Archiv für März, 2009

Der Kurt ist tot

Posted in Allgemein on Montag, 30. März 2009 by badana

Ich bin gar nicht da, ignorier mich einfach. Wie ist es dir ergangen? Gut? Ich freue mich. Ich freue mich ausserordentlich, mein Lächeln hängt grad etwas in meinem Gesicht fest, lass dich davon nicht beunruhigen. Du fragst, wie es mir geht? Sehr gut, ja gut, alles beim Alten und das ist natürlich schlecht, aber ich will dir nicht die Ohren volljammern, keine Bürde sein, ich weiss ja, du hast viel zu tun, bist auf dem Sprung bereits, in Gedanken, was soll ich denn noch sagen, so auf die Schnelle, magst wieder über dich reden? Jaja, das machen wir alles oder auch nicht, wir werden Berge besteigen und Täler ausleuchten und alles zu zweit, äh, ja genau, alles alleine, meinte ich, da hinten, da blaut es gerade und ich lenke ab. Ich freue mich, dass du dich freust, mich zu sehen, ich würde mich auch gerne freuen, wenn ich dürfte, doch dann verändert sich jeweils alles so rasend und ich werde wütend auf dich, egal, was du sagst. Du schweigst? Neinnein, ich möchte nicht aufhören, mit dir zu reden, was fragst du denn so, weisst du denn nicht, dass sich gerade alles etwas verbiegt in meinem Kopf, alles plötzlich so schwer und undurchschaubar wird, und ich wäre froh, könnte ich dir sagen, dies oder das, doch dazwischen hat es nun so viel, dass es auch darum gar nicht mehr geht, nicht um dich, um mich, auch nicht um dieses Gespräch und auch nicht darum, dass ich dir etwas gewollt verschweige, sondern um dieses Dazwischen, dieses Daneben, haarscharf vorbei, ins Nichts geflüchtet, alles, was zwischen uns war. Neinnein, du weisst, ich bin nur auf der Hut, muss aufpassen, auf die müden Knochen, die brechen so leicht, ein kleines Knacken und schon ists vorbei und der Kurt ist tot, aber gleich zäh wie vorher. 

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An Frau M. II

Posted in Allgemein on Mittwoch, 25. März 2009 by lukasbuenger

Liebe Frau M.,

bin nun schon über einen Monat hier. Wohne im Hotel und frühstücke im Café und doch will irgendwie keine rechte Bohemien-Stimmung aufkommen. Träume die ganze Zeit. Meistens nicht mal nachts. Vor drei Monaten hätte ich ähnliche Geschichten wahrscheinlich belächelt. Aber grade jetzt ist mir so gar nicht ums Lachen. Vorhin war ich eben Zigaretten kaufen, da hatte ich so ein Ding, dem ich jetzt nicht Vision sagen möchte, aber beunruhigend war es allemal: Ich hatte eine Schatzkarte und bin dem Weg nachgegangen, der da beschrieben war und urplötzlich stand ich in einem grossen Gewölbe, das proppenvoll mit immensen präparierten Skeletten war und dann hab ich mich angefangen zu drehen, bis mir fast schwindlig wurde. Am Schluss donnerte eine unheilvolle Stimme durch die Hallen, die sich dann als diejenige des Verkäufers herausstellte, wieder real also.

