Sommmeeeer. Und jetz?

Heute warn wir wie die Hippies grillen, mit bunten Kleidchen, Geschichten von früher, lieben Freunden. Ich wollte glücklich sein, ich wollte so sehr lachen und tratschen und philosophieren, doch das ging gründlich in die Hose. Wieso fragt ihr?

Ich war nüchtern.

Sternhagelnüchtern, ja, und das nun schon seit zwei Wochen. Aber eigentlich heisst ja Abstinenz (abstinere) auch sich fernhalten. Und das sollte man wirklich. Sich fernhalten von allem und jedem. Johlenden Fussballfäns (wäk) zum Beispiel, haarenden Katzen und schlechten Zombiefilmen.

Als ich so dasass, dachte ich nur daran, dass die Zigi scheisse schmeckt, der Rücken schmerzt und mir bei meinem 2012-Glück auch sicher noch ein Tannenzapfen auf den Kopf fallen wird. Kraft gleich Masse mal Beschleunigung (aua). Daran kann ich mich erinnern, auch wenn mein Physiklehrer ein zynischer Bastard war, der mir mal mit einem perfiden Lächeln zugesteckt hat, dass Intelligenz nicht anlernbar sei. My ass.

Nunja, ich bin also grundsätzlich grantig und grüblerisch, zwinge mich aber immer raus in die weite Welt, um meinen Willen zu testen. Zwischendurch schaue ich herzzerreissende russische Filme und heul mir die Augen aus – zum Beispiel „Летят журавли“ („Wenn die Kraniche ziehen“) aus dem Jahr 1957. Wobei mir natürlich das Gedicht von Brecht in den Sinn kam:

Die Liebenden

Sieh jene Kraniche in großem Bogen!
Die Wolken, welche ihnen beigegeben
Zogen mit ihnen schon, als sie entflogen
Aus einem Leben in ein andres Leben
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile
Scheinen sie alle beide nur daneben.
Daß so der Kranich mit der Wolke teile
Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen
Daß also keines länger hier verweile
Und keines andres sehe als das Wiegen
Des andern in dem Wind, den beide spüren
Die jetzt im Fluge beieinander liegen
So mag der Wind sie in das Nichts entführen
Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
Solange kann sie beide nichts berühren
Solange kann man sie von jedem Ort vertreiben
Wo Regen drohen oder Schüsse schallen.
So unter Sonn und Monds wenig verschiedenen Scheiben
Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
Wohin ihr? Nirgendhin. Von wem davon? Von allen.
Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen? Seit kurzem.
Und wann werden sie sich trennen? Bald.
So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.


Das ist auch ein Kranich.

Das ist auch ein Kranich.

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