Archiv für August, 2008

was für ein verflucht guter herbst!

Posted in Allgemein on Sonntag, 31. August 2008 by kobrra

and now for something completely different: dieser herbst geht wohl ein in die geschichte, dank der grössten dichte an abartig guten konzerten aller zeiten!

02.09.08 JON SPENCER BLUES EXPLOSION (rote fabrik, ZH)
vor hundert jahren erstmals gehört, vor hundert jahren letztmals gesehen. ich dachte, jon spencer sei jetzt fett und alt und fett. nun, offenbar nicht. die bellbottoms stehen ihm jedenfalls immer noch.

12.09.08 PONI HOAX (reitschule, bern)
ein bisschen rock, ein bisschen elektro, ein bisschen viel 80er jahre, aber „budapest“ ist HAMMER!

17.09.08 MESHUGGAH (schüür, luzern)
3 mal meshuggah innerhalb eines jahres? na gut. mathematik-metaller aus schweden. die müffeln nach schweiss und bier. undurchgebrochene legenden.

22.09.08 KILLING JOKE (abart, ZH)
schon wieder. scheint, als würden alle bands, die zwar millionen von musikern dazu beeinflusst haben, grosses zu leisten, sich selbst aber nie mehr als 2 brötchen am tag leisten konnten, in der schweiz ein gastspiel geben. killing joke sind ganz gross. und sie treten auf in originalbesetzung, und sie spielen nur songs von ihren 3 besten alben (80er), zum beispiel den hier: the wait.

27.09.08 (THE) MELVINS (rote fabrik, ZH)
HARDCORE, the melvins. man liebt sie, oder man hasst sie wie einen pickel auf der innenseite des augenlids. wird mein 10. oder so konzert. brillant. lustig auch die offizielle seite, oder der legendäre clip zu „honey bucket„, in dem sie… nun…

02.10.08 SECRET CHIEFS 3 & STEPHEN O’MALLEY (reitschule, bern)
10 jahre darauf gewartet. zunächst verschrien als „MR. BUNGLE ohne MIKE PATTON“, bis sich die ansicht durchsetzte, dass mr. bungle bloss die secret chiefs 3 mit mike patton sind. so ist das. die chefs rocken aber hart in den arabischen raum hinein, und die band glänzt durch den einsatz klassischer arabischer und jüdischer instrumente – grandios gespielt von ESTRADASPHERE-mitgliedern. ach ja: stephen o’malley ist einerseits künstler, andererseits herr sunn o))).

24.10.08 DUB TRIO (l’ebullition, bulle)
ein ipecac-act, der dub und rrock und metal zusammenprügelt – auch wenn es manchmal so gar nicht passen will.

31.10.08 BOHREN & DER CLUB OF GORE (bad bonn, düdingen)
die legende sagt, dass bohren & der club of gore eine death-metal band sind, die beschloss, ihre songs in sanfter jazz-manier zu spielen. nie war sanfte, langsame musik härter (mal abgesehen von LABRADFORD. aber das ist ’ne andere geschichte).

18.11.08 MOGWAI (rote fabrik, ZH)
mogwai waren vor ein paar jahren am m for music-festival die enttäuschung. wenn sie’s jetzt nicht besser machen, schledere ich ihnen meine ganze, ungezügelte ignoranz in die fresse. so. ach ja: die sind pathetisch.

rrrrock! du auch?

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Glenn Gould

Posted in Allgemein on Sonntag, 24. August 2008 by badana

Goldberg Variationen..

Tüdüdüdüdü..

White Rose Movement

Posted in Allgemein on Sonntag, 24. August 2008 by badana

Girls in The Back..

Aiaiaiaiai..

Kunst und Käs

Posted in Allgemein on Sonntag, 24. August 2008 by badana

Kees van Dongen: Le Coquelicot (The Corn Poppy). 1919. (Diesen Käs mag ich.)

In Russlang nagelte ich an die blau angestrichene Wand unseres Zimmers (im verwahrlosten und kakerlakenverseuchten Studentenheim) eine Tänzerin mit orangem, aufgebauschtem Rock – bzw. ihr Abbild in Plakatform. kobrra nannte sie „Hamstergesicht“. Das hat mir aber nicht so gefallen.

