In der fernen Vergangenheit

Er sass da und wartete auf etwas. Der eine Mensch war reingegangen und der andere kam heraus, setzte sich hin und schwieg. In der Ferne konnte man Rufe Betrunkener hören und Motorengeräusch – hin und wieder brachen Musikbrocken durch offene Türen, die daraufhin gleich wieder geschlossen wurden. Auf den Strassen musste Ordnung herrschen.

Er spürte ein Kribbeln in seinen Fingern, den Reiz, etwas anzustellen, jemanden hart anzupacken, eine Flasche zu zerschlagen. Er legte die Fäuste auf den Tisch, der klebrig war und liess das Gefühl vorüberziehen. Die Nacht roch aufrührerisch, dreckig, er wollte sie auskosten bis zum letzten Tropfen. Gesichter wechselten sich ab, jetzt begann wieder einer zu sprechen, dann ein anderer von etwas anderem. Sie glichen sich alle, die da – sie hatten weisse Nasen und Münder aus denen Worte in die Welt stachen wie Seefahrer ins Unbekannte. Je mehr die Stunden verstrichen, desto leiser wurde das Lachen, auch seines, desto suchender der Blick. Die Zeit war sein Feind und ein flinker Läufer, immer um eine Armeslänge voraus.

Auf dem Heimweg dachte er an nichts und niemanden. Die Sehnsucht war ihm abhanden gekommen, irgendwann an einem belanglosen Wochentag in der fernen Vergangenheit. Er hörte seine Schritte gedämpft auf dem Asphalt. Wie ein Raubtier wollte er sich bewegen. Unbemerkt, lautlos.

Sein Schlaf war tief und traumlos. Dann helles Licht, sein Leib in Aufruhr, aufgepeitscht und erschöpft zugleich. Er spürte seine Muskeln brennen, hatte Lust auf Haut, irgendwen, einerlei – seine Nerven gespannt, seine Unrast bis ins Unerträgliche gesteigert. Nichts band ihn an dieses Leben, ausser die fehlenden Möglichkeiten. Satt liess er sich wieder ins Bett fallen. Rasch sank er ins Dunkel, das sich hinter seinen geschlossenen Lidern verbarg. Wieder ein Tag vorbei, wieder einer geschafft.

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