Archiv für April, 2011

Liebe duldet keinen Dünkel.

Posted in Allgemein on Dienstag, 26. April 2011 by badana

– denkt Zoïle in Amélie Nothombs „Winterreise“ – kurz bevor er das Flugzeug explodieren lassen will, in dem er selbst drin sitzen wird. Ein prächtiges Buch, leicht und trotzdem tief wie das Meer. Voller berauschender Abgründe und Zaubersätzte: „Deine Sehnsucht hört sich an wie eine Spülmaschine.“ – sagt Astrolabe auf LSD, während sie ein Ohr an Zoïles Bauch hält.

Heute spüre ich den Frühling. Er lässt mich aufmerken, wach werden. Heute spüre ich auch die Sehnsucht, aber ich denke, sie klingt nicht wie eine Spülmaschine. Sie klingt wie die „Kleine Ballade“ von Gisbert zu Knyphausen:

„.. Doch was, wenn ich dir jetzt sag‘,
dass ich das Leben eigentlich ganz gerne mag!
Gib mir die Hand, ich halt sie fest, wir gehen zum Flohmarkt –
und verscheuern unsern Tag..“

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Toucher.

Posted in Allgemein on Samstag, 23. April 2011 by badana

„..mir isch es gliich mi nimmts gar nid wunder öbi mau nümm obenaberirgendeinisch..“ (Züri West)

Uff, da sitz ich nun, an diesem Tag, nach wenig Schlaf. Quellwolken über mir, in mir ein Zittern, welches nicht vom Kaffee rührt. Nein, es ist dieser Tag, der Abend, der kommen wird. Es ist das, was war und nicht mehr ist.
(Eine verrauchte Küche, ich lache ob der Schnute, die du ziehst.)
Aber vor allem ist es das, was hätte sein können.  

Irgendwo da draussen ist ein Ich von mir, das gerade lächelt und glücklich ist. Irgendwo döse ich gerade, werde zärtlich geküsst. Irgendwo arbeite ich seit 10 Stunden ununterbrochen und entdecke Welten.. Irgendwo trinke ich seit dem frühen Nachmittag Bier und kette Zigaretten. Irgendwo feiere ich Feste mit selbstverpackten Geschenken. Irgendwo da draussen sind all die Leben, gegen die ich mich entschieden habe.

Heute Abend wird nicht Zürich meine Stadt sein, ich trete sie für einige Stunden ab. Ich werde erst zurückkehren, wenn es dunkel ist, werde über die Brücke nach Hause spazieren, den Blick auf die endlos scheinenden Geleise gerichtet.

„Einsamkeit ist Belästigung durch sich selbst.“ (Werner Schneyder)  

  
(Francis Bacon: Three Studies for Figures at the Base of a Crucifixion)

Und was nun?

Posted in Allgemein on Mittwoch, 20. April 2011 by badana

Gut, Rekonvaleszenz-Phase, gutgut.
Sport, Gemüse, Eisenpräparat.
Eine Einheit Alkohol pro Tag.
Ausser am Wochenende: Da wird es jeweils spät und ich wanke von Vogelgezwitscher begleitet heimwärts.
Nein, herzlichen Dank, aber ich brauche deine Nummer nicht. Ich telefoniere nicht gern und sowieso.
Momentan ist mein Herz eine Mördergrube. Obacht, fall nicht hinein.
Und küss mich auch nicht, ich fühle nichts. 
Jede Berührung verblasst sehr rasch, als wär sie eine Spur in meinem Sand – verwischt, verweht, hinfort.

Und was nun? Fragst du mich, es dunkelt. Ich sehe den roten Himmel, davor steht ein blinkender Kran, ich mag die Grossstadt, weisst du.. Suchst du gerade mein Gesicht ab nach Zeichen der Traurigkeit? Lass es, ich sag dir schon, wie es mir geht. Ich bin ein offenes Buch, remember? Ich mag keine Rätsel, die aus Verschwiegenheit entstehen – in der Fülle sollen Rätsel blühen. Ich seufze pathetisch, du lachst.

Zurück zu deiner Frage: Ich taste mich durch die Welt und spüre meine Hände, meine Beine, meinen bisweilen sturmen Kopf. Eigentlich – nein, ich weiss nicht, wohin ich gerade steuere. Ist es wichtig? Hauptsache vorwärts, du kennst ja meinen Fortschrittswahn. Weitergehen, nicht stehen bleiben, nicht rückwärts schaun, sonst wird die Erinnerung zu einem Felsen in deiner Brust. Du kennst mich ja.  

Was nun? – fragst du.
Sei still – sag ich – und lass uns leise atmen, jeder für sich.

„Do not grow a wishbone, daughter, where your backbone ought to be.“
(aus den Tumblr-Tiefen)

Männer sind Mütter..

