Archiv nach Kategorie "Liebe & Foltereien"

Ornament und Verbrechen

Veröffentlicht in Ferkeleien & Sex mit Tieren, Jesus etc., Liebe & Foltereien, Nix für Analphabeten am Montag, 29. Juni 2009 von badana

Das erste Ornament, das geboren wurde, das Kreuz, war erotischen Ursprungs. Das erste Kunstwerk, die erste künstlerische Tat, die der erste Künstler, um seine Überschüssigkeiten los zu werden, an die Wand schmierte. Ein horizontaler Strich: das liegende Weib. Ein vertikaler Strich: der sie durchdringende Mann.

(Adolf Loos, 1908)

Neu-1

Es war einmal vor langer, langer Zeit…

Veröffentlicht in Blutbad & Todschlag, Ich liebe dich, mein liebes Ich, Kunstloses Brot, Liebe & Foltereien am Mittwoch, 20. Mai 2009 von froileincharlotta

… im tiefen, dunkeln Wald ein Wolf. Der Wolf sprach zu sich – er hatte niemanden anderen, zu dem er hätte sprechen können – leise und vorsichtig:

Nicht jeder Wolf hat ein Rotkäppchen...

Nicht jeder Wolf hat ein Rotkäppchen...

„Lieber Wolf, sei mir nicht böse, doch ich würde gerne mal wieder meinen Pelz verlassen, etwas frische Luft schnappen, ohne gleich von Dir gefressen zu werden. Meinst Du das sei heute an diesem sonnigen und freundlichen Tag möglich?“ Seine Stimme zitterete einwenig, als er so sprach, er versuchte aber sicher zu wirken. Als er gesprochen hatte, wartete er geduldig auf eine Antwort. Er wollte sich Zeit lassen, nicht drängen. Er selbst aber antwortete nicht. Da wurde der Wolf sehr traurig, denn er wusste nicht, wie er mit dieser Nicht-Antwort umzugehen. War das jetzt ein Ja oder ein Nein? War es eine Kriegserklärung oder ein Friedensversuch? War es schlicht Ignoranz oder böser Wille? Er versuchte sich selbst nicht als gemein und böse zu sehen. Er redete sich ein, dass er einfach viel zu tun hätte und eigentlich schon hätte antworten wollen, nur sei die Zeit halt etwas knapp. Doch als 10 Tage vergangen waren, glaubte er nicht mehr an eine Antwort und er glaubte auch nicht mehr an das Gute in sich. So verfluchte er sein Selbst und zog von dannen. Seit da sieht man den Wolf bisweilen am Weiher nahe der Waldlichtung mit Steinen werfen. Manchmal trifft er auch jemanden am Kopf – unabsichtlich natürlich.

Scheiss auf schwere Rucksäcke!

Veröffentlicht in Free yourself from yourself, Liebe & Foltereien am Dienstag, 5. Mai 2009 von badana

Ich geh hie und da mit meiner Arbeitskollegin ins Schlössli, das ist ne Klapse, hier in der Pampa, wo ich arbeite und dazu beitrage, dass die Zahnräder besser greifen und der Sand keine Getriebe verstopft. In dieser Psychi hat es lustige Leute, da fühle ich mich montags besonders wohl, wenn der Kopf noch im Wochenende steckt und nur schwer den Anschluss an die Wirklichkeit findet.

Wir sitzen also da und reden über dies und das, Kanus und Pocahontas und feine Fische, da setzt sich einer zu uns hin und ich denk: Aha, ein Irrer - SO sehen die also aus der Nähe aus. Aber falsch gedacht, denn der grauhaarige Mann mit dem komischen Hemd ist ein Bekannter meiner Arbeitskollegin und hebt plötzlich mit einer Rede über die Frauen und Männer und Liebe an.

Er sagt Dinge wie: Die Frauen kann man nie zufriedenstellen, die ertragen die Wahrheit nicht und wollen immer Bestätigung.

Ich sage Dinge wie: Die Männer haben Angst vor mir und ich ertrage keine Schwächlinge.

Er zuckt nicht mit der Wimper und sagt weiter Dinge wie: Ich bin einfach nicht männlich, da ich nicht eifersüchtig bin und einer Frau ihren Freiraum lasse.

