Archiv für Juni, 2008

Metal up your fucking ass!

Posted in Allgemein on Dienstag, 24. Juni 2008 by badana

Yahaaa! Ich war am Southside, meine lahmarschigen Freunde, und habe mir drei Tage Bier, Sonne und Musik reingezogen und dabei nebenbei noch Feldforschung betrieben – war nämlich nur mit Jungs unterwegs. Wir haben nicht nur über Titten geredet (schon bizeli, denn Festivalbesucherinnen mögen keine BHs und neben dem Tuttlinger Bahnhof steht eine Nazi-Fabrik, die Frauen mit grossen Busen designt), sondern uns auch die in der heutigen Zeit schwer fassbaren Begriffe „Erkenntnis“ und „Wahrheit“ philosophisch erörtert.

Zudem waren wir sprachlich äusserst kreativ und haben wieder einige neue Open-Air-Slogans verfasst – unter anderem „Metal up your fucking ass!“, „Radiofuckinghead“ (scheint nur vulgär – wer erkennt den äusserst komplexen intertextuellen Verweis?), „Fire up the metalfuckingasses!-Party“ (die demnächst stattfinden soll) und schliesslich: „Wixer fall into Pisse“.. Übrigens nennt sich dieses jugendsprachliche (hüstel) Phänomen der Sprachkreation „Bricolage“ (dt. = Bastelei). 

Radiohead war ganz gross. Die Worte gehen hier schon aus. Obschon ich sie in Vergangenheit nie als überzeugende Festival-Band betrachtet hatte. Die haben reingehauen. Ich dachte, ich löse mich auf oder werde zu einem Dings (egal, mir fällt nichts ein). Muss man gesehen haben, bevor man stirbt und tot ist.

Weitere Highlights: Sigur Rós (er hat nur ein ganz klein wenig gejault, i schwör), Foals (genial, englisch, jung, musikalisch äusserst überzeugend) – und der Bucovina Club hat schliesslich für ausgelassenes Gehüpfe gesorgt (was eine nicht zu unterschätzende Leistung darstellt, insbesondere bei dieser Hitze).

Vielleicht wird das Altern an einem solchen Festival spürbarer als sonst im Alltag, wenn der Rücken mehr schmerzt, die Zelte niedriger erscheinen, um Stühle gekämpft wird wie um Brot, wenn man lieber Gemüse statt fettigen Fuck essen möchte.. 

Aber auch nächstes Jahr werden wir unsere müden Knochen in Shuttlebusse hieven, wir werden stinken und glücklich sein in dieser kleinen Freiheit, die sich eröffnet im gähnenden Schlund der alles gleichmachenden Monotonie des Alltags.

Metal up your fucking ass!

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Komische Viecher

Posted in Allgemein on Donnerstag, 19. Juni 2008 by badana

Ich mag keine Tiere, dafür komische Viecher – beispielsweise das Schnabeltier. Das ist so herzerweichend grotesk, dass ich bei seinem Anblick immer etwas peinlich berührt lachen muss. Letztens habe ich auch eine Ente beobachtet, wie sie auf die Fresse fiel und ich war mir sicher – hätte sie Arme gehabt, hätte sie mit ihnen während diesem Fall wild rumgerudert. Mir gefallen auch der Wombat und der Ameisenbär sehr. Ich würde sie gerne alle ausstopfen und auf mein Büchergestell stellen.

Auf der Suche nach einem der hässlichsten Geschöpfe auf Erden – dem Nacktmull – bin ich im Netz auf folgendes Bild gestossen:

Gutgut, die Pistole und das Giftfläschchen kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen. Aber wer – bitteschön – kommt denn auf die Idee, einem Nacktmull einen Beingips zu verpassen? Das bringt mich dann doch etwas durcheinander..

Mein allerallerliebstes Viech ist das Panzernashorn von Peter Bichsel. Das rennt immer vor Freude los, wenn ihm was einfällt, sodass es sogleich wieder alles vergisst. Dann bleibt es ratlos stehen und beginnt wieder zu grübeln und so weiter. Immerfort. Wenn die Traurigkeit mich in ihrem Klammergriff hält, das ewige Zirkulieren der Gedanken nur Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit beschert, dann denke ich manchmal an das Panzernashorn..

Mein Panzernashorn rennt zu schnell und denkt zu langsam. Ich bin mir sicher, dass es selbst seine Vergesslichkeit vergisst.

Wie trostvoll.

Wie unglaublich trostvoll.

über zerstörung und aufbau einer illusion

Posted in Allgemein on Mittwoch, 18. Juni 2008 by kobrra

letzte woche ist mein ipod abgekackt, und zwar endgültig. er war mir ein guter freund, der gute, er wärmte mich in kalten zeiten und kühlte mich in heissen, verschaffte mir raum zum atmen. er und ich waren eine gang. wir verstanden uns beinahe blind, er lachte über meine witze, und wenn ich jemanden mit phänomenaler musik zu quälen beschloss, klatschte er gleich ab – ich warf in die seile, und er setzte an zum closeline.

ja, so waren wir. und nun weilt er nicht mehr unter uns. aber halb so wild. eingenommen von üblen vorahnungen (z. b.: fuck, was, wenn er nicht mindestens 10h am tag musik hört? ist er dann immer noch ein mensch, oder wird er zum tier? oder ist er jetzt ein tier und wird dann ein mensch? reicht die verschriebene tagesdosis an happy-pills? isst er jetzt mehr als ein kind zum frühstück?), beendeten gestern drei gute und wunderschöne feenseelen meine 4 tage andauernden höllenqualen, und schenkten mir einen neuen guten freund. vielen, vielen dank dafür, und vielmals, vielmals entschuldigung für die bissspuren an armen und möbeln.

und schon ist das vorsteinzeitliche modell vergessen. ja, so sind wir. treulos. herzlos. egos. aber das hat in diesem ganz besonderen fall auch seinen guten grund: nie mehr wasser holen am brunnen, um die dampfmaschine in gang zu halten; nie mehr gewichte stemmem, um das gewicht stemmen zu können; nie mehr den kran bedienen, um den ipod in meine wohnung hieven zu können.

manchmal ist ein abschied die bejahung des lebens.

und eigentlich sollte ich ja jetzt aufhören, wenn ich schon einen so kitschig-halbpoetisch-pseudophilosophischen schlussatz gefunden habe, aber mir fällt auf, dass ich meilenweit an meinem ursprünglichen gedanken vorbeigeschrieben habe (will heissen: ich habe ihn noch gar nicht erwähnt).

seit nunmehr 15, 16, 17 jahren gehe ich ohne krach im ohr nicht mehr aus dem haus (spart euch bitte die tinnitus-witze!), weil ich es satt hatte, mir das gequassel in öffentlichen verkehrsmitteln anzuhören. mich interessierte weder, dass sich irgendwelche hausfrauen neue pyjamas gekauft haben, noch wie der stecher am abend vorher abgegangen ist. ich fluchte, dann flüchtete ich, in die klar abgesteckte welt des oganisierten krachs. in den 4 tagen ohne portables, zuschaltbares seelenheil aber stellte ich fest: dass die leute miteinander sprechen, ist eine illusion. sie schweigen. immer. keine pyjamas, keine stecher. 4 tage lang habe ich gebannt der stille gelauscht, und mich gefragt: war früher alles anders? oder ist mein gehör voll hinüber? nein. sie schweigen. immer.

nun habe ich einen neuen ipod, nicht, weil ich ohne musik nicht sein kann, sondern weil ich das schweigen der leute in öffentlichen verkehrsmitteln nicht ertrage. und wie sie schweigen! sie schweigen so laut, dass man davon tinnitus kriegen könnte.

„kobrra, was willst du werden, wenn du einmal gross bist?“ – „ich werde ein schizophrener misanthrope.“

fin.

Mein Herz ist eine Mördergrube

Posted in Allgemein on Dienstag, 17. Juni 2008 by badana

Cartier Bresson (* 1908, † 2004) ist unter anderem durch seine künstlerische Schwarzweissfotografie bekannt geworden. Nach einem bewegten Leben (deutscher Kriegsgefangenschaft, fotografischer Dokumentation der Befreiung Paris‘, Gründung der Agentur Magnum Photos) wandte er sich im Alter immer mehr dem Zeichnen zu, denn er empfand, mit seinen Fotografien alles gesagt zu haben, was es zu sagen gab: „Il faut arrêter quand on a dit la chose.“

Ich finde dieses Bild ergreifend in seiner Sinnlichkeit.. Die Weichheit der Konturen deutet ein hinausgezögertes und eindringliches Liebesspiel an, wobei jede Bewegung – in dieser schweissdurchnässten und trägen Umklammerung – die Minuten wie erhitztes Harz tropfen lässt.

Oftmals hat dieses Sich-ineinander-Verschlingen des Aktes etwas Verzweifeltes und Hoffnungsloses inne, denn der immerwährende Wunsch eines Liebespaars, die Nähe zueinander zu vergrössern ist utopisch: Nur das Sich-Einverleiben des anderen würde zu dieser Verinnerlichung führen, welche der Mensch in dieser seiner unersättlichen Sehnsucht begehrt.

In „Das Liebesmahl“ von Slavenka Drakulic beschliesst die Protagonistin, ihren Geliebten zu essen, um sie beide vor einem unschönen Ende zu bewahren und die Reinheit ihrer Liebe zu konservieren. Eigentlich handelt das ganze Buch nur davon: Von der Vorbereitung, dem langsamen Verzehr und der anschliessenden Beseitigung aller Reste. In einer Szene beschreibt sie, wie sie seine Fingerkuppen in Butter anbrät und sie anschliessend geniesserisch verspeist. Sie isst ihn nicht mit Haut und Haar, nur alle Körperteile, die ihr etwas bedeuten, Erinnerungen in ihr wachrufen..

Hierzu das wundervolle Gedicht von Helga M. Novak – weil wir doch alle im Grunde genommen lüsterne Kannibalen sind:

lange nicht gesehen worden

rote Katzenhaare in meiner Suppe
und schwarze die sind von dir
ja du bist lange nicht gesehen worden
es kommt zuweilen jemand vorbei
und flüstert zaghaft deinen Namen
dem teile ich kaltblütig mit
ich habe ihn gefressen mit Haut und allem
mein Herz ist eine Mördergrube

google-prominenz: von vögeln und ficken.

Posted in Allgemein on Samstag, 14. Juni 2008 by kobrra

nun, als stolzer besitzer eines blogs erhält man äusserst interessante einblicke in die gesellschaft: einerseits gibt es menschen, die ihr innerstes nach aussen kehren und ihren senf zu belangvollen gedanken anderer dazugeben, andererseits gibt es solche, die tun genau dasselbe, ohne es zu wissen. inspiriert von den wordpress-administrations-tools, starte ich hiermit einen versuch, und bitte dich, lieber leser, zum guten gelingen beizutragen. wie? lies weiter.

es ist so, dass ein beitrag in diesem blog nachgewiesenermassen dann angezeigt wird, wenn man in google „ficken mit tieren“ eingibt – bzw. umgekehrt, jemand hat „ficken mit tieren“ in google eingegeben, und der entsprechende kill!kill!-beitrag war teil der treffermenge. grundsätzlich ist mir ja wurscht, ob sich irgendwer an einem huhn verlusTIERt, oder ob sich leute gegenseitig nagetiere ins rektum einführen, oder sich jemand nutella in die schamgegend schmiert, um sich mittels fido fidel zu machen, jedoch ist interessant, was menschen so in google suchen. und so beginne ich eine liste mit netten begriffen aus dem dunstkreis von „ringelpietz mit anfassen“, und sehe dann, wie man diesen beitrag sonst noch finden könnte.

du, lieber leser, darfst in diesem sinne deiner phantasie freien lauf lassen, und sei ganz schön schmutzig in deinen gedanken und kommentaren (du ferkel!). BEDENKE ABER: wer scherze über kinder macht, kriegt ein paar auf die nuss.

so, ich fang‘ mal an:
ficken
vögeln
einlochen
dreilochstute
wegstecken
oma-sex
50+
60+
70+
80+
90+
100+
knastvögeln
versaute lesben
geile studentinnen

fuck, ist gar nicht so leicht…

mach‘ mit

Ima neka tajna veza

Posted in Allgemein on Mittwoch, 11. Juni 2008 by badana

Seit ich den Lehrgang „Literarisches Schreiben“ besuche, muss ich allerlei Hürden überwinden. Abgesehen davon, dass ich wieder Hausaufgaben aufkriege und mein altes „Fuck the Teachers“-Shirt ausgraben musste, merke ich richtig, wie mein Hirn sich beim Denken anstrengen muss..