Posted in Allgemein on Donnerstag, 14. April 2011 by badana

.. steht auf der Postkarte, die seit einigen Wochen an meinem Kühlschrank hängt. Sie ist pink und sie erinnert mich an:

„Mach doch jetzt kein Drama, Baby. Ihr Frauen heute seid viel zu kompliziert.“ (Beat, doof)

„Ihr habt so hohe Ansprüche, da würde selbst Louis XIV erblassen.“ (Matthias, Historiker)

„Seit der Emanzipation haben die Frauen die Hosen an und wir stehen mit bluttem Füdli da.“ (Bernd, grad ne Enttäuschung hinter sich)

„Wir können ja easy zusammen abhängen, etwas Spass haben. Du bist doch eh auf Karriere aus, oder?“ (Roland, hat ne klettende Ex)

„Frauen sind nicht mehr so leicht zu befriedigen, meist habe ich im Bett das Gefühl, ich müsste grad mal schnell eine Navigation programmieren.“ (Peter, hat Penispanik)

„Boah, hast du viel Bücher, du musst ja richtig schlau sein! Schon noch scary.“ (Mark, steht auf Clubbing)

 Herrgott, Männer!

„Die grosse Liebe tanzt,
und beim Tanzen
sollte man locker
bleiben. Immer schön
locker bleiben.“

(Rosalia Chladek, Ausdruckstanz, 1943.)

Ich brauche Blut und Eisen.

Posted in Allgemein on Dienstag, 12. April 2011 by badana

Aha.
Ja so.
Alles klar.

Heute hab ich den Beweis schwarz auf weiss erhalten: Ich hab zu wenig Blut und muss mehr Spinat essen oder eben doch nicht Spinat, sondern was anderes Eisenhaltiges ohne kinderquälender Kommaverschiebung. Da ist kein verfluchtes Rätsel in mir drin, sondern nur zu wenig Hämoglobin. Auf einen Chlapf haben sich all meine Fragen zu mir beantwortet: Dieser Mythos, meine Augenringe stammten von meinen slavischen kriegsgebeutelten Wurzeln – so ein Bisi. Und meine Müdigkeit sei auf eine melancholische Gemütsverfassung zurückzuführen – am Arsch hinä. Und schliesslich kommen auch meine Kopfschmerzen nicht vom unentwegten Grübeln..

Ich brauche Blut und Eisen.

C’est tout. 

Mon Dieux, quelle honte! 

Nerds and Aliens

Posted in Allgemein on Donnerstag, 7. April 2011 by badana

Ich habe die letzten Tage an der grössten Industriemesse weltweit verbracht, bin zwischen Halle 17 und Halle 25 hin- und hergeflitzt, habe mich mit Erdnussflips und Schoggi vor dem Hungertod bewahrt und ganz viele lustige Männer getroffen. Die trugen alle farbenprächtige Krawatten, etwas zu kurze Hosen und zogen einen schwarzen Rollkoffer hinter sich her. Die ersten zwei Tage hatte ich meine Lippen rot geschminkt, doch da sie fortan nur noch auf meinen Mund starrten (und mir das ganz unangenehm ist, wenn ich mit jemandem rede, der nur eines meiner Körperteile wahrzunehmen scheint) und sich nur schwer auf das Gespräch fokussieren konnten, liess ich es schliesslich bleiben und verzichtete auf farbliche Highlights jedweder Art.

Abgesehen davon, dass sie nur selten meine Witze verstehen und die gleichen Brillen tragen wie die Züzis in der Zuki, mag ich diese Geeks jedoch recht gerne, da sie so verschroben sind und ernst. Der eine hat mir Würstchen und Spätzle serviert und dabei über die ISO-sowieso und gespritzte Kunststoffzahnräder referiert, während ich beim Futtern so weise wie nur möglich gelächelt habe, um den Eindruck zu hinterlassen, wie amüsant ich doch diese vertrackten bürokratischen Abläufe im Normierungsprozess fände.

Während den 5 Stunden Schlaf, die mir jeweils nach den diversen Standpartys gegönnt war, träumte ich von Sex mit Aliens – und das gleich 3 Nächte hintereinander.

Wen wunderts.

Coffee and Cigarettes

Posted in Allgemein on Freitag, 1. April 2011 by badana

Manchmal ist es ganz kalt in mir. Als hätte ich Eiskaffee in meinem Bauch. Wenn ich tanze, dann gluggert es und die Eiswürfel stossen an meine Magenwand. Es friert mich, auch wenn die Sonne scheint. Auch wenn Frühling ist. Mich tschudderets ob meiner Kälte und ich schaue neidisch zu den Menschen, die rote Backen haben und gemütlich stundenlang in der Gartenbeiz sitzen – während ich mich mit der Bettflasche und Wollsocken unter zwei Decken verkrieche.

Dauernd habe ich das Gefühl, die Welt ist da draussen und ich drinnen.

(Ein schönes Gedicht – leider nicht von mir.)