Das Original „La Danseuse rouge“ (1907) hängt im Hermitage-Museum in St. Petersburg. Und während meines Russlandaufenthaltes, als ich mich eines trostlosen Tages schrecklich schlapp und von einer seltsamen Traurigkeit eingenommen fühlte, stand ich das erste Mal davor. Ich kann mich erinnern, dass es draussen bitterkalt war.. Und da man in solchen Momenten nicht immer zur Flasche greifen sollte, schlenderte ich stundenlang durch die Gänge des Hermitage, betrachtete Bilder und Skulpturen und hörte dabei Nick Cave. Mit der Zeit begann ich die Einsamkeit zu geniessen, die mich umschlossen hatte. Ich fühlte mich wattig und traumversunken – geborgen. Als ich dann die hamsterbackigen Tänzerin sah, diese kraftvollen Farben, ihre stolze Kopfhaltung, durchfuhr mich ein Schauer der Lebensfreude. Dieser Augenblick ist mir so nah, dass ich ihn jederzeit heraufbeschwören und noch einmal erleben kann – beispielsweise heute, wo die Sonne unverschämt fröhlich auf mich runterscheint und ich gerne alle Menschen töten würde.

Gebt mir Kunst oder eine Bazooka.

Mit beidem lässt sich dieser Scheisstag vorzüglich meistern.

Posted in Allgemein on Donnerstag, 14. August 2008 by kobrra

„breathe out, so i can breathe you in.“ ( foo fighters : the colour and the shape : everlong )

vielleicht denkst du, diese textzeile sei pathetisch. womöglich hast du recht. neinnein, du hast sogar ganz bestimmt recht.

du sollst auch gar nicht verstehen, wieso du dich irrst. und das liegt nicht einmal nur an deinem fauligen odem.

sondern an mir.

jetzt ist es an mir.

Über die Liebe

Posted in Allgemein on Donnerstag, 14. August 2008 by badana

Die Liebe ist ein Nachtschattengewächs. Kein Kuss von Klimt, sondern ein Schlüsselbein von Schiele. Im Prozess des Alterns kann der Mensch vergessen, was Liebe ist. Er wird klein, schrumpelig und dabei im Kopf zu sperrig für grosse Gefühle. Der Alltag wird zu einer Spielwiese seiner kümmerlichen Dekadenz, mit seiner Grillzange dirigiert er den unhörbaren Soundtrack zu seiner eingezäunten Freiheit. Ein Gott der kleinen Dinge, der auf seinem Thron aus portionierten Liebschaften ausharrt und beflissen die Zeit bis zu seinem Tod abarbeitet.

Ich trachte oftmals danach, dieser moraldurchtränkten Litanei abzuschwören. Mein Mund formt Worte wie Toleranz, Offenheit und Beweglichkeit, aber der Rest von mir verkrallt sich verbissen in Ideale und Werte und dem Bedürfnis nach Tiefe. Oft wünsche ich mir sehnsuchtsvoll, dumm zu werden oder wenigstens liederlich, dann könnte ich dieser Ernsthaftigkeit und Schwere, zu der es mich immer wieder hinzieht, entsagen.

Ich sehe, wie sich Menschen flüchtig treffen, wie sie sich streifen in ihrem gehetzten Dasein, Liebe spielen im Schatten des Grossstadtlebens, dann wieder scheiden, ohne Spuren im anderen zu hinterlassen.. Und ich empfinde es als himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass ich immer in diesem deprimierenden Gedankenkarussell herumkreisen muss, die abgesplitterte Farbe der Schaukelpferde betrachtend.

Ich denke, ich mach es wie Zündel und wähle den Wahnsinn als Flucht vor der lieblosen Welt. Ich zieh mir eine Zipfelmütze über, schreie so etwas wie „Magda, du Hure, du liebst mich nicht.“, ballere in die Luft und verschwinde dann spurlos, nur einen Zettel hinterlassend mit folgender Nachricht:

Bis auf Weiteres abwesend.

kunst in braunen h(em/än)den

Posted in Allgemein on Mittwoch, 13. August 2008 by kobrra

tja. eigentlich darf man an den herren in braunen hemden ja aber auch gar kein gutes haar lassen, aber man muss schon zugeben, sie hatten einen ziemlich ausgeprägten (und guten) kunstgeschmack. (jaja, ich weiss um die umstände des beschaffens, und ich weiss um den ideologischen hintergrund, und ich finde diese diskussionen langweilig. ich spreche hier von kunst, und nicht von kunstraub, von kunst, und nicht von politik.)

wenn man sich durch die datenbank des deutschen historischen museums zum „sonderauftrag linz“ kämpft, erkennt man, dass sich das nazi-regime wohl einige kunsthistoriker und -experten geleistet hat. und man erspürt ein wenig das wahrscheinlich grösste mysterium an den nazis: die beinahe alles umgebende bigotterie. die herren waren schwul, drogensüchtig, hatten jüdische oder nicht-deutsche wurzeln, schätzten provokative kunst – nach aussen jedoch verheiratet, sauber, urdeutsch. die nazis waren klassische, kleinkarierte bürger.

kunst ist gefährlich. denn sie droht den eigenen biedermeier-horizont zu sprengen.

Carl Spitzweg: Der Schmetterlingsfänger (1840)