Suche dich

Die Sehnsucht treibt mich tief hinein in die Nacht. Ich irre auf Strassen herum, suche dich in verlassenen Hinterhöfen, frage herumstreunende Hunde nach deiner Spur und rauche mir die Lunge teerig. Auch wenn es nur ein Schatten deiner selbst ist und wir in Wirklichkeit nicht zusammengehören – ich verzehre mich nach dir. In meinem Kopf vermengen sich Wahn und Vorstellung, du trägst Myriaden von Gesichtern. Ich weiss nicht mehr, wer du bist.

Menschenmengen überall, ich dränge mich an aufgerissenen Fassaden vorbei. Es wird gebaut, die Stadt verändert sich. Kräne ragen in den Himmel, Unkraut aus Metall. Wo bist du, wenn es dunkelt? Bist du allein und heulst wie ich den Mond an? Umarmst du jemanden, lässt ihn herein, in deine halbleere Wohnung, dein halbleeres Herz? Hast du jemanden gefunden, der dir stundenlang zuhört, dich in den Schlaf wiegt, der nie zu dir kommen will?

Ich erlaube mir nur selten, an dich zu denken. Und wenn, dann schüttle ich dich schnell wieder ab. Du bist nicht mehr willkommen in meinem Kopf. Ich verbiete mir dich jeden Tag von vorn. Doch manchmal, da treibt mich die Sehnsucht tief hinein in die Nacht. Ich irre auf Strassen herum, suche dich in verlassenen Hinterhöfen, frage herumstreunende Hunde nach deiner Spur und rauche mir die Lunge teerig. Und manchmal, da frag ich mich: Wo bist du, wenn es dunkelt?

Tanja Jeremic

Tanja Jeremic

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