Archiv für Dezember, 2008

Kuma Silvester

Posted in Allgemein on Mittwoch, 31. Dezember 2008 by froileincharlotta
Stoffesel

Sieht ganz schön traurig aus, nicht?

Silvester.  Erinnert mich irgendwie immer an meinen Stoffesel, den ich als Kind gehabt habe. Den hab ich „Kuma Silvester“ getauft. Gott weiss warum. Jedenfalls fühlt sich seit da Silvester immer wie ein grauer, ausgefranster Stoffesel an, der müffelt und traurig guckt. Und noch was: Kuma Silvester war etwas doof. So wie Silvester. Silvester ist auch etwas doof. Wer etwas auf sich hält, der hasst Silvester. Aber Silvester zu hassen ist auch doof. Darum wechseln meine Silvestergefühle zwischen zutraulich, abgeneigt, vorfreudig offen und angepisst. Keine grossen Gefühle also. Aber Kleine. Und die kleinen Gefühle können ganz schön nervig sein, wenn sie nicht wissen, wie sie sich entscheiden sollen. Das ist wie eine Schürfwunde – nicht der Rede wert und trotzdem ganz schön nervig-schmerzhaft.

Nun gut: Trotzdem ein gutes neues Jahr – auf die „ganz-grosses-Kino-Gefühle“!

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weihnachtliche reise durch wikipedistan

Posted in Allgemein on Montag, 29. Dezember 2008 by kobrra

weihnachten. klirrende kälte. während alle (katholische und protestantische) welt bei ihren familien weilte und zu ehren christi geburt schmauste, sass ich in einer spelunke, vertieft in ein literarisches werk. ich driftete weg: kopfhörer in den ohren, rockmusik, der text verschlang mich, und die menschen um mich herum kümmerten mich etwa so sehr, wie die meisten von ihnen der wahre sinn der weihnacht. irgendwie ist das, wie wenn ich mich selbst in isolationshaft nehme, dachte ich, der ipod gaukelt vor, dass er mich vor äusseren einflüssen schützt, indem er mir eine wohlbekannte geräuschkulisse und damit erhöhte konzentrationsfähigkeit schenkt, aber an sich sperrt er mich in einen gläsernen käfig. seltsam. doch ich mag dieses gefühl.

wo war ich stehen geblieben? nichts von dem, was ich bis dahin gelesen hatte, blieb hängen. verdammt. ich schaute hoch, wollte einen weiteren kaffee bestellen, und stockte. das café hatte sich geleert, ohne dass ich es bemerkt hatte. unmöglich schien mir das, und ich blickte nach allen seiten, das licht war gedämpft, keine menschenseele weit und breit. ich schaute auf den ipod. während ich den kopf hob, dachte ich, track 9, also höre ich seit höchstens einer dreiviertel stunde musik, und ich hätte doch bemerkt, dass… ich zuckte zusammen. mir gegenüber sass ein mann in nadelstreifen-anzug, die beine übereinander geschlagen und den linken arm auf der rückenlehne seines stuhls abgestützt, den blick auf mich gerichtet, und er schien zu sprechen, während die musik weiter vor sich hin plätscherte. („i don’t understand french, but if i could, i would write beautiful songs about horrible things“) flüsterte die frau in meinem ohr, die lippen des mannes schienen sich dazu synchron zu bewegen, so als wäre er es, der, wenn auch mir gegenüber sitzend, durch die kopfhörer zu mir sprach. wieder blickte ich nach links, nach rechts. niemand. („you must have a heart in order for it to be broken. many people walk in a dream. they feel entitled to happiness and feel anger when it is not waiting for them.“) immer noch redete der mann, und es schien ihn keineswegs zu irritieren, dass ich ihm nicht zuhörte. („we find ourselves in little boxes watching little boxes.“) der mann zupfte ein wenig an seinem ärmel herum, als würde er einen fussel entfernen, um mich schliesslich wieder zu fixieren. ich nahm die kopfhörer ab, und gerade als ich ihn danach fragen wollte, sagte er: „du fragst dich, was gerade geschieht? du fragst dich, wer ich bin? du fragst dich, was ich die ganze zeit vor mich hin spreche? du kennst die antwort, kobrra.“ ich schüttelte den kopf. woher kannte er meinen namen?

