Detox

Tja, so häng ich also hier rum. Vor einem kleinen Minze-Tee und einem säuerlichen Birchermüsli. Während dieser Tage lese ich unverständliche Gedichte, mach den dreibeinigen Hund und meide alle giftigen Bösewichte. Man flüstert mir ins Ohr, ich solle mich in Achtsamkeit üben, um zu mir zu finden, dann wiederum, dass Selbsttranszendenz gerade in diesen narzisstischen Zeiten unentbehrlich ist und schliesslich, dass ich nur durch Läuterung zu mir oder von mir wegfinden kann. Ich bin tiefenentspannt und tiefenverwirrt, träume viel und schlafe wenig. Die Tage dehnen und strecken sich und das Glück tritt anders auf, in kleinen Mini-Dosen – wenn das Sonnenlicht durch die Bäume bricht und ich mit dem Velo über menschenleere Seitenstrassen radle – wenn die zwei braungebrannten Schweizer mit Lederhaut sich in der Badi zwinkernd den Doppeladler zeigen – wenn ich jemanden so fest zum Lachen bringe, dass ihm der Kafi aus der Nase spritzt und die Tastatur besudelt – dann, ja, dann, bereue ich es nicht, dass ich die meisten Abende alleine zu Hause verbringe, mich einsperre und ausharre bei Philosophie und verstörenden französischen Schwarzweiss-Filmen aus den 60ern – gierig auf meine Katharsis wartend, damit ich besser werde oder irgendwas.

Ich bereue es nur, also dies alles, den Lifestyle, mein Life, wenn jemand lachend an meinem Fenster vorüberzieht, mich mitten in der Nacht dadurch weckt, ich schlaftrunken auf die Uhr blicke und denke
– fuck, früher wärst du jetzt da und da und würdest das und das
und ich schlaf wieder ein und denk dabei
– noch 5 Stunden, ich muss noch 5 Stunden schlafen, so mega lange noch schlafen und was mach ich morgen, mit all der Zeit, jetzt, wo all die Selbstzerstörungswut sich in die Karibik verpisst hat und ich und mein nettes Ich uns gegenseitig Herz-Emojis und Mandelblüten-Naturkosmetik auf den Bauch pinseln, Scheisse.

Dann werd ich kurz wütend, da ich irgendwie doch viel besser damit umgehen kann, wenn ich dauernd verkatert bin und Dummheiten anstelle und eben doch den zurückgebliebenen Pavianärschen zurückschreibe, auch wenn ich nachher wieder heulend im Bett liege und so Sachen nachlese wie „9 Signs how to know he is a sociopath“.

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Normal 0% – oder was?

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