Archiv für November, 2014

Im Drüvirteltakt

Posted in Allgemein on Donnerstag, 20. November 2014 by badana

Äs gitt verschideni Artä vo Trennigä:
Diä dramatischä, mit Träne und zerbrochenäm Gschirr,
diä gruusigä mit so Gschlechtschrankheitä
oder diä tragische mit dä Todesfolgä.

Wä diä Gschicht vom 45-jöhrigä Walter
und sinere Frau Evi usäm Appizell.

Dä Walter, dä hätt ebä äs Gschleik gha mit dä Rosi,
dä vollbuusigä Frau vom Wirt.

Und wo denn mol s‘Evi
wäg Ranzäpfiifä früener hei cho isch
vom Jasse mit dä änderä Wiiber,
dött hätt si dä Walter mit dä Rosi im Stall vertwütscht.

Zerscht hätt si gmeint,
dass dä Chuä nöd guet goht,
well so komischi Grüüsch usäm Schtall cho sind.

Jo jedäfalls, wo si s’Tor ufgmacht hätt,
isch dä Walter mit abeglohnä Hosä dött gstandä
und vo dä Rosi hätt mer zerscht nur diä nacktä Schänkel gseh
– und beidi am Stöhnä im Drüvirteltakt.

Im erschtä Moment isch s’Evi eifach nu schüüli verschrockä,
aber denn hätt sie d’Wuät packt
und sie hätt mit dä Heugablä, wo gad dött gstandä isch,
am Walter i sis bluttä Füdli gstochä.

Da allai wär au gar nöd so schlimm gsi,
wenn dä Walter nöd z’schtolz gsi wär
zum zum Doktor z’goh,
dä schtörrisch Esel.

Und öb s’Evi am Walter irgendwänn
diä vollbuusig Rosi verzieh hätti,
werdäd mer niä erfahrä:

Dä Walter isch nämli paar Tääg spöter
anerä Bluetvergiftig verreckt.

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Unter dem Kirschbaum

Posted in Allgemein on Montag, 3. November 2014 by badana

Psst, sei leise, sonst kann sie uns hören.

Mutter mag es nicht, wenn ich mit dir rede, vor allem bei Schlafenszeit. Einmal hat sie gehört, wie ich mit dir spiele, sie muss sicher an der Tür gelauscht haben – immer muss sie alles wissen! Am nächsten Tag hat sie mich beim Frühstück gefragt, mit wem ich mich nachts unterhalte. Als ich ihr sagte, dass du es bist, da wurde sie ganz wütend und hat mich so fest geohrfeigt, dass meine Wange brannte. Sie will nicht, dass ich weiss, dass es dich gegeben hat, soviel ist sicher. Wenn sie ahnen würde, dass ich alles weiss, auch dass du da oben auf dem Hügel unter dem Kirschbaum begraben liegst – oh, wie dick würde die Ader auf ihrer Stirn werden, so dick, wie wenn Vater zu viel von dem Braunen trinkt aus der durchsichtigen Flasche und zuerst ganz fröhlich, dann ganz traurig wird. Ich kann deinen Kirschbaum von meinem Fenster aus sehen, immer wenn ich meine Hausaufgaben mache. Oft beneide ich dich da oben, denn du musst niemals Hausaufgaben machen.

Manchmal, wenn du mich nachts nicht besuchen kommst, dann kann ich nicht einschlafen. Ich stelle mir vor, wie wir im Sonnenlicht barfuss über Wiesen laufen und plötzlich bin ich mir nicht sicher, ob das vielleicht sogar einmal passiert ist, vor langer Zeit. Ich denke auch oft, dass ich einmal durch ein Loch in der Wand geschaut und dich gesehen habe, wie du auf deinem Bett sitzt und weinst. Alle waren bei dir und auf mich hat niemand geachtet, auch wenn sicher schon lange Schlafenszeit war. Mutter hat dir den blassen Rücken mit etwas eingeschmiert, das ganz fest stank, aber du hast dich nicht gewehrt, sondern nur gehustet, sodass es durch die dunklen Gänge rasselte. Manchmal weiss ich nicht, wo ein Traum aufhört und ein Tag anfängt, kennst du das? Aber wenn du bei mir bist, dann denke ich nicht daran, dann bin ich ganz ruhig, in mir drin. Ich denke, dass du die einzige bist, die mich jemals verstehen wird – auch wenn du dort unter dem Kirschbaum liegst und ich hier auf meinem Bett und nicht einschlafen kann, so wie du.

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