Dä Läbä

Huäräsiäch, sagte er und schlug mit seiner Faust in die Wand. Seine Knöchel explodierten, sofort wurde der Handrücken taub. Er war gerade aufgewacht, hatte all ihre Nachrichten gelesen. All diese hingeworfenen Worte der Verzweiflung und des Abschieds. Die Wut liess sein Inneres kochen, er hätte alles niederreissen können. Dieses Bild, diese Lampe, dieses Bücherregal. Er wollte alles niederbrennen sehen, bis auf den Grund.

Natürlich hatte er geahnt, dass das Glück rasch durch seine Finger sickern würde. Natürlich wusste er, dass er es auch dieses Mal nicht schaffen würde, jemanden davon zu überzeugen, dass er der Richtige war. Sie, mit ihrem Haar aus Geschenkpapier und Keksen, hatte es schliesslich auch eingesehen: dass er es nicht wert war. Nicht die stundenlangen Gespräche, die Spannungen – und all das, was darunter verborgen war und das er nie erreichen konnte. Denn das Denken fiel ihm bisweilen schwer.

Alles hatte schön begonnen, denn Anfänge waren so: wunderbar und erhaben. Sie gaben stets den Anschein von Leichtigkeit, Hoffnung und luftiger Zuckerwatte. Doch dann kam die Mitte und die Mitte war Alltag, zäh und klebrig wie abgestandener Sirup, der am Flaschenhals zu austrocknen begann. Und wie war das Ende – fragte er sich und versuchte vorsichtig, eine Faust zu machen, doch der Schmerz zog bis in seinen Unterarm und er liess es bleiben.

Das Ende, ja, das war immer schrecklich und unbarmherzig und wechselte seine Gesichter so häufig wie er seine Unterhosen. Nie konnte man sich wappnen, fuck Schiller, die Konfrontation mit dem Erhabenen liess einen bloss schwächeln, bloss durchscheinend werden wie Pergamin. Denn nichts konnte der unaufhaltsamen Verwahrlosung des menschlichen Herzens entgegenwirken. Nichts, ausser die Grösse, die ihm abhanden gekommen war und die er nicht einmal mehr vermisste. Denn, ja: Leicht lässt sich’s weinen, wenn warme Suppe wartet und das Leben so blossliegt wie ein aufgeschnittener Fisch.

Ja, dachte er, so muss es wohl sein und kühlte seine Hand unter einem Strom kalten klaren Wassers.

 

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