denen findet er viele und freut sich darüber. Einen richtigen schatz hat er aber noch nicht gefunden, jedoch einzelne münzen, immerhin, v.a. aus dem 17. jh aber auch eine aus der bronzezeit.. hat er erzählt, obwohl ich nicht weiss woher er weiss, dass sie aus der bronzezeit stammt. Wie auch immer. wenn es soweit ist und er einen richtigen schatz gefunden hat, kauft er sich ein verfallenes schloss in böhmen und man könnte dort schlossherrin werden, was ich persönlich keinen unattraktiven plan finde. Vorerst arbeitet er immer noch bei monika im garten und in den pausen kifft er mit ihrem sohn.

na, soll ich ihn für dich einpacken?

Klar sollst du!!!

(Hugo und ich in der Toskana, Mai 2012.)

Einer dieser Tage

Posted in Allgemein on Montag, 5. April 2010 by badana

Nein, frag nicht, es ist einer dieser Tage.. Du weisst schon. Einer dieser Tage, an denen man aufwacht und gleich wieder weiterschlafen möchte. Einer dieser Tage, an denen die ganze Welt duster wird. Wie in diesen Märchen, wenn ein fliegender Drache die Sonne verdunkelt. Einer dieser Tage eben. Die Stunden vergehen, zäh und klebrig, man isst, man wäscht sich, man hört Musik, verstopft sich die Ohren, malt sich Augen auf und zwirbelt sich das Haar zur Ordnung. Und doch wird man das Gefühl nicht los, dass da etwas zerbrochen ist, irgendwann, vielleicht nicht wegen diesem oder jenem, vielleicht wegen allem, vielleicht waren aber die Risse auch von Anfang da, schon immer. Und alles, was dann kam, war nur noch Verstellung, ein präpariertes Clownsgesicht, dem – im angestrengten Bemühen zu lächeln – immer etwas Groteskes anhaften wird. Haha, versuchst du mal wieder, lustig zu sein? Haha. Wie armselig.

Manchmal, da kommt der Frühling nie und nie die Leichtigkeit. Manchmal bleibt nur Schwere und ein fader Nachgeschmack, denn die schlechten Dinge bleiben immer viel länger als die guten, nicht wahr? Man wartet ab, sieht hin und wieder auf die fliehenden Landschaften, die Schatten, die länger werden, zählt die Furchen auf der Haut, die Steuererklärungen, die trostlosen Geschichten und nichtigen Abenteuer, die bedrückenden Missverständnisse, die flüchtigen Momente, in denen man erkennt, dass der Abschied bald kommen wird, dass er schon da war, schon immer. Und in diesen kurzen Augenblicken, in denen man das Gefühl hat, sein ganzes Leben mit einem Blick übersehen zu können, da wird einem ganz mulmig zumute, da man sich einer Lächerlichkeit preisgegeben fühlt, die das eigene kleine Ameisenleben schliesslich doch immer in sich birgt.

Und darum, frag nicht. Denn es ist einfach einer dieser Tage, an denen die ganze Welt kurz duster wird. Das vergeht ganz schnell, wirst sehen. Morgen oder spätestens übermorgen, da scheint mir die Sonne dann wieder ausm Arsch.

Verloren, verloren..

Posted in Allgemein on Sonntag, 4. April 2010 by badana

Ich hab ja jetzt bekanntlich meine brave Phase. Ich nannte sie: die Zeit der Maschine. Da ich optimal berechnet war und zudem geprüft im Hinblick auf mögliche Kollisionspunkte am Gehäuse. Diese Phase hat eben gestern irgendwie aufgehört, als ich die Pussywarmers in meinem neuen Lieblingsklub spielen hörte und dazu Galopper-Bier intravenös verabreicht bekam.. Tja, da kann man nichts machen, das sind einfach zu viele Faktoren, welche interagieren und einen Menschen dazu bringen, dass er stolpert oder gar fällt.

Und in einem solchen Augenblick wird diesem Menschen – nennen wir ihn Leo – bewusst, dass er halt doch keine Maschine ist und der Leo, der offenkundig einen ambivalenten Charakter seinen eigenen nennen muss, der Leo ist zu allem Übel nicht nur ein Strassenprediger, sondern auch ein Romantiker und flüchtet sich derweil gerne in die Welt der Gedichte.. Der Leo also, der liegt nun brummschädelig und beschämt in seinem Bett, da er sich seiner menschlichen Schwäche wieder einmal von neuem auf unfeine Art bewusst zu werden hatte. Wie gesagt, der Leo liegt da, schämt sich und liest Kaschnitz (denn Leo ist grad so verweichlicht, dass er auch Erich Fried lesen könnte). Da stolpert der Leo über folgende Zeilen:

Ja, wenn man ihm das Herz zerbricht,
Er fühlt es nicht und weiss es nicht.
Weil unentwegt und unentwegt
Der Puls des Lebens weiterschlägt.
Und doch im Herbst ein kühler Hauch,
Ein fremdes Lied, ein bittrer Rauch
Genügt, dass seine ganze Welt,
Die blühende, zu Staub zerfällt.

(Marie Luise Kaschnitz: Überallnie. Gedichte. 1969.)

Leo verfällt aufgrund der gelesenen Worte in tiefe Grübeleien. Natürlich war es nicht Herbst, aber die fremden Lieder, der viele Rauch – das alles hatte doch dazu beigetragen, dass ihm die ganze Klarheit gestern plötzlich abhanden gekommen war. So wie ein Hut oder ein Schirm. Nun denn, sprach Leo zu sich – und seine Laune hellte sich bereits etwas auf – so ist mir doch nicht die ganze Verantwortung für die gestrige Entgleisung zuzuschieben, denn schliesslich ist der Mensch den Einflüssen seiner unmittelbaren Gesellschaft ausgesetzt, wenn nicht gar ausgeliefert (schob Leo in Gedanken nach und ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus wie die Schwingen eines grossen weissen Vogels).