„schau“, meinte er weiter, „es hat keinen sinn, dass wir nun darüber diskutieren, ob du die antwort kennst, oder nicht, denn ich weiss, dass du sie kennst. du hast bloss noch nicht die erleuchtung gehabt, dass die antwort eben wirklich die antwort ist. sei’s drum.“, brach er ab, bevor ich einhaken konnte, „wusstest du, kobrra, dass „spelunke“ ein lateinisches lehnwort ist? es kommt von [spelunca, -ae, f.], was soviel heisst wie „höhle“. nur wenige leute wissen aber, wo die verbindung ist zwischen höhle im eigentlichen sinn, und einem restaurationsbetrieb, wie diesem, in dem wir gerade sitzen.“ er schnippte mit den fingern. ich traute meinen augen nicht: wir sassen nun tatsächlich in einer höhle, der tisch zwischen uns hatte sich verwandelt in einen alten holztisch, wir sassen nun auf einfach gezimmerten bänken. die luft war zwar immer noch rauchschwanger, nun aber auch modrig und feucht. es roch nach gebratenem fett. „spelunca nannten die anhänger des mithraismus jenen raum, in dem sie rituelle mahlzeiten einnahmen. sie versammelten sich auch sonst in natürlichen oder künstlich angelegten höhlen, um ihren gottesdienst zu feiern, soviel weiss man, nicht so recht aber, wer ihre gottheit war, oder an welches urprinzip sie glaubten. jedenfalls verschwand der mithraismus spätestens im 5. Jh. n. chr. vollständig, nachdem der römische kaiser theodosius I. im jahre 391 n. chr. das christentum zur staatsreligion erklärt und alle paganen religionen verboten hatte. die mithraisten hinterliessen beinahe keine hinweise auf sich, und so wird alles wissen über sie zu reiner spekulation. aufgrund ihres namens aber vermutet man, dass sie sich auf „mithra“ zurückberiefen, eine figur aus dem glaubenskonzept der zoroastristen…“ an dieser stelle unterbrach ich ihn, weil ich aus dem monolog ein zwiegespräch machen, und auch ein wenig mit meinem wissen angeben wollte, weil ich wusste, wer die zoroastristen, und wer zoroaster (zarathustra) waren, aber mehr als ein kurzes stocken in seinem redefluss liess er nicht zu, sondern fuhr sogleich fort: „aber wer weiss schon, ob das wirklich stimmt. mal angenommen, dies sei tatsächlich so gewesen, bedeutete dies, dass sich in derselben zeit aus gleich vier religionen, dem judentum, christentum, zoroastrismus und mithraismus, eine schnittmenge bilden liesse. und ich halte es für ausserordentlich interessant, dass es eigentlich der zoroastrismus war, der diese schnittmenge ermöglichte, und zwar auf gleich zwei ebenen: einerseits war es der zoroastrismus, als eine der ersten religionen, in der streng getrennt wurde nach einem rein guten und ebenso rein bösen urprinzip, der damit die grundlagen für das christentum schuf – kontakte zwischen dem persischen raum und palästina in der zwischentestamentarischen zeit scheinen gesichert. nach diesem vorbild wurden vom alttestamentarischen jüdischen gott alle bösen elemente entfernt, und stattdessen ein ebenso reiner gegenspieler eingeführt – der teufel. sicherlich erinnerst du dich daran, dass es im alten testament keinen fürsten der finsternis gibt. nun, dies liegt daran, dass der engel luzifer (lat. für „morgenstern“) im alten testament noch nicht von gott abgefallen war, sondern bloss die aufgabe hatte, die menschen vor gott anzuklagen. diese rolle blieb in einem seiner heute gebräuchlichen namen erhalten: „satan“ bezieht sich zurück auf altarabisch „shaitan“, was soviel heisst wie, eben, „ankläger“, oder „wanderer“.“