Vor zwei Tagen hat mich der Franz angerufen. Irgendwie hat er spitzgekriegt, dass ich mich im Büro auf unbestimmte Zeit habe freistellen lassen und nach Italien gefahren bin und da der Franz zwar ängstlich aber trotzdem nicht blöd ist, hat er natürlich gleich kapiert, dass ich Sara suchen gegangen bin. Meine Güte, hat der mich ausgeschimpft. Er mache sich Sorgen um mich und die Bärbel auch (wobei ich mir das schlecht vorstellen kann, die wollte ihn sicher einfach loswerden, du weisst ja, wie anstrengend der Franz sein kann, wenn er so ängstlich und bemutternd wird) und was mir einfalle, ich würde einem Hirngespinst nachrennen und so weiter. Ich bin eigentlich bis fast zum Schluss ziemlich ruhig geblieben, aber dann ging die alte Litanei wieder los: Sara habe mich sitzengelassen und nicht geschätzt und die Familie nicht respektiert und verdiene den ganzen Aufwand nicht und noch mehr Dinge hat er gesagt, von denen er schlicht keine Ahnung hat. Da habe ich dann ein wenig die Contenance verloren und ihn etwas schroff zurechtgewiesen, dem folgte ein ziemlich unverständliches Geschrei seinerseits und dann hat er aufgelegt. Es tat mir schon leid, weil ich ja eigentlich genau weiss, dass er sich Sorgen macht und ich versteh auch, dass diese Italien-Aktion für Aussenstehende ziemlich verrückt klingen mag.
Aber dann kam das Finale: Etwa zehn Minuten später klingelte wieder das Telefon und dieses Mal war Helena dran und hat gefragt, ob ich denn alles habe, was ich brauche, ob man mir etwas schicken soll, Socken (!!!) und so weiter. Ich hab geschäumt vor Wut! Da kommt dieser Prototyp von Hausfrau (immerhin die Anvertraute meines Bruders, also gewissermassen involviert) und fragt nicht einmal, wie es mir geht, sondern zieht mit mir die gleiche Nummer durch wie mit ihren Kindern und sowieso der ganzen Welt. Zum Schluss fragte sie mich, ob ich mich gut ernähren würde, weil das wäre wichtig, wenn man so anstrengende Reisen unternimmt und Italien sei ja nicht so hygienisch etc. Hätte das Schicksal meinen Wünschen entsprochen, es hätte Atombomben auf die Schweiz geregnet. Ich hab dann kommentarlos aufgelegt und mein Handy in den nächstbesten Gully geworfen. Keine Lust und keine Energie für Mittelstands-und Mutterkomplexe. Du hättest sicher vermittelt…

Bin übrigens dann in diesen Buchladen gegangen. Hat mich unglaubliche Überwindung gekostet, weil ich mir gar nicht mehr so sicher war, ob ich eine Begegnung mit Sara halbwegs lebend überstehen würde. Aber ich hab dann an Deinen Auftrag gedacht und der hat ja mit mir nur am Rande zu tun und das hat mir geholfen und ich bin in den Laden hinein. Der Besitzer war so ein altes, schrulliges Männchen mit einem nahezu unverständlichem Dialekt (Süden), aber mit Ach und Krach konnte der mir dann sagen, dass sie aus mir unverständlichen Gründen (also nicht die Gründe an sich waren unverständlich, kann das ja gar nicht beurteilen, weil ich sie so wirklich nicht verstanden habe, also akustisch) nach Siena gezogen ist. Und nun muss ich eben dahin. Hab das Gefühl, dass sich vieles ändern wird, es liegt irgendwie in der Luft. Ich bin auch zum ersten Mal seit langer Zeit so etwas wie ungebunden. Komisches Gefühl. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie gern ich Dich bei mir hätte in diesen unsicheren Zeiten.

In Liebe,
Dein Wenno

PS: Panzerotti, so hiessen die.

Es schreibt

Posted in Allgemein on Montag, 23. März 2009 by badana

Der Schrecken eines jeden Autors: der gähnende Schlund eines kahlen Blattes – hier fehlt ein Wort und hier und hier, ganze Sätze, Absätze, es ist noch keine Geschichte da. Ich möchte über Inzest schreiben, denke ich und vor meinem inneren Auge eröffnet sich das Bild eines Waldes, es dunkelt ein, es hat geregnet, es riecht nach Regen, der Boden ist feucht und auf dem Moos verharren einzelne Regentropfen, kleinen Glasperlen gleich.

