Archiv für Juni, 2013

Der Gott der kleinen Dinge

Posted in Allgemein on Mittwoch, 26. Juni 2013 by badana

Jemand hat mich ausgetrunken. Keine Worte in mir, kein Bedürfnis zu schreien, bin still und zahm und schlafe lang. Fühlt sich so Zufriedenheit an? Macht sie so dösig, so träge, dass man sich nur räkelt, nicht bewegt, nur tränenreich gähnt und nicht spricht?

Gesättigt von Dramen, das Leben verläuft in geordneten Bahnen, Probleme werden nicht weggesoffen, sondern angegangen, Ängste nicht vergraben, sondern überwunden. Freunde verabschieden sich, die Liebe zeigt sich besonnen und es fliegen keine Fetzen, nur Vögel in Fensterscheiben – man erschrickt, weil es knallt, aber im Grunde fühlt sich alles gesund an und rein. Und dann geht man wieder früh schlafen, liest vorher noch einige Zeilen, die jedoch nicht so erschüttern wie früher und das ist auch gut so.

Ja, es ist auch schwer, so nüchtern durchs Leben zu gehen. Die Traurigkeit bleibt traurig, während die Wut verebbt, ansonsten wird alles kleiner. All die Jahre der Selbstverstümmelung und des Rausches haben eine erbärmliche Lebensunfähigkeit hinterlassen, ja – aber irgendwann wird das Nachdenken über sich selbst einfach nur sterbenslangweilig (everybody wants to rule the world). Man zieht weiter, lässt sich zurück.

„It is June. I am tired of being brave.“
(Anne Sexton from “The Truth the Dead Know,” 1962.)

Which Torso Shall I Wear Today? (Marc Johns)

Which Torso Shall I Wear Today? (Marc Johns)

Advertisements