der monolog begann mich zu ermüden, auch wenn ich ihn für durchaus interessant hielt, aber vieles davon wusste ich tatsächlich bereits. starker durst plagte mich. und ich wollte wiederum einen versuch unternehmen, mich, ein wenig mindestens, ins gespräch einzubinden, aber der mann liess dies nicht zu, denn er sprach einfach weiter: „andererseits ist es so, dass möglicherweise gerade die figur „mithra“ ebenso ins transzendentale konzept übernommen wurde, und zwar sowohl von den juden, als auch den christen. und erstaunlicherweise taucht die jüdische, bzw. christliche entsprechung des mithra nicht in kanonischen texten auf, sondern nur in kabbalistischen bei den juden, und in apokryphischen bei den christen. mithra wurde, so glauben die zoroastristen, geschaffen von „ahura mazda“, ihrer hauptgottheit, und dieser betraute mithra mit besonderen aufgaben, so z. b. mit dem richten über die menschen. nun, die entsprechende figur bei juden und christen ist „metatron“, der im diesseitigen leben der prophet enoch gewesen zu sein scheint, der nach seinem tode von gott eine wichtige rolle zugeteilt bekam: er war hüter der zeit, himmlischer bote, führte die seelen im himmel und die israeliten durch die wüste, nachdem diese aus ägypten ausgezogen waren. gewichtiger aber waren seine funktionen als schreiber des himmels, was ihm das privileg eintrug, als einziges wesen, neben gott selbst natürlich, im himmel sitzen zu dürfen, und jene als stimme gottes – gottes sprechorgan produziert nämlich einen klang, den kein irdisches wesen unbeschadet erträgt. so verbrauchte gott mehrere menschengeschlechter, bis er einsah, dass es allenfalls besser wäre, fortan einen stellvertreter zu den menschen sprechen zu lassen. aufgrund seiner wichtigkeit nahm metatron in der <a himmlischen hierarchie einen rang zwischen den engeln und gott ein, wie auch schon sein name verrät: „metatron“ und „shaddai“ (gott) haben denselben zahlenwert, genau so wie die entsprechenden reduktionen auf ein tetragrammaton, und deshalb wird metatron als der „kleinere gott“ angesehen, also als dessen stellvertreter, der auf einem kleineren thron neben jenem gottes sitzt. es ist erstaunlich, dass eine so prominente himmlische figur in keinem kanonischen text erscheint, nicht? und hinweise darauf, dass er dennoch teil der transzendentalen vorstellung sowohl der juden, als auch der christen ist, finden sich zuhauf: z. b. ist der „würfel des metatron“ – um eine person herum konstruiert, hält er dämonen und den teufel selbst fern – eine reduktion der „frucht des lebens“, einer in vielen religionen verbreiteten geometrischen figur, die die verflechtung allen lebens darstellt.“

an dieser stelle brach er seinen monolog ab. war nun die reihe an mir, etwas zu sagen? ich dachte nach, einen kurzen moment, wollte mir einen satz zurecht legen, den beginn einer argumentation, und just als ich ansetzte, erhob sich der mann von seinem stuhl, lehnte sich über den tisch, kam mir näher und näher. mir fiel gerade noch auf, dass er keinerlei geruch hatte, als er mir, leise, ins ohr flüsterte: („we must burn our little boxes. we must create dialogue. we must realize the importance of every moment.“) verdutzt war ich und unsicher, er jedoch lächelte, sah mir, mit der linken hand noch immer auf den tisch gestützt, direkt in die augen, mit einer intensität, als würde er durch dieselben in mein gehirn und mein herz blicken, und schnippte wiederum mit den fingern.