Ich denke an Plot und überlege mir, ob inzestuöser Sex überhaupt noch schocken kann. Wir modernen Leser sind abgebrüht. Letztens ein Gespräch im Bus: „Er hät sie denk nöd tödäd, nur gfoltärät und so.“ Vielleicht muss der Plot anders sein, banal, sie sucht ihren Bruder, der ihr versprochen hat, sie zu wecken und in den Wald mitzunehmen, aufs feuchte Moos und er kommt nicht und sie, was tut sie? Sie geht alleine in den Wald, vielleicht fällt sie irgendwo rein oder runter und bricht sich das Bein. Knack. Das muss hässlich klingen, wenn die eigenen Knochen brechen, das habe ich mir sagen lassen. Vielleicht reicht es, wenn sie sitzen bleibt und weiss, dass er nicht kommen wird. Vielleicht muss die Geschichte auch anders sein, vielleicht muss er sie wecken kommen, vielleicht leckt er ihr übers Gesicht, ganz leicht und dann steht sie leise auf, jeder Handgriff sitzt, sie machen das schon lange und sie freut sich, sie ist wie hypnotisiert. Vielleicht folgt sie ihm und sie liegen nackt auf dem feuchten Moos und zeichnen mit den Lichtstrahlen einer Taschenlampe Figuren an die dichten, dunklen Baumkronen.

Vielleicht fährt er ihr mit dem Finger über die noch flache Brust und berührt ihr Schlüsselbein und legt ihr ein grosses Ahornblatt auf den Bauch und sagt ihr:  Hier werden Kinder wachsen. Und sie, selbst noch Kind, nickt artig und lächelt, obwohl sie nicht weiss, ob ihr das gefallen soll, dass da etwas in ihr wachsen wird.

Und das Ende? Sie muss wütend werden, weshalb.. Da er eine Freundin hat und ihr sagt, dass seine Freundin richtige Brüste hat und weiches Haar.. Ich muss das kleine Mädchen schon von Anfang an so zeichnen, dass sie die Veranlagung in sich trägt, aus Liebe und Besessenheit sowie Besitzgier zu töten. Mit einem Stein. Während er auf dem feuchten Moos liegt und mit geschlossenen Augen von seiner neuen Freundin träumt.

Sie hebt den schwersten Stein auf, den sie findet und lässt ihn auf seinen Kopf fallen. Er muss noch kurz leben, das Bild mit dem zermantschten Schädel braucht Raum, ein gluggerndes und rasselndes Geräusch durchbricht die Stille. Dann deckt das Mädchen den Körper zu, mit Blättern und Zweigen. Langsam und liebevoll. Lebt er noch? Das Mädchen geht und verspricht, ihn bald wieder unter diesem Baum besuchen zu kommen. Letztes Bild: Es schlendert nach Hause, es dämmert schon, es summt und betrachtet die abgeknickten Blütenköpfe am Wegrand und wird plötzlich ein wenig traurig.

Die Geschichte steht. Doch leider schreibt sich nicht von selbst.

Ich brauch ne Tippse.

Dönise?

Horoskop

Posted in Allgemein on Sonntag, 22. März 2009 by lukasbuenger

Hallo zusammen,
hier also das Horoskop:

Widder

Die Widder sind im Aszendenten zwischen zwei anderen Sternzeichen jeweils so gestellt, das Merkur genau daneben liegt. Ihr Liebesleben ist davon nicht betroffen, geschweige denn beeinträchtigt.

Stier

Ihr Arbeitsleben wird heute aus Arbeit bestehen. Seien Sie aber auf der Hut vor Arbeit, das könnte zu grosser Verunsicherung führen. Als Stier müssen Sie sich um Ihr Liebesleben keine Sorgen machen.

Zwillinge

Im Bereich der Gesundheit müssen Sie heute eine Entscheidung für die Zukunft treffen. Aber immerhin sind Sie ja zu zweit.

Krebs

Ihr Mond steht in einem sehr schlechten Licht. Wenn Sie Ihre Zukunft positiv beeinflussen wollen, bleiben Sie am besten zuhause. Ihre Energie ist intakt, Seien Sie kontaktfreudig, Sie werden es nicht bereuen.

Löwe

Als Löwe sind Sie heute sehr ausgeglichen. Ihr Gewicht ist sowohl oben wie auch unten vollkommen stabil. Leider wird es nicht immer so sein, weshalb Sie diese Zeit richtig geniessen sollten.

