Archiv für September, 2008

Ein Blick hinter die Kulissen

Posted in Allgemein on Donnerstag, 25. September 2008 by badana

Letztens bin ich von einem unserer Blog-Groupies gefragt worden: Wie machst du das bloss, Badana? Woher kommen all die geistreichen Einfälle, der Witz und die virtuose Schreibe.. Ich wollte schon einen meiner Standardsätze loswerden (genetisch bedingt, von Gott, koch mir was), da fiel es mir wie Schuppen von den Augen und die Frage begann mich zu quälen: Bin ich das Genie, das hinter meinen Worten steckt oder ist es gar jemand anders, der durch mich schreibt?

Dann kam mir etwas ganz anderes in den Sinn:

Vor einigen Wochen sass ich im Bus neben einem adretten, jungen Herrn, der ein Kreuzworträtsel löste. Da mir langweilig war, kuckte ich ab und zu auf sein Gekritzel und mit Erstaunen sah ich, dass er in Windeseile (Haltestelle Löwenplatz bis Haltestelle Bäckeranlage) das ganze Kreuzworträtsel gelöst hatte. Von der Bäckeranlage bis zum Hardplatz himmelte ich ihn an – schwerbeeindruckt und etwas neidisch. Zu Hause angekommen, machte ich mir folgende Überlegung: Wenn mich diese Skills so unglaublich aus den Socken hauen konnten – was sprach dagegen, diesen Vorteil zu nutzen und selbst damit anzugeben, um sich auf diese Weise Bewunderer hörig zu machen? Gedacht getan, am nächsten Morgen kaufte ich mir ein extradickes und schwieriges Kreuzworträtselbuch und jedes Mal wenn ich mit den öV unterwegs war setzte ich mich neben einen attraktiven Mitreisenden, zückte meinen schönen, roten Kugelschreiber und füllte auf einen Tätsch alle Felder aus. Natürlich füllte ich nur Dinge ein, die mir in den Sinn kamen – alles kreuzfalsch – meine Postiliste oder meine Lieblingsglacesorten oder die lustigsten Liedtitel, die ich kannte oder die schrulligsten Fremdwörter wie Flatulenz etc.. Tatsächlich konnte ich mich kaum vor bewundernden Blicken retten, was mir jedoch schlussendlich nicht viel brachte: Denn jedes Mal, wenn einer dieser Typen den Versuch unternahm, mich anzusprechen, wurde ich sogleich von einer unsäglichen und alles niederschmetternden Misanthropie erfasst, so dass ich ihm grad eins aufs Maul geben musste. Das brachte mir weder neue Freunde noch Geld, aso lese ich jetzt wieder meine historischen Liebesromane und träume vom Prinzen, der sich bald mit einer flotten Aktentasche neben mich setzen wird und mich auch ohne Kreuzworträtselkünste liebt..

Ihr fragt euch nun sicher, weshalb ich euch diese Geschichte erzähle, aber das hat schon einen triftigen Grund: Heute ist mein transparenter Tag und ich gebe hier und jetzt und nie wieder zu: Nichts, was ihr hier lest, entspricht der Wahrheit und das meiste hab ich mir einfach zusammengeklaut.. Ich belüg euch nach Strich und Faden und ich weiss nicht, ob das genetisch bedingt oder Gott schuld ist, auf jeden Fall macht es einen Höllenspass.

So, ich muss jetzt Zigaretten holen.

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Smokers in Heaven

Posted in Allgemein on Mittwoch, 24. September 2008 by drunkenjudge

In ein paar Tagen wird in Zürich über die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» abgestimmt. Auch in anderen Kantonen stehen ähnliche Vorlagen an, die nach dem Tierschutz nun endlich auch den Nichtraucherschutz verbessern wollen. Interessant ist, dass der (unter umständen qualvolle) Tod in der Argumentation der Nichtraucherschützer zwar eine wichtige Rolle spielt, dass aber das Leben nach dem Tod konsequent ausgeblendet wird.

