Archiv für Juli, 2010

5-Minuten-Text

Posted in Allgemein on Donnerstag, 29. Juli 2010 by badana

Mr. T  kocht heut für mich. Oder heisst er Dr. T oder MC T? Keine Ahnung. Jedenfalls werde ich gerne bekocht, weil da kann ich Wein bechern. Logisch. Der Gastgeber kocht, versucht, charmant zu sein (Mr./Dr./MC T wird das sicherlich auch gelingen), redet daher mehr, präsentiert Anekdoten, während ich seine Alkoholreserven plündere und mir anhand der Inneneinrichtung auszumalen versuche, wie sein zukünftiges Haus aussehen wird. Falls mir dabei langweilig wird, stell ich mir Absurdes vor – im Falle von T wäre es ein Blumensofa oder selbstgehäkelte Glasuntersetzer oder so ein Fisch, der an der Wand hängt und der bei jeder Bewegung schwanzwedelnd ein blödsinniges Lied von sich gibt. In solchen Momenten krieg ich furchtbar gute Laune und kicher rotwangig vor mich hin. Ich und ich wieder: einfach ein unschlagbares Team.

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Ohne dich.

Posted in Allgemein on Mittwoch, 28. Juli 2010 by badana
Weisst du, ich kann auch ohne dich. Ohne dich und ohne alle. Ich
schreite dann und wann und alles geht und stirbt mit mir. Kein Herz zum
Teilen, kein Platz zu zweit. Ich kann auch ohne dich. Es ist ganz leicht.
Viel leichter als zu warten wie ein Hund. Ohne dich hab ich zwei Beine
und auch Hoffnung auf ein wenig Glück. Ich bin zwar sperrig wie ein
alter Tisch. Doch ohne dich fühl ich die Welt in mir, als wär sie klein und
weich. Ohne dich, ohne dich, da sind die Nächte lau und endlich, der
Schlaf darauf ist sanft. Und wenn die Morgenröte dunkel glüht, dann
wieg ich mich und singe leise: Ich kann auch ohne dich. Ohne dich, ohne
dich und ohne alle. Ich schreite dann und wann und alles geht und stirbt
mit mir. Kein Herz zum Teilen, kein Platz zu zweit. Ich kann auch ohne
dich.

Boooooring!

Posted in Allgemein on Dienstag, 27. Juli 2010 by badana

Wer hätte gedacht, dass zu Hause sein auf Dauer so einen Kopfzirkus veranstaltet: Ich umkreise den Esszimmertisch, braue Kaffee und lass ihn kalt werden, höre Musik und wackle mit dem Hintern, schaue aus dem Fenster und erspähe türkische Tauben sowie einzelne Sonnenstrahlen, die durch den grauen Himmel dringen, immerfort der gleiche Trott: schlafenschuftenschlafenschuftenschlafenschuftenschlafenschuften.

Kann mich denn das Leben noch überraschen?

Die Angst vor der Nichtigkeit

Posted in Allgemein on Montag, 26. Juli 2010 by badana

Er verdrehte die Augen, als sie zu sprechen ansetzte. „Was?“ – fragte sie und bemühte sich, ihrer Stimme nichts Aufgeregtes anhaften zu lassen. „Was?“ – fragte sie nochmals, diesmal leiser. „Du und dein Zwang, alles in grosse Worte zu verpacken.“ – antwortete er und sog an seiner Zigarette, füllte die Lungen mit Rauch und blickte dabei an die gegenüberliegende Wand. Ein Pinup-Girl hing da in einem dunklen Rahmen, etwas schief, und es schien, als wollte er das Bild mit seinen Augen wieder gerade rücken. „Wie meinst du das?“ – fragte sie und ärgerte sich über den weinerlichen Ton, der mit ihrer Frage mitschwang. Er zuckte nur mit den Achseln und schaute sie immer noch nicht an. So fühlt sich Abschied an, dachte sie, stand auf und rückte das Bild beinahe trotzig gerade.

(Edward Hopper)

Dr. Fritz‘ Krankenzimmer

Posted in Allgemein on Donnerstag, 22. Juli 2010 by badana

Wenn sich die Schmerzen mehren und man die Minuten hin und herschiebt wie die Perlen an einer Kette, dann lassen sich bleierne Gedanken nur schwer abschütteln. So liege ich also in ein Korsett gezwängt auf meinem Bett und fühle mich als wäre mein Skelett aus Glas, zerbrechlich und durchscheinend. Und wieder einmal holt mich mein böser Zwilling ein, mein keifender und giftiger Schattengefährte, der mir den Sommer und die Leichtigkeit entziehen will. Er heisst Dr. Fritz und ich stelle mir vor, dass seine feinen, dünnen Haare akkurat gescheitelt sind, er trägt einen hellgrauen Kittel und in seiner rechten Brusttasche blitzt ein teurer Kugelschreiber, den er klackend drückt, wenn ich die Weite suche vor seiner strengen, sezierenden Hand. Ich kenne ihn sehr gut, seinen Blick, der meine Ausgelassenheit jeweils missmutig observiert. Nun verhakt Dr. Fritz selbstgefällig seine Finger ineinander, da ich gefangen bin in seinem Reich. Ich bin nur seine Puppe und meine Augen schliessen sich, wenn er mich hinlegt. Er lässt mich jedoch nie richtig schlafen, sondern predigt mir mit sonorer Stimme vor, dass der Baum vor meinem Fenster schwarz, die Strassenlampen zerbrochen, die Bank neben dem stinkenden Mülleimer modrig ist und mein Herz ein tiefes Loch, in dem man nur versinken kann.

Dazwischen Fetzen leiser Musik: Es ist Zeit für deine Pillen, Püppchen.

Wo bleibt der Schlaf, die Ruh?

Posted in Allgemein on Donnerstag, 8. Juli 2010 by badana

Manchmal, da will man gar nichts sagen und redet doch. Und manchmal, da will man gar nicht schreiben und tut es trotzdem.