Gestern las ich folgende Worte Paul Cézannes: „Die Landschaft.. zeichnet sich selbst.“ Des Weiteren führt Cézanne aus, dass der Künstler nicht in diese gleichwertige Doppelexistenz von Natur und Kunst „dazwischen“ funken dürfe, jedes Einbringen seiner Selbst in das sich in Erschaffung befindende Werk würde eine Einbüssung an Ausdruckskraft und Genialität bedeuten. 

Das hat mich zum Grübeln gebracht, denn wenn ich beispielsweise Gedichte schreibe, dann denke ich meist an mich („Me, Myself & I“), breche die Realität um einige Grade und lasse so Fiktion entstehen. Wenn ich ein Maler wäre, würde ich mich der realistischen Darstellung bedienen, um sie dann anschliessend wieder zu entfremden (draufspucken und mit Ärmel verwischen oder so).

In einem ihrer poetologischen Texte schreibt Gertrude Stein, dass Lyrik die Verschmelzung der Worte mit dem Wesen der Dinge ist. Und dass das Wissen über das Wesen der Dinge in uns drin ist, aber nicht durch bewusste Wahrnehmung erfassbar gemacht werden kann. Und Claude-Lévi Strauss schreibt in „Traurige Tropen“, dass man dann zum Kern der Welt vordringt, wenn alles Denken ausgeblendet wird und nur noch der Zauber über die Schönheit eines Kristalls existiert oder ein ernsthaftes – auf Versöhnung und gegenseitigem Verständnis beruhendes – Zwiegespräch mit einer Katze vonstatten geht.

Auch Bijelo Dugme singt in „Ima neka tajna veza“ von einem geheimen Zusammenhang zwischen den Menschen und Dingen, obschon ich da schon eher was damit anfangen kann (vielleicht wegen den kuulen Outfits, der hippen Frisur und der geilen Gitarrenmusik).

Das bereitet mir ernsthaft Kummer, meine Freunde: Wie soll ich mir Kerne, Wesen und Geheimnisse vorstellen, die nicht vorstellbar sind und auch nicht mit dem Kopf fassbar. Was soll dieses Kreisen um eine neblige Mitte – ich mag Pläne und Listen und Priorisierungen. Punkt. Mich hat noch nie ein Kristall verzaubert und Katzen mag ich nicht und würde auch nie mit denen reden. Letztens hab ich zu einem Kaktus „Arschfigger“ gesagt, da er mich gestochen hat, aber dadurch wurde mir keine Epiphanie zuteil.

Ich hab mir dann gestern – so deprimiert ich war ob meiner unwissenden Wissenheit – eins gedreht und ein Gedicht mit dem Titel „Experimenteller Sex“ verfasst, da kam auch das Wort „Kopfsalat“ drin vor. Ich hoff, dass wenn ich dann berühmt bin, noch vor meinem Tod dazu komme, den Shit zu verbrennen.. 

Das Lernen so Schmerzen bereiten kann, hab ich ganz vergessen. Aua.

Happy-Pills oder Total-Renovation?

Posted in Allgemein on Dienstag, 10. Juni 2008 by badana

Biene kehrt morgen aus China zurück und ich freue mich wie wahnsinnig. Nachdem ich es nun endlich geschafft habe, die Wohnung auf Vordermann zu bringen und alle Ameisen gekillt habe, fühle ich mich richtig geläutert und bereit, wieder ins Leben einzusteigen.. 

Nach meinem tuchen und lustlosen Schlafwochenende stelle ich mir wieder mal die Frage, ob dieses Vorhaben („back to life, back to reality..“) nicht viel besser gelingen würde, wenn ich mir jeden Tag ne „Hampfle“ Happy-Pills reinzwiseln würde:

Wäre ich dann nicht auch ein besserer Mensch, da in guter Stimmung und immer groovig unterwegs? Denn Nächstenliebe kann wohl nicht auf dem Humus eines sich selbst verachtenden Menschen gedeihen..

Oder soll ich meine Misanthropie ablegen und nett werden? Aber wird dann nicht automatisch meine Radikalität, mein Hang zur unflätigen Ausdrucksweise und mein bissiger Humor flöten gehen?

Ist das Leben wirklich so ungerecht und stellt mich vor die Wahl, ob ich gut sein oder kuul sein will?

Blanke Weste oder aufgestellter Kragen? Rüäblisaft oder Traubenschnaps?

Herrgottnochmal – was soll nur aus mir werden??