Archiv für November, 2009

Tiefer Fall

Posted in Allgemein on Samstag, 28. November 2009 by froileincharlotta
Leere Tusenbank

Blick zurück auf die leere Tusenbank

Gut gemacht!

Gestern bin ich vornüber von der Tusenbank gefallen. Nein, nicht von meiner. Ich bin von eines anderen Tusenbank gefallen, vornüber auf die Stirn. Das gibt eine hässliche Narbe, wohl wahr. Ich bin aufgestanden, hab mir das Blut aus den Augen gewischt und wollte losschreien, so laut, dass alle Nachbarn die Fenster öffnen oder aber mit dem Besen gegen die Zimmerdecke poltern. Ich hab es mir anders überlegt. Ich hab mir gedacht: „Gut gemacht!“ Und dann hab ich mich ermahnt, nicht wieder den selben Fehler zu machen. Für irgendwas sollten die Ringe unter den Augen, die immer dunkler werden, gut sein. Für irgendwas sollte man ja lernen, wenn schon nicht für’s Leben. So bin ich also gegangen und hab mich dabei etwas verloren gefühlt. Und habe mich, während ich ging, gefragt, ob ich denn gerne nicht gefallen wär. Ob ich denn – wenn man mal das Machtgerangel beiseite lässt – wirklich lieber meine Tusenbank leergefegt hätte. Und denke mir, dass unter dem Schmerz und der Scham etwas liegt, was Grösser ist. Etwas, was mich aufatmen lässt. Dann. Und wann. Und wieder. Morgen. Vielleicht.

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Stigma

Posted in Allgemein on Freitag, 27. November 2009 by badana

Ja, nein, ich hab keinen Freund. Ich bin alleine, sieht man das? Sieht man den Staub auf mir, wie er sich schichtet und empor türmt bis in die Wolken? Wieso, naja, es hat halt nicht geklappt. Die meisten, die ich traf, waren entweder dumm oder hässlich oder sie mochten keine Jugos, was keine gute Grundlage ist. Seit meinem rassistischen Briefkastenschänder bin ich etwas empfindlich geworden. Jaja, jeder hat sein Rucksäckli z träge und in meinem stecken Nazis. Nunja, da hatte es so einen, letztens, ich mein einen, der mir noch gefiel, doch irgendwie, naja, das war ganz seltsam, irgendwie war da nichts zwischen uns, das uns aneinander haften liess. Wir konnten keine Spuren im anderen hinterlassen und wenn wir auseinander gingen, war alles vergessen, die Worte, die Lacher, die Lächeln. Da blieb nur Leere und Leere ist doch etwas vom Schrecklichsten, nicht wahr? Wenn da nichts ist, nichts ist, das nachklingt. Was tun, was tun? Da ich langsam so richtig alt werde und der gesellschaftliche Druck von Tag zu Tag grösser wird („Waaas, du bist noch kein Mami?“), erdichte ich mir deshalb fiktionale Boyfriends. Der eine heisst Klaus und ist Seemann und immer unterwegs, also kann ich ihn leider nie ans weihnachtliche Geschäftsessen mitnehmen und der andere heisst Patrick und ist Dokumentarfilmer und gerade für ein halbes Jahr in Russland, um das Paarverhalten von Kamtschatkabären zu untersuchen und eher ein Partymuffel und der kreative Igor, der ist mir sehr ähnlich, mein männlicher Zwilling, der ist trinkfest und kindlich und leider schaut er immer anderen Frauen nach und ist jetzt grad mit einer Tänzerin durchgebrannt (aber er kommt wieder zu mir zurück, am Ende kommt er immer zurück).

Ich kann mich einfach nicht zwischen den drein entscheiden, tja, ich wünschte, ich hätte auch nur einen Mann, so wie du, ja, deiner ist doch ein Feiner. Das wär doch ein sicherer Wert, nicht immer diese Leidenschaft und dieser Schmerz, sondern gemütliche Sonntage zu Hause und man kann sich nach einem harten Arbeitstag so richtig auskotzen und man ist nie allein, nie allein, nie allein. Stattdessen plage ich mich mit exzentrischen Haudegen rum, die mir auf der Tasche liegen und mir pausenlos ihre ewige Liebe beteuern, die mir weder beim Ausfüllen der Steuerrechnung noch beim Kistenschleppen helfen, mir aber im Eifer des Gefechts ab und an mal eine scheuern, um mich dann auf dem Küchenboden zu verführen.

So ein aufreibendes fiktives Liebesleben ist anstrengend und zehrt an den Nerven. Ich mache daher prophylaktisch eine Vitamin-B-Komplex-Kur und trinke viel Beruhigungstee.

Der Erich Kästner hat schon recht, wenn er schreibt:

Das ist das Verhängnis:
zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.

(aus: Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke)

Schnauz!

Posted in Allgemein on Dienstag, 24. November 2009 by badana

Ich bin halt ein pain in the ass. Na und? Ich stachle an und treibe vorwärts, ich bin kein Streichler, keine milde Lächlerin. Ich bin und will und was ich will, das will ich. Ich heuchle kein Interesse, ich klinke mich aus. Ich nerve mich, ich bin gereizt, ich bin verstimmt und zeige es. Mit mir tut man nicht über den Alltag reden. Ich rede nur über grosse Gefühle und grosse Worte und grosse Taten. Wenn ich ein Geschenk nicht mag, dann verschenk ich es weiter. Ich biete keine Hilfe an, wenn ich faul bin. Ich rede gerne von mir und tue das gerne in der dritten Person. Wenn mir jemand nicht zuhört oder keine Komplimente macht, dann mag ich ihn weniger. Wenn ich jemandem hundert Mal das Gleiche sagen muss, werde ich sauer und angriffslustig. Ich mag das Flüchtige nicht, mich zieht es in die Tiefe. Ich mag keine Lautschnüützer, keine Schulterklopfer, keine Unverbindlichkeiten. Ich mag keine abrupten Orts-, Plan- oder Menschenwechsel. Ich habe keinen Bezug zu meiner Heimat. Ich bin empfindlich. Ich hab es nicht nötig, immer nur meine Schoggiseite zu zeigen. Ich bin manchmal unzuverlässig und verlange hundertprozentige Zuverlässigkeit. Ich tratsche gerne. Ich schaue gerne „Gossip Girl“. Ich langweile mich leicht. Ich neige zur Sucht. Ich gebe an. Ich bin aggressiv.

Oh Schreck, so n Fuck. Na und?

Na nix.

Geduld bringt Rosen

Posted in Allgemein on Freitag, 20. November 2009 by drunkenjudge

Fliegen nicht ewig weg: Geier

Roland sass auf einer Laterne. Lustig baumelten seine Beine.

Ab und zu schnappte er nach einem der Vögel, die um ihn kreisten. Es waren Geier.

Noch erwischte er keinen. Aber Roland konnte warten.