Die Diskussion über das Rauchen kann und darf jedoch nicht nur säkular geführt werden. Dieser Beitrag will – endlich! – eine Lanze brechen für eine nötige und sinnvolle Ausweitung, für eine Metaphysik des Rauchens also, die auch jene Kreise zu einer Reaktion provoziert, die zum Thema eigentlich nichts zu sagen haben.

Nichtrauchen: Ein christlicher Wert

Zunächst ist festzuhalten, dass die Nichtraucher-Bewegung einer christlich geprägten Kultur entstammt, die  ein Leben nach dem Tod für wahrscheinlich und Konzepte wie Himmel und Hölle für möglich hält. Tatsächlich operiert die Nichtraucherpropaganda mit der moralischen Opposition gut/böse, wobei natürlich den Rauchern die Rolle der Bösen zufällt. Indes muss es wohl auch moralisch gute Raucher geben, die nach ihrem Ableben in den Himmel kommen, ebenso wie die Hölle bekanntlich zu einem guten Teil mit Nichtrauchern gefüllt ist.

Handlungsbedarf im Jenseits

Diese Sachlage führt zur Frage, ob man tote Nichtraucher ebenso vor Passivrauch schützen kann wie lebende, und wenn ja, wie. Ein erster Schritt wären die bisher vor allem von Häretikern geforderten himmlischen Fumoirs (sog. fumoirs célestes), in denen verdienstvolle Raucher ihrem Laster frönen könnten, ohne verdienstvolle Nichtraucher zu behelligen.  Doch auch im Bereich der Hölle besteht dringender Handlungsbedarf, namentlich im Bereich der Nichtraucher-Lounges, die hier selbstverständlich ausschliesslich Rauchern vorbehalten sind.

Ein kostbares Gut: Leben nach dem Tod

Der Schutz vor Passivrauch im Leben nach dem Tod erscheint um so dringender, als die negativen Auswirkungen auf jenseitige Nichtraucher noch völlig unerforscht sind. Immerhin besteht die Möglichkeit, dass Passivrauchen das Leben nach dem Tod vergällt (Impotenz, vorzeitige Hautalterung) oder gar verkürzt (Tod nach dem Leben nach dem Tod).

Nichtraucher

Auch im Jenseits wird noch immer auf Kosten der Nichtraucher gequalmt!

Dunkler Frühling

Posted in Allgemein on Mittwoch, 24. September 2008 by badana

Unica Zürn (* 1916 in Berlin, † 1970 in Paris) war eine deutsche Schriftstellerin und Zeichnerin. Nach einer gescheiterten Ehe und nach dem Entzug des Sorgerechts für ihre beiden Kinder, lernte sie 1953 den Künstler Hans Bellmer kennen, mit dem sie in der Folge eine enge und leidenschaftliche Beziehung verband. Seine eingeschnürten, verdrehten und in ihren Gliedmassen durcheinandergewüftelten Puppen sind sehr bekannt.

Zürn folgte Bellmer nach Paris, wo sie anfing, zu zeichnen und Anagramme zu verfassen. Man mutmasst, dass sie sehr darunter litt, künstlerisch im Schatten ihres Gefährten zu stehen (daher ist es etwas grausam, seiner Puppe so übergross zu huldigen – aber die Schönheit siegt). Ab 1957 begann sie mit der Arbeit an surrealistischen Prosastücken. Anfang der Sechzigerjahre kam bei ihr eine paranoide Schizophrenie zum Ausbruch. Von 1961 bis 1963 hielt sie sich daher in einer psychiatrischen Klinik in Paris auf, und auch in den folgenden Jahren kam es mehrfach zu Krankenhausaufenthalten. Am 18. Oktober 1970 wurde sie für einige Tage vom Klinikaufenthalt beurlaubt. Am nächsten Tag beging sie Selbstmord – durch einen Sprung aus einem Fenster der Wohnung Hans Bellmers.