(„we must turn our boredom to gratitude. use your hands, your thoughts, your hunger. these things are yours and yours alone.“), klang es aus den kopfhörern. ich sass wieder in derselben bar. dieselben menschen um mich herum. der ipod sagte immer noch track 9, auch wenn ich dies aufgrund des textes bereits erraten hatte. was mir vorkam wie stunden, hatte offenbar nur wenige sekunden gedauert, oder meinte ich das nur? bereits wenige augenblicke später erschien mir die ganze eben erlebte szene äussert sur- und irreal, und das, was am meisten hängen blieb, dachte ich in dem moment, war dieser brennende durst, der trockene mund, so als hätte ich den ganzen monolog geführt. der umstand, dass offensichtlich niemand um mich herum die polizei oder das irrenhaus verständigt hatte, beruhigte mich, und nachdem ich einen grossen schluck wassers tat, vertiefte ich mich wieder in meine lektüre. dort stand: „Enoh, Sohn des Jared […] wandelte an einem wolkenlosen Tag an einem Bach entlang und lauschte dem Gesang der Vögel, als sich der Himmel plötzlich verdüsterte, aus der Ferne schwarz-weisse Wolken gleich grossen Schiffen anrückten, hinter ihnen von einem Donnern begleitet die Hand des Herrn erschien und eine Stimme kräftiger als ein Trompetenorchester erklang. Die gewaltge Stimme sagte zu Enoh, sie sei gekommen, um ihn in den Himmel zu erheben, als Zeugen all des Bösen, was die Menschen auf Erden begingen und so Gottes Mühen in den Schmutz zogen, damit er, Enoh, den grossen Zorn Gottes und seinen berechtigten Wunsch begreife, das Menschengeschlecht vom Antlitz der Erde zu tilgen so, wie er eine Träne von seinem Gesicht wische. Nach diesen Worten, ohne die Antwort abzuwarten, legte sich die Hand wie eine Rauchwolke um Enoh und hob ihn so schnell in die Höhe, dass er fürchtete, seine Schuhe zu verlieren, aber nach nur einem oder zwei Wimpernschlägen fand er sich in einem prachtvollen Palast wieder, umgeben von neugierigen Engeln. Dort verwandelte der Herr ihn in ein übermenschliches Wesen mit zweiundsiebzig Flügeln und ganz vielen Augen, ein Wesen so gross wie die ganze Welt, die damals unter den gewaltigen Wassern der Sintflut begraben lag. Er nannte dieses Wesen Metatron und erklärte es zum Prinzen der Anwesenheit Gottes, zum reinen Feuer, zum Feuer, das geht, zum Feuer, das fliesst. zum Feuer, das die himmlische Flamme speist, zum Feuer, aus dem alles entsteht und zu dem alles zurückkehrt, wenn man nur den richtigen Weg findet.“ ( david albahari : die ohrfeige : s. 267. )

( the sound of animals fighting : the ocean and the sun : uzbekistan )

( albahari, david: die ohrfeige. (aus dem serbischen übertragen von mirjana und klaus wittmann.) Frankfurt am Main: Eichborn Verlag, September 2007.

( the mars volta : the bedlam in goliath : metatron )

( the mars volta : amputechture : tetragrammaton )

( secret chiefs 3 : the book of angels )

Die Hamletmaschine

Posted in Allgemein on Freitag, 26. Dezember 2008 by badana
   

Soll ich

– weil’s Brauch ist –

ein Stück Eisen

stecken in das nächste Fleisch

oder ins übernächste

mich dran zu halten,

weil die Welt sich dreht?

 

Herr,

brich mir das Genick

im Sturz von einer Bierbank.

(Heiner Müller)

 

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Grüningen

Posted in Allgemein on Sonntag, 21. Dezember 2008 by badana

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Heute zeige ich dir Grüningen, ein kleines Städli unweit von Zürich. Verwinkelt und verborgen winden sich Gässlein an Häusern vorbei, auf deren Fassaden Segensprüche prangen. Wir gehen schweigend, du nimmst meine Hand und lächelst in das Tal linkerhand. Fragst du mich, wie es mir geht oder blickst du mich nur trostvoll an, um meinen Kummer vorwegzunehmen? Ich meine unverändert und ärgere mich, da mir sogleich die Tränen in die Augen schiessen. In meiner Vorstellung bin ich nie weinerlich, sondern still und sanft, mit einem Rückgrat aus Stahl. Natürlich umarmst du mich in diesem meinem tattrigen Moment und ich würde gerne in jede deiner Berührungen eintauchen wie in ein tiefes Meer. Mich auf dem Grund einrichten und in einer Unterwasserhöhle die Wände mit deinem Namen versehen, auf dass ich dich nicht vergesse, wenn du oben auf der Erde wandelst und alt wirst ohne mich.

