Archiv für Oktober, 2012

Pas comme des animaux

Posted in Allgemein on Dienstag, 23. Oktober 2012 by badana

Zeiten des Aufruhrs und ich mittendrin – jedes Wort könnte sich als Schwert entpuppen. Lass sie uns niederlegen, die Waffen unseres Alltags. Ich bin etwas müde geworden vom ständigen Kampf und vom Zwang, alles Schöne zu zerstören. Lass uns ausharren, leise atmen, Haare zwirbeln, müde lächeln. Es gibt Vieles, was mir auf der Zunge liegt, doch soll mein Mund versiegelt bleiben – nur offen für Küsse und klares Wasser aus sauberen Gläsern.

„Continuer – mais pas comme des animaux.“ („De rouille et d’os„)

Simon Larbalestier, 2008.

Simon Larbalestier, 2008.

Advertisements

Gulaschsuppe, Temesta & „I hate Girls“

Posted in Allgemein on Mittwoch, 17. Oktober 2012 by badana

Budapest, oh Budapest. Unter den Schwingen des Turul schleichen im Nieselregen zerstörte Gestalten dahin. Am liebsten würden sie auf den nasskalten Pflastersteinen liegenbleiben, aber die Luft macht wach, man versucht, sich die Grausamkeiten wegzuflüstern, bis weit in den grauen Himmel empor. Wie kompliziert sind doch Frauen, sag ich laut, und greif mir automatisch an die Brust (an eine? an beide?), um meinen Worten mehr Theatralik zu verleihen. So kompliziert und anstrengend, dass ich mich am liebsten in einer siedendheissen Gulaschsuppe ertränkt hätte.

Und gerade jetzt schleichen die Tage so vor sich hin, ich möcht sie treten, in die Tischkante beissen. Ein Termin jagt den nächsten und ich warte auf etwas und weiss nicht worauf.

Plači, pičko! – meint der Igor in mir spöttisch, spuckt aus, greift sich in den Schritt und zieht von dannen. Jammern ist sowas von unsexy.

Closer

Posted in Allgemein on Donnerstag, 11. Oktober 2012 by badana

„It looks like we’re getting closer to the heart of this criminal artichoke.“
(Adam West als Batman)

Ich&Ich 2.0

Posted in Allgemein on Dienstag, 9. Oktober 2012 by badana

Eine schummrige Bar – ein Bild, das gemalt sein könnte und ich ertappe mich beim Gedanken: Bin das ich, ich, die hier so ausgelassen trinkt und spricht und Zigaretten kettet? War ich nicht gerade noch jemand anders, jemand, der Schiss hat vor allem und jedem, der nur kleine Schitte trippelt, vor jedem Abgrund erstarrt? Der im Bett liegt unter Schmerzen und an die Decke starrt? So frage ich mich nebenbei und höre zu und bin berauscht, dass es Menschen gibt, da draussen, die auch gegen die Stiernacken wettern und zaudern und hadern mit der Welt und trotzdem so lustvoll sind – ein Drink, ein Wort, ein Lächeln, das ins Mark dringt und aufmischt, das gute Unruhe stiftet.

Und trotzdem: Weshalb sind Glück und Trauer immer so scheissnah beisammen? Weshalb kommen sie immer Arm in Arm? Denk ich mir bisweilen: Oke, ich geb jetzt einfach auf, lass alles plätschern, mach keinen Mucks mehr, da beginnt die Kriegerin in mir zu brüllen. Und denk ich mir: Jetzt, jetzt ist der Zeitpunkt da, an dem ich nicht mehr denken muss, nur sein, da meldet sich Dr. Fritz zu Wort und zwingt mich zur grausamen Seziererei und Kurzatmigkeit: ein Aufwallen von Panik, das über mir zusammenschlägt wie schwere Wassermassen.

„Aufhören ist feig. Weitermachen ist feig. Aufhören ist tapfer. Weitermachen ist tapfer. Und das Leben ist eine Frage der Wortwahl. – Ach Scheissdreck!“ (Markus Werner: Zündels Abgang)

Nun denn, so ist es halt offenbar, das Leben: kein Ponyhof, kein Sugus, aber auch keine „Bitch and then you die“. Ich stell jetzt mal mein Hirn in den Kühlschrank – es werden sicher noch Zeiten kommen, wenn ich es brauche. Jetzt gerade streck ich alle viere von mir, sonn mich in leichter Verblödung und antworte automatisch – Out of office: Bis auf weiteres abwesend.

Ich&Ich 2.0

Ich&Ich 2.0

Wurmfutter

Posted in Allgemein on Mittwoch, 3. Oktober 2012 by badana

Ich schlendere frühmorgens über die Hardbrücke, die Sonne geht gerade auf, davor winkende Kräne – unter mir schiessen Geleise hervor, die ins Endlose führen. In meinem Ohr Manuel Stahlberger, der singt: „Wurmfueter – mer sind alles Wurmfueter.. Und wa essets echt zerscht – sicher d’Augä, diä Ärsch.. und ganz am Schluss – d’Füess.“ Und mein schwerer, noch trunkener Kopf ist gleich versöhnlicher gestimmt.. Ich liebe die Vergänglichkeit gerade sehr und erinnere mich an den letzten Abend zurück: Geburtstagsessen beim Asiaten (mein lieber, trashiger Take Away) mit der Gäng: Eine schminkt sich, eine schimpft, eine raucht, eine hat einen Schoggikuchen gebacken, der sofort ins Zuckerkoma befördert, ich schneide konzentriert Flyer aus, auf denen das Datum fehlt (und merke es nicht). Wir lachen, wir sind leicht, safe und abenteuerlustig. Es scheint, als gäbe es keine belastenden Zementkreuze, keine engherzig stimmenden Ängste vor der Zukunft, keine Fangnetze trostloser Wirklichkeit. Wir sind gross, verträumt und die Welt liegt uns schmachtend zu Füssen. Ich atme ein – halte inne, nehme mir vor, nichts davon zu vergessen, nicht das Licht, nicht den tanzenden Herzschlag – ich atme aus. Später gibt es den grässlichsten Prosecco ever, in einer fast leerstehenden Bar, in der eine sich verirrte Diskokugel Schwindel erregt. Ein überraschendes, schönes Auftauchen, das mich lehrt: Bad lama! – Ich darf nicht schneller denken als sein, nicht schneller denken als sein.

Erwin Wurm

Erwin Wurm