Archiv für Februar, 2008

bullshitinformation: fütterung.

Posted in Allgemein on Donnerstag, 28. Februar 2008 by kobrra

halte gerade eine neuere ausgabe einer meiner lieblingszeitschriften in den händen: PM. echt klasse. ein superlativ in jeder hinsicht. meinem kopf nicht unähnlich: ein nie versiegender quell an bullshitinformationen. ich erkläre: eine bullshitinformation ist an sich nutzlos – ausser an cocktailparties, da kann man unglaublich auftrumpfen. wie zum beispiel hiermit:

wissenschaftler haben herausgefunden, dass heringe sich durch furzen verständigen. vor allem wenn es dunkel wird und / oder sich viele andere fische in der nähe aufhalten, drücken heringe explosionsartig gas aus dem darm, und teilen sich so gegenseitig ihren aufenthaltsort mit. diese besondere sprache heisst übrigens „fast repetitive tick“, kurz „FRT“, kurz beinahe „fart“, deutsch-kurz beinahe „furz“.

das tolle an bullshitinformationen: sie sind immer wahr, und keine sau glaubt es einem.

wie ihr. jetzt. gehet hin und mehret sie.

(PM, 02/2008, S. 45)

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Gottfried Benn

Posted in Allgemein on Donnerstag, 28. Februar 2008 by badana

.. hat den Satz geschrieben „Wen Bier hindert, der trinkt es falsch.“ – denn auch wenn dieser Ausspruch gar sehr nach uns klingt, möchten wir uns nicht mit fremden Federn schmücken.

Und da ich gerade dabei bin, dem Benn zu huldigen, hier noch eines seiner erbaulichen Gedichte:
 
Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke
 
Der Mann:
Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.
 
Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
das war einst irgendeinem Mann groß
und hieß auch Rausch und Heimat.
 
Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.
 
Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
Kein Mensch hat soviel Blut.
Hier dieser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.
 
Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht. – Den Neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. – Nur sonntags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.
 
Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.
 
Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort,
Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft.“
 
(Gottfried Benn)
http://www.buch-beer.ch/buchkatalog.htm
 
Er war Arzt, der Benn. Daher auch die vielen organischen Motive in seinen Werken. Ich finde es aussergewöhnlich und gelungen, dass dieser düstere – vor Krebsgeschwüren eiternde und todesnahe – lyrische Text wie ein Witz beginnt (Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke – Der Mann sagt: ..). Das lässt ihn eigentlich nur noch furchterregender werden.
 
Kobrra – auch wenn du die Poesie als der Musik unterlegen empfindest.. Schaudert dich nicht auch, wenn du diese Zeilen liest?

So weiss wie Schnee

Posted in Allgemein on Mittwoch, 27. Februar 2008 by badana
 
Un chien andalou
Un chien andalou (1929) 
http://www.imdb.com/title/tt0020530/
 
Ich habe meinen Verstand gestern auch zwischenzeitlich verloren geglaubt: Es wütete ein solcher Sturm in mir, dass ich mir nicht sicher war, ob ich heute wieder an meinem Schreibtisch sitzen oder irgendwo unter einer Brücke – dösend – den Rest meines geregelten Lebens verpassen würde. Es war mir auch ganz und gar gleichgültig in diesem Moment, die Kontrolle zu verlieren, mich rückwärts fallen zu lassen ins wilde Getose und schrille Gekreische von The Mars Volta – mich völlig hinzugeben, aufzugeben, aufzulösen – trotz höllischer Schmerzen (denn es war so gut, dass es weh tat).
 
Das Verebben des Wütens in mir, war sogar noch besser: Es versprach Linderung und Trost und eröffnete eine solche Weite in mir, dass ich alles und jeden liebte. Von Herzen liebte. Es war wie nach einer Läuterung – ein beinahe transzendentes Erlebnis, als wäre all der Ballast des Lebens von mir abgefallen in einem einzigen Augenblick. Und in diesem Augenblick – befreit von mir selbst – schien die Welt weniger grausam (free yourself from yourself!).
 
Ich trage diese Liebe immer noch in mir. Auch heute. Aber sie ist schmaler geworden, zu einer kleinen Alltagsliebe geschrumpft. Habe die alte Frau, die mich heute Mittag in der Strassenbahn angestarrt hat, nicht mehr geliebt. Mein Herz nimmt nicht mehr jeden auf.
 
Schändlich, dass Gefühle so flüchtig sind, dass Erkenntnis nicht erkannt bleibt, sondern schwindet.
 
Möchte heute meinen Kopf verschenken: Da ist nur Abfall drin.
 

herrgottimhimmel!

Posted in Allgemein on Mittwoch, 27. Februar 2008 by kobrra

THE MARS VOLTA. live. gestern. das herz zerbirst und reisst den kopf in den abgrund. der kopf zerbirst und reisst das herz in den abgrund. liebe. hoffnung. schmerz. abschied.

und alles endet mit dem wahnsinn, damit es mit dem wahnsinn neu beginnen kann. der wahnsinn darin ist, dass es den wahnsinn darin nicht gibt: hinter einer fassadenfratze verbirgt sich manchmal ein wunderschönes gesicht.

deines.

http://www.themarsvolta.com/

http://www.myspace.com/themarsvolta