Ich habe Angst vor den kommenden Tagen, vor deinem Haus an diesem See, das mir die Pforten niemals öffnen wird. Diese Gemäuer werden mich ausspucken, das weisst du. Du lachst und zeigst mir die bunten Bäume, die das Tal umsäumen wie strenge Wächter und flüsterst, dass ich nicht denken soll. Ich sehe deine Finger, die wie ein Zahnrad in meine greifen, ich beobachte dich, ich beobachte uns, wie wir einander entgleiten oder verlorengehen – in diesem Grüningen, wo Pflastersteine den Boden zieren und fremde Menschen uns auf der Strasse grüssen. Mir ist das unangenehm.

Manchmal denke ich, dass du schuld bist, dass ich aufgegeben habe, sage ich laut in die Richtung einer kleinen putzigen Kirche und sofort bedecken Wolken deine Stirn. Ein Kräuseln, ein Flattern, jetzt folgt das Gewitter. Lass deinen Donner auf mich nieder, denke ich und blicke dich herausfordernd an. Ich möchte diesen Abschied vergessen, den mit mir herumtrage. Auf ein Wort von dir möchte ich noch kurz warten, ein Wort, das alles verändert und mich umstimmt. Mich meine Koffer wieder auspacken lässt. Ich möchte meine Rast verlängern, aber du musst mich dazu bringen, sage ich und sehe dich von der Seite an, wie du jemanden oder etwas anderes ansiehst. Man müsste die Richtungen unserer Blicke jeweils aufzeichnen – sie beginnen bei mir und enden bei dir.

Du schweigst und befreist deine Finger langsam aus meinen. 

Serbs & Cops II.

Posted in Allgemein on Freitag, 19. Dezember 2008 by badana

(Oder: Der unerbittliche Kampf gegen die rassistischen Übergriffe an meinem Briefkasten. Teil 2)

Wieder bitterkalt, wieder ich, mit Aceton bewaffnet, die mein Milchkästli poliert.

Dieses Mal stand:

SCHEISS SERBE

HUERESOHN

DINI MUETER

Der arme Junge (ist es ein Junge, bin ich jetzt sexistisch?) kann nicht nur nicht zeichnen, sondern auch nicht lesen und denkt, ich sei auch ein Junge.

Meine Mama sagt, ich soll einfach schriftlich zurückfluchen (sie war bisserl angepisst wegen „dini Mueter“), aber ich weiss nicht so recht, wie würde das denn aussehen.. Manchmal denke ich, ich bin die Mama meiner Mama und dann werde ich ganz erwachsen und nenne erwachsene Einwände, die dann dazu führen, dass ich nichts mache.

Ein Bekannter bot mir gestern an, seine Cousins von da unten vorbeizuschicken, die dann meinen Briefkasten observieren und Brei aus dem jungen Schnufer machen. Aber hat nicht jeder kleine Nazi ein Recht auf eine Zukunft mit seinen eigenen Zähnen?

Vielleicht sollte ich ein Herz draufmalen oder zwei knutschende Delfine oder einen Anti-Rassismus- oder Bob-Marley-Kleber draufkleben – aber bei letzterer Lösung würde mir kobrra den ganzen Briefkasten in die Luft sprengen und mir die Freundschaft kündigen, das lohnt sich nicht. Lieber Opfer von rassistischen Verschandelungen werden, als auf die Bierprojekte mit kobrra verzichten und überhaupt keinen Briefkasten haben.

Vielleicht könnte ich einzelne Minen streuen und wenn es einen netten Nachbarn erwischen würde, könnte ich meinen empathischen Gesichtsausdruck aufsetzen (den hab ich letztens fleissig vor dem Spiegel geübt) – das Ganze würde dann so aussehen:

ruebezahls_rache4

Der Baum wäre schnell organisiert und der Fetzen auch, es geht hauptsächlich um die Handstellung, die ist perfekt zu meistern, der Rest ist Firlefanz. Wozu es den Stecken braucht, weiss ich nicht so genau, aber den kann ich auch auftreiben, vielleicht eher einen Knüppel (diesen Schwenker hab ich extra eingebaut, um den Titel zu legitimieren, clever eh?).