Jungfrau

Jungfrauen, dass ich nicht lache.

Waage

Die Widder sind im Aszendenten zwischen zwei anderen Sternzeichen jeweils so gestellt, das Merkur genau daneben liegt. Ihr Liebesleben ist davon nicht betroffen, geschweige denn beeinträchtigt.

Skorpion

Akzeptieren Sie lieber alles, was man Ihnen sagt. Ihre Energie reicht heute nicht mal mehr aus, um Ihr Umfeld zu belasten.

Schütze

Der Schütze, der Schütze, der kriegt heut auf die Mütze..ou..ähäm…kleiner Scherz…

Steinbock

Die Dinge geraten aus unerklärlichen Gründen ins Stocken. Besorgen Sie sich eine geeignete Venus im zweiten Haus, um Ihre Krise zu überwinden.

Wassermann

Ihre Mitmenschen fühlen sich durch Ihre Ausgeglichenheit sehr unnötig in Ihrer Umgebung. Ihre Zuversicht und Ihre Lebensfreude nervt sowohl Kollegen als auch Freunde.

Fische

Ihr Kopf will heute gar nicht mehr still stehen. Wenn Sie so weitermachen, werden Sie sich etwas brechen.

So, jetzt wisst Ihr wieder alle etwas mehr.
Gruss
Wenno

Ich will auch ein Schoggiglace und kein verkochtes Gemüse!

Posted in Allgemein on Donnerstag, 19. März 2009 by badana

Mann und Frau sitzen am Tisch und essen schweigend. Klank klingt die Gabel auf dem Teller und das Geräusch verteilt sich langsam im Raum und kriecht unter den Teppich und die Gardinen. Sie blickt entnervt auf, als er zu schmatzen beginnt, er verstummt und sie senkt den strafenden Blick. Er brummt und streicht mit dem linken Daumen die Tischdecke glatt. Blöde, frustrierte Ziege – denkt er und sie mustert seinen schweren Leib, der sich hinter einem hellblauen Hemd verbirgt und weiss, dass er sie betrügt und versteht nicht, wieso er bei ihr bleibt und denkt sich: Alter, geiler Hurenbock. Dann käut sie mit käsigem Gesicht ihr verkochtes Gemüse..

Letztens  am Bahnhof Stadelhofen: Ein Pärli geht an mir vorbei, sie bleiben stehen, er nimmt ihr Gesicht zärtlich in die Hände und beginnt es abzuküssen, sie schliesst die Augen, lehnt sich zurück und lächelt milde, dann neigt sie sich vor, ihm zu, ganz langsam, schaut ihn an, seufzt tief und sagt: „Ich hätt jetzt sooo Lust auf ein Schoggiglace.“ Er lacht, herzlich, von Herzen, und nimmt sie bei der Hand und zieht sie hinter sich her und meint: „Dann kriegst du ein Schoggiglace.“ Sie lächelt und tänzelt.         Sie gehen ab..

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Balkons vor Herzen

Posted in Allgemein on Donnerstag, 19. März 2009 by froileincharlotta

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
„Herr Kästner, wo bleibt das Positive?“
Ja, weiss der Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt , unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

(Erich Kästner)

Auch ein Rücken kann entzücken

Posted in Allgemein on Dienstag, 17. März 2009 by drunkenjudge

Es gibt Dinge, die sieht man nur sehr selten von vorne. Oder gar nie, wie Hintern. Umgekehrt gibt es aber auch Dinge, die man nur selten von hinten sieht, zum Beispiel die fantastischen Live-Konzerte der Nine Inch Nails, einer Band, über die an anderer gleicher Stelle schon viel gesagt worden ist.

Bevor die langen Nägel in diesem Sommer von vorne zu sehen sind (zum Beispiel hier oder hier), hier, quasi zur 360-Grad-Vorbereitung auf die Open-Air-Saison, ein ziemlich wildes Konzert-Video von hinten, unter freundlicher Mitwirkung weiterer musikalischer Freunde des Hauses Kill!Kill!.

Hei wie sie funkeln, diese Nägel!

Hei wie sie funkeln, diese Nägel!