Ich fange an, mich zu nerven und sage schliesslich Dinge wie: Ich hasse Menschen, die sagen, sie hätten ihr Rucksäckli zu tragen. Ich finde, die sollten ihren Scheissrucksack manchmal auspacken, sonst kriegen sie einen Buckel.

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Am Donnerstag begrabe ich mit Hasenherz meinen Ramsch an einer schönen Stelle am See, denn wenn ich nicht aufhöre zu grübeln, kling ich bald wie so ein irrer Normaler.

Obacht – das geht gar nicht.

Richtung Zukunft durch die Nacht

Veröffentlicht in 1, Free yourself from yourself, Liebe & Foltereien, Selbstmord & Freizeit am Dienstag, 28. April 2009 von badana

Wie weiss man, ob man sich nicht verirrt hat, in diesen doch schon einigen Jahren, die sich auf dem bald immer krummeren Rücken säumen. Als der Regisseur Jörg Kalt auf die Frage nach seinem grössten Wunsch der Kamerafrau antwortet, sagt sie bestimmt: „Das kann nicht dein grösster Wunsch sein, das ist viel zu realistisch. Der grösste Wunsch eines Menschen kann niemals realistisch sein.“ Jörg Kalt setzt nochmals an, Stille erfüllt mich, ein Bangen, denn ich sehe in seinem Gesicht, ich sehe die plötzliche Verlorenheit, die diese Frage in ihm auslöst. Vielleicht begreift er in diesem Augenblick, dass ihm der grösste Wunsch irgendwann abhanden gekommen ist. Das Glück bleibt in seinem Kopf ein undefinierbares Gefühl, das sich immer erst im Nachhinein seinen Namen verdient. Er hat sich einige Jahre später für den Freitod entschieden. Weshalb fragte ich Biene störrisch. Dieses Weshalb hallt durch das Xenix, über den Helvetiaplatz bis hin zu all den verlorenen Plätzen in der Nähe und Ferne (den vergessenen Orten des vergessen Gefühls). Es bleibt unbeantwortet wie so viele Fragen.

Jörg Kalts Film „Richtung Zukunft durch die Nacht“ (2001/2002) erweist sich als Geniestreich, komplex und doch fliessend, traurig und doch leicht, schön und kindlich und so unglaublich trostlos trotz einem wachen Staunen. Ich verlasse den Saal verwirrt, beflügelt und zerstört – es beginnt zu tröpfeln und meine Schritte klackern auf den leeren Strassen.

Später sage ich zu Biene: Das fühlt sich alles so falsch an, denkst du nicht, dass das alles so falsch ist? Sie verlangt Erklärung und ich verheddere mich in sperrigen Wörtern, spucke Holzwolle und zerkratze mir die Haut.

Ich sehe zu schwarz, sagt ihr? Do not paint it black, sagt ihr und ich sage: Der Mensch ist feige und kann sich nicht eingestehen, wenn er versagt. Er schreibt, liest, sieht und spricht sich sein Leben schön, denn alles zu ändern, wäre so anstrengend, so schwierig, ein so sinnloses Unterfangen, dass man doch lieber alles beim Alten lässt. Da sind ja immerhin noch die anderen, die auch immer welker und müder werden, wir altern und gehen alle (gem)einsam unter.

Heute fresse ich die Liebe und sage: Es gibt sie nicht.

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Ich sage es vielleicht etwas zu laut und denke an den traurigen toten Jörg Kalt, der jetzt unter der Erde liegt und ich denke an seinen Film und die Vergänglichkeit, an ihn und sie, ans Verpassen von Strassenbahnen, Abzweigungen und ganzen Städten.

Das fühlt sich alles so falsch an, lieber Jörg. Aber fühlt es sich richtiger an, tot zu sein?

Es schreibt

Veröffentlicht in Blutbad & Todschlag, Ferkeleien & Sex mit Tieren, Liebe & Foltereien am Montag, 23. März 2009 von badana

Der Schrecken eines jeden Autors: der gähnende Schlund eines kahlen Blattes – hier fehlt ein Wort und hier und hier, ganze Sätze, Absätze, es ist noch keine Geschichte da. Ich möchte über Inzest schreiben, denke ich und vor meinem inneren Auge eröffnet sich das Bild eines Waldes, es dunkelt ein, es hat geregnet, es riecht nach Regen, der Boden ist feucht und auf dem Moos verharren einzelne Regentropfen, kleinen Glasperlen gleich.

Ich denke an Plot und überlege mir, ob inzestuöser Sex überhaupt noch schocken kann. Wir modernen Leser sind abgebrüht. Letztens ein Gespräch im Bus: „Er hät sie denk nöd tödäd, nur gfoltärät und so.“ Vielleicht muss der Plot anders sein, banal, sie sucht ihren Bruder, der ihr versprochen hat, sie zu wecken und in den Wald mitzunehmen, aufs feuchte Moos und er kommt nicht und sie, was tut sie? Sie geht alleine in den Wald, vielleicht fällt sie irgendwo rein oder runter und bricht sich das Bein. Knack. Das muss hässlich klingen, wenn die eigenen Knochen brechen, das habe ich mir sagen lassen. Vielleicht reicht es, wenn sie sitzen bleibt und weiss, dass er nicht kommen wird. Vielleicht muss die Geschichte auch anders sein, vielleicht muss er sie wecken kommen, vielleicht leckt er ihr übers Gesicht, ganz leicht und dann steht sie leise auf, jeder Handgriff sitzt, sie machen das schon lange und sie freut sich, sie ist wie hypnotisiert. Vielleicht folgt sie ihm und sie liegen nackt auf dem feuchten Moos und zeichnen mit den Lichtstrahlen einer Taschenlampe Figuren an die dichten, dunklen Baumkronen.

Vielleicht fährt er ihr mit dem Finger über die noch flache Brust und berührt ihr Schlüsselbein und legt ihr ein grosses Ahornblatt auf den Bauch und sagt ihr:  Hier werden Kinder wachsen. Und sie, selbst noch Kind, nickt artig und lächelt, obwohl sie nicht weiss, ob ihr das gefallen soll, dass da etwas in ihr wachsen wird.

Und das Ende? Sie muss wütend werden, weshalb.. Da er eine Freundin hat und ihr sagt, dass seine Freundin richtige Brüste hat und weiches Haar.. Ich muss das kleine Mädchen schon von Anfang an so zeichnen, dass sie die Veranlagung in sich trägt, aus Liebe und Besessenheit sowie Besitzgier zu töten. Mit einem Stein. Während er auf dem feuchten Moos liegt und mit geschlossenen Augen von seiner neuen Freundin träumt.

Sie hebt den schwersten Stein auf, den sie findet und lässt ihn auf seinen Kopf fallen. Er muss noch kurz leben, das Bild mit dem zermantschten Schädel braucht Raum, ein gluggerndes und rasselndes Geräusch durchbricht die Stille. Dann deckt das Mädchen den Körper zu, mit Blättern und Zweigen. Langsam und liebevoll. Lebt er noch? Das Mädchen geht und verspricht, ihn bald wieder unter diesem Baum besuchen zu kommen. Letztes Bild: Es schlendert nach Hause, es dämmert schon, es summt und betrachtet die abgeknickten Blütenköpfe am Wegrand und wird plötzlich ein wenig traurig.

Die Geschichte steht. Doch leider schreibt sich nicht von selbst.

Ich brauch ne Tippse.

Dönise?

Ich will auch ein Schoggiglace und kein verkochtes Gemüse!

Veröffentlicht in Liebe & Foltereien am Donnerstag, 19. März 2009 von badana

Mann und Frau sitzen am Tisch und essen schweigend. Klank klingt die Gabel auf dem Teller und das Geräusch verteilt sich langsam im Raum und kriecht unter den Teppich und die Gardinen. Sie blickt entnervt auf, als er zu schmatzen beginnt, er verstummt und sie senkt den strafenden Blick. Er brummt und streicht mit dem linken Daumen die Tischdecke glatt. Blöde, frustrierte Ziege – denkt er und sie mustert seinen schweren Leib, der sich hinter einem hellblauen Hemd verbirgt und weiss, dass er sie betrügt und versteht nicht, wieso er bei ihr bleibt und denkt sich: Alter, geiler Hurenbock. Dann käut sie mit käsigem Gesicht ihr verkochtes Gemüse..

Letztens  am Bahnhof Stadelhofen: Ein Pärli geht an mir vorbei, sie bleiben stehen, er nimmt ihr Gesicht zärtlich in die Hände und beginnt es abzuküssen, sie schliesst die Augen, lehnt sich zurück und lächelt milde, dann neigt sie sich vor, ihm zu, ganz langsam, schaut ihn an, seufzt tief und sagt: „Ich hätt jetzt sooo Lust auf ein Schoggiglace.“ Er lacht, herzlich, von Herzen, und nimmt sie bei der Hand und zieht sie hinter sich her und meint: „Dann kriegst du ein Schoggiglace.“ Sie lächelt und tänzelt.         Sie gehen ab..

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Balkons vor Herzen

Veröffentlicht in Liebe & Foltereien, Nix für Analphabeten, Selbstmord & Freizeit am Donnerstag, 19. März 2009 von froileincharlotta

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
„Herr Kästner, wo bleibt das Positive?“
Ja, weiss der Teufel, wo das bleibt.

Noch immer räumt ihr dem Guten und Schönen
den leeren Platz überm Sofa ein.
Ihr wollt euch noch immer nicht dran gewöhnen,
gescheit und trotzdem tapfer zu sein.

Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen
und denkt , unter Zucker verschwänden sie.
Ihr baut schon wieder Balkons vor die Herzen
und nehmt die strampelnde Seele aufs Knie.

(Erich Kästner)

All the boys love Nina Persson

Veröffentlicht in Holzpüppchen dreh' dich, Liebe & Foltereien am Dienstag, 3. März 2009 von drunkenjudge

Ich steh’ auf Pfauenfedern. Ich steh’ ausserdem auf Chöre in merkwürdigen goldenen Roben und bärtige Gitarristen mit Hut. Zudem steh’ ich auf Blasmusiker, die Perücken tragen. Ganz besonders aber steh’ ich auf Nina Persson.

Und während ich mir gut vorstellen kann, dass viele meine Ansichten über Kopfschmuck, Kleidervorschriften für Chordamen und Gesichtsbehaarung von Gitarristen ebenso wenig teilen wie meine Vorliebe für antiquierte Toupets, so zweifle ich keine Sekunde daran, dass mir in Bezug auf Nina Persson jedermann zustimmen wird (zumindest im aus Sicht engagierter Gender-Studentinnen diskriminierenden Sinn).

Ob all das der Fall ist, lässt sich anhand des Auftritts von A Camp überprüfen, jener beneidenswerten Band, die Nina Persson zur Sängerin hat.

Dazu gibt es für alle jene Getreuen, die diesem Text bis hierher gefolgt sind, noch zwei Bemerkungen. Für all jene, die schon nach den ersten Zeilen nicht mehr weiter gelesen haben, noch drei.

1. Unglücklicherweise teilt Nina Persson meine Vorliebe für bärtige Gitarristen. Einer von ihnen ist ihr Mann.

2. Der Song ist grossartig.

Auch bewunderte Menschen wie Nina Persson müssen ihre Füsse mit Schuhwerk vor schädlichen Umwelteinflüssen wie kleinen Steinchen oder glimmenden Zigarettenstummeln schützen.

Auch bewunderte Menschen wie Nina Persson müssen ihre Füsse mit Schuhwerk vor schädlichen und unangenehmen Umwelteinflüssen wie kleinen Steinchen oder glimmenden Zigarettenstummeln schützen.

„Ich werde mich selbst heiraten.“, sagte sie – und ihr Auge glänzte irr

Veröffentlicht in Augenschmaus, Free yourself from yourself, Ich liebe dich, mein liebes Ich, Liebe & Foltereien, Von Vögeln am Freitag, 27. Februar 2009 von badana

Ich bin ja eben nun ein Workaholic und trinke an meinen Geschäftsterminen ganz viel naturtrübes Bier. Somit kann ich zwei von der Gesellschaft tolerierte Süchte elegant miteinander vereinen. Aber genug von mir, denn gestern hat mich Herr O freundlicherweise darauf hingewiesen, dass ich immer nur über mich selbst schreibe. 

Darum dacht ich mir: Ich mach Nägel mit Köpfen und erzähle jetzt mal nicht von mir, sondern von, äh, einer Freundin. Die hat so schöne lange Haare und ist ausserordentlich klug. Zudem ist sie unglaublich witzig und tief wie der Ozean und letztens hat sie mir erzählt (ich setze ihre Rede kursiv, damit ihr mich und sie auch wirklich auseinanderhalten könnt):

Also, da ist man ja mal kürzlich dreissig Jahre alt geworden, erwacht eines Morgens mit der Schminke vom gestrigen Tag im Gesicht und fragt sich, ja fragt sich, was das Leben denn nun noch bringen möge, wenn Falten täglich reinflattern und das Ticken der Uhr den Schädel allmählich ausdünnt.

Da wäre allem voran die Liebe – die Liebe, die über allem steht und geht und manchmal zertrampelt, aber immer gut und schön ist und chrüselet im Bauch. Ich bin kein Mensch, der Kompromisse macht, sage ich laut und denke mir – lieber keinen Mann als einen kleinen. Und ein schönes Hochzeitskleid werde ich trotzdem irgendwann tragen, wenn die Winde ruhn und ich mich vor dem Spiegel im Kreise dreh und Elvis Costello singen hör „I want you“..

Ich werde mich nämlich selbst heiraten.

Tamdatatam, tamdatatam..

Dann hat sie mir dieses Bild gezeigt, wo man sein eigenes Gesicht einfügen kann, um zu kucken, wie man in einem solchen Fummel aussieht..

nevesta

Ich glaube, diese Freundin ist bisserl crazy und deshalb teile ich ihr auf diesem Weg mit, dass sie mich mit ihren irren Flausen ein für allemal in Ruhe lassen soll:

- Nein, ich möchte nicht nackt mit dir über die Gemüsebrücke tanzen.

- Nein, ich werde diesen blonden Wischiwaschi-Geiger nicht daten, denn er erinnert mich an Candy Dulfer.

- Nein, ich setz mich nicht in eine Scientology-Infoveranstaltung und schreie „Ni-Ni“.

Und zudem bist du manchmal echt fies und unbequem. Im März habe ich keine Zeit, melde dich doch bitte im zweiten Quartal dieses Jahres und dann machen wir, was ICH will – nämlich: BIER TRINKEN UND ARBEITEN!!!!

Hört nur, ich glaube ich rieche was!

Veröffentlicht in Free yourself from yourself, Liebe & Foltereien am Mittwoch, 18. Februar 2009 von froileincharlotta

Einen ausserordentlich ausgeprägten Geruchsinn zu haben, ist manchmal die Hölle auf Erden. Zum Beispiel passe ich zurzeit auf den Hund meines Vaters (der irgendwo in der Wärme – waren es die Malediven? Karibik? Na, egal – weilt) auf. Das unangenehme an der Sache ist, dass ich jetzt jeden Tag diesen Hund an mir rieche. Und wenn man weiss, wie Hunde riechen können, dann weiss man auch WIE unangenehm das sein kann. Diesen Hundegeruch hab ich nun seit mehr als einer Woche in der Nase. Und ich bring ihn nicht los.

Zum Glück ist es Broccoli und keine Stinksocke!

Zum Glück ist es Broccoli und keine Stinksocke!

Es gab mal eine Situation, da war eine Frau vor mir auf dem Klo. Diese Frau hat sich (wie kann man nur?!) in der Klokabine parfümiert. Und ich fünf Minuten später in diese Klokabine rein. Dieses abscheuliche Parfum klebte den Rest des Tages an mir etwa so, wie ein schlechter Ruf an einem kleben bleibt. Es war nicht wegzukriegen. Am Abend dann war mir schrecklich übel.
Busfahren ist natürlich die Hölle, vor allem im Sommer. Dann der Geruch von Kühlschrank am Salat. Kleider, die nicht aufgehängt wurden zum trocknen.
Es hat auch gute Seiten: Ich weiss wer vor mir in kleinen Räumen war (zum Beispiel im Lift), ich kann an einem liegengelassenen Kleidungsstück riechen und weiss, wem es gehört. Ich liebe den Geruch von Tiefgaragen. Ich erkenne den Frühling am Geruch, noch lange bevor er wirklich hier ist. Ich rieche nahenden Regen.

Das gemeinste und schlimmste an einem ausserordentlich ausgeprägten Geruchsinn ist aber die Tatsache, dass ich ins Büro meines Exfreundes reinkomme und mit grösster und heftigster Wucht die Erinnerung und Nähe präsent habe. Denn Geruch kennt keine Vergangenheit. Geruch ist immer Gegenwart. Gewöhnliche Erinnerungen können verblassen. Geruchserinnerung verblasst nie. Direkt ins Hirn. Als wäre keine Zeit vergangen. Echt unerträglich.