Aso, liebe Freunde, was wäre euer Ratschlag?

Minen, Cousins, Delfine, Bob Marley oder eine Namensänderung in „Otto Klopf“?

leise zerrieselt die weihnachtsmaske.

Posted in Allgemein on Mittwoch, 17. Dezember 2008 by kobrra

kaum rieselt die erste schneeflocke vom himmel hernieder, versinkt zürich im chaos. jedes jahr dasselbe. jedes. und wer jetzt denkt, ich beschwere mich über verspätungen und pulverisierte verbindungen und so, der hat sich geschnitten: ich liebe es. einher mit dem verkehr kollabiert die arbeitszeit, und wenn man eineinhalb stunden zu spät zur arbeit erscheint, so wie ich heute, und trotzdem zeitig geht, muss man weder eine beerdigung, noch galoppierenden kopfschmerz, noch einen nicht gestellten wecker erfinden – der fingerzeig zum fenster reicht völlig.

eine selige zeit. und ich bin dankbar: dafür, dass sich die stadt offenbar keinen fernseher leisten kann, und auch keinen radioempfänger (dass es heute schneien würde, hätte man bereits vor 5 tagen wissen können, und trotzdem waren keine strassen und keine tramgeleise geräumt. ob es da einen zusammenhang gibt mit der „lease and lease back“-aktion, aufgrund derer die vbz finanziell, nun, am arsch ist? keine ahnung. vielleicht ist dies auch bloss eine andere geschichte.); dafür, dass die meisten zürcher doof genug sind, um nicht zu merken, dass die trams nun nicht nach fahrplan durch die stadt cruisen, sondern in horden (meistens sind es 2 trams der gleichen linie, die sich im abstand von 1 minute durch die stadt jagen – und während das vordere beinahe zerbirst‘, könnte man im hinteren getrost einen liegestuhl hervorholen); und auch dafür, dass die menschen zürichs in dieser wundervollen, vorweihnachtlichen stimmung, in die sie sich selbst hineingefoltert haben (z. b. mit christkind-brandings), die gleichen ärsche bleiben, wie schon das ganze jahr davor – wären sie jetzt plötzlich nett und hilfsbereit und verständnisvoll, könnte ich die permanente übelkeit, die mir der stern von bethlehem jeweils von august bis januar beschert, bestimmt nicht mehr kontrollieren. wobei: grüner schnee… vielleicht wär‘ das was. wer weiss das schon so genau.

und dies nur so am rande: ja, die bahnhofstrassenweihnachtsbeleuchtung ist abartig geil.

Serbs & Cops

Posted in Allgemein on Mittwoch, 17. Dezember 2008 by badana

Gestern kuck ich auf meinen Briefkasten und da prangen folgende Worte drauf:

FUCK SERBS

Unter meinem durchgekritzelten Namen war etwas gezeichnet, das an einen Penis erinnerte. Als ich meine Brille aufsetzte und etwas genauer schaute, sah ich, dass es ein schlecht gezeichneter Mittelfinger war.

Ich musste also heute Morgen, in düsterer Gemütsverfassung und Affenkälte, diese krakelige Beleidigung von der Türe meines Milchkästlis kratzen und fühlte mich irgendwie erniedrigt.

Gestern hat mir ein Bekannter geraten, eine Anzeige gegen Unbekannt einzuleiten. Aber wer will schon was mit den Bullen zu tun haben. Nedu. Die kommen mir nicht in die Hütte. Auch wenn 100 Nazis in meinen Briefkasten kacken und mir mit Kunstblut böse Wörter an die Hauswand schreiben.

FUCK COPS

Da kennen die Serbs keine Ausnahme.

Ein Polizist kommt mir nur ins Haus, wenn er mit mir verwandt ist oder angeheiratet (nicht mit mir, sondern mit einer entfernten Cousine, die ich sowieso nicht voll mag).

Oder wenn er konfiszierte Beute mitbringt.

Oder mich dadaistische Gruselbotschaften über Polizeifunk verbreiten lässt.

Oder eigentlich ein Stripper ist und ich Geburtstag habe.

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Aber das ist eine ganz andere Geschichte.