Zürns Erzählung „Dunkler Frühling“, die 1969 erschien, war einer der literarischen Höhepunkte in meiner Studienzeit. Doch weder wegen der sprachlichen Virtuosität noch wegen der inhaltlichen Innovation. Die Geschichte handelt von einem pubertierenden Mädchen, das sich in einen Bademeister verliebt. Das wäre alles. Aber ich kann mich sehr gut an den Moment erinnern, als ich das Buch fertig gelesen hatte. Ich sass eine Zeitlang stumm da, lauschte meinem eigenen, verzögerten Atmen und fühlte einen Schmerz, so gross, als ob ein scharfkantiger Felsbrocken aus meiner Brust ragen würde.

[…] „Vorbei“, sagt sie leise und fühlt sich schon tot, ehe sie mit ihren Füssen das Fensterbrett verlässt. Sie fällt auf den Kopf und bricht sich den Hals. Ihr kleiner Körper liegt seltsam verzerrt im Gras. Der erste, der sie findet, ist der Hund. Er steckt den Kopf zwischen ihre Beine und beginnt sie zu lecken. Als sie sich gar nicht bewegt, beginnt er leise zu winseln und legt sich neben sie ins Gras.

(Unica Zürn: Dunkler Frühling. S. 60.)

kill!kill!ed by a song.

Posted in Allgemein on Dienstag, 23. September 2008 by kobrra

es gibt songs, die machen mich kaputt. sie töten mich. und wer hätte dies gedacht: in einem positiven sinn, denn sie ziehen mir die haut ab, machen mich durchsichtig, lassen mich lachen, und glücklich sein, und leicht.

das sind die grossen momente in der kunst, denn werk und betrachter begeben sich dann in eine symbiontische beziehung, überstülpen sich, überschatten sich, funktionieren nur miteinander, und lösen sich ohne einander gänzlich auf. und miteinander erst recht. ein wenig ist das wie bei spiderman und venom. und ein wenig auch wie die liebe.

vielleicht sollte man es nicht übertreiben mit dem ideal. vielleicht sind kunst und liebe und venom auch einfach nicht dasselbe. vielleicht sollte man konservativ und schubladisiert denken.

denn manchmal ist es bloss ein verflucht guter song.

( at the drive-in : in/casino/out : napoleon solo )

Be in, burn out!

Posted in Allgemein on Montag, 22. September 2008 by drunkenjudge
Wer nicht ausbrennt ist faul

Arbeitest du noch oder brennst du schon?

Noch ein letztes mal setze ich den Kessel voll unter Druck. Arbeite wie ein Verrückter. Zehn Buchstaben pro Sekunde. Fünfzehn. Der Schornstein raucht. Das Hirn dampft, Schweiss strömt die Schläfen hinab, tropft zu Boden und bildet einen kleinen See, in der meine Konzentration schwimmt. Nur noch drei Zeilen, dann wird das Meisterwerk vollendet sein. Doch dann – ein Knall. Die Finger fallen auf die Tastatur wie Säcke (?!). Mein Kopf schlägt auf die Tischplatte. Meine Nerven – zerrissen und zerfetzt. Klarer Fall: Burnout. Endlich. Jetzt kann ich mir das Ende sparen. Und niemand wird meckern.

sie kommen wieder: köpfe mit nägeln.

Posted in Allgemein on Mittwoch, 17. September 2008 by kobrra

so, wenn es schon das internationale finanzwesen übelst auf die fresse haut, und wir in dem land, in dem wir wohnen, spätestens in 3 monaten keinen job mehr haben (weil man entweder in einer bank arbeitet, oder in einem dienstleistungsbetrieb, der vom bankwesen abhängig ist), will ich eine alte bringschuld einlösen, bevor mir der zins die erinnerung gewaltsam aus dem kopf reisst, nachdem er mir den daumen gebrochen hat. UND, wundervollerweise, könnte eben genau dies der soundtrack für den weltuntergang sein, oder zumindest für die anstehende weltwirtschaftskrise, oder für den anstehenden untergang der usa, oder den untergang der amerikanischen wirtschaft, oder den untergang der hsg (uff, stellt euch vor, all die futzi-jus-und-oec-studenten wechesln an die philosophische fakultät, weil’s grad mode wird, sich wieder mit den echt wichtigen dingen im leben zu befassen, wie z.b. der „steigerung der sonoritätswelle“. da läuft mir glatt ein schauer den rücken runter.).

alles bullshit. eigentlich bin ich ja bloss VERFLUCHT AGGRESSIV ob des versuches der erlangung des lateinausweises, und da ich – als überdurchschnittlich intelligenter und gutaussehender mensch – hässige musik prima als ventil für meine latent vorhandenen tobsuchtsanfälle einzusetzen weiss, pfeffere ich mir seit tagen (oder bereits wochen, wer weiss das schon so genau) üble mucke in die rübe. und eines dieser linken und netten alben ist „Point Blank“ von NAILBOMB, einer äusserst unheiligen allianz, bestehend aus MAX CAVALERA (u.a. SEPULTURA und SOULFLY) und ALEX NEWPORT (u.a. FUDGE TUNNEL)

nun, vielleicht war dieses projekt weder wirklich von belang für die geschichte der musik oder jene der trends, mich jedoch hat sie seinerzeit (1994, roadrunner records) tief beeindruckt – und dazu gebracht, mich vertieft mit musik, die nach purem, ungefiltertem hass klingt, auseinanderzusetzen. und, ja, meine mutti mochte die platte nicht so sehr, wie ich.

süss, wie nun alle schlafen. da kommt wasting away gerade richtig. oder cockroaches, das lullt so schön ein.

jedenfalls hat die band auch ihre sympathische seite: sie haben nur ein einziges konzert gespielt, am legendären DYNAMO FESTIVAL, und wollten die dazugehörigen aufnahmen auch gleich als zweite platte rausbringen. nun, gelinde gesagt, es wurde ihnen davon abgeraten, aus finanziellen und image-überlegungen. sie veröffentlichten trotzdem, und gaben dem album den seht stilvollen namen „Proud to Commit Commercial Suicide“. applaus: es blieb gleichzeitig ihre letzte platte.

und sollte mir (wiedermal. merde!) niemand glauben, dass extrem clevere leute extrem gerne extrem aggressive musik hören, der lese es nach, bei den verfassern besagter studie, vorgestellt am jahreskongress der „British Psychological Society“, 2007.

so.

Sari Gelin

Posted in Allgemein on Mittwoch, 17. September 2008 by badana

Ich sass letztens arg betrunken im Taxi und da lief dieses Lied, das ging mir so was von unter die Haut, dass ich mir fest vornahm, es anderntags zu suchen und zu finden. Aber natürlich war die Erinnerung am nächsten Tag verwischt, mein Kopf schwer und alle Klänge, die ich mir vorzustellen vermochte, klangen nach der Melodie von „Sierra Tequila“. Ich dachte an all die verlorenen Lieder und wurde wehmütig.

Heute, während der beschwerlichen Aufräumarbeiten in meiner Höhle, stolper ich über ein Bündel Fresszettel mit allerlei Notizen drauf, unter anderem der kryptischen Botschaft „Sari Gelin“, in einer fremden Handschrift. Nach intensivem und erfolglosem Scharren in meinem Gedächtnis, tipp ich das Zauberwort bei Google ein und siehe da – es ist das Lied, mein Lied, mein Taxi-Lied! Eines konnte ich retten, wenigstens eines aus diesem Sumpf all meiner im Suff entstandenen Vorsätze, die sich immer so schnell verflüchtigen.. Versprechen, Schlachtpläne, Neuerungen – alles – WUSCH – immer gleich weg, wenn das Schädelpochen mich jeweils verkatert weckt.

Dieses konnte ich retten. Meins. Meins. Jetzt ist es meins.