Archiv nach Kategorie "Kunstloses Brot"

Das menschliche Hirn (1): Am Arsch

Veröffentlicht in Free yourself from yourself, Ich liebe dich, mein liebes Ich, Kunstloses Brot am Mittwoch, 15. Juli 2009 von drunkenjudge
Les’ ich jetzt immer mit dem Arsch: 20 Minuten.

Les’ ich jetzt immer mit dem Arsch: 20 Minuten.

Am Morgen habe ich mein Hirn ins Klo geworfen. Das verlorene Gewicht – immerhin gut 1,3 Kilo – kann ich jetzt am Bauch zulegen. Ausserdem verbrauche ich ohne das Ding 20 Prozent weniger Sauerstoff. Hurra, Spitzensport ist endlich wieder möglich!

Bei der Arbeit klappte alles ganz wunderbar, mein Boss lobte mich – das hat er vorher nie gemacht.  Man hat halt so seine Tricks: Ich hatte mir die rechte Hand an der Maus festgeklebt, weil ich fürchtete zu vergessen, wozu das Ding gut ist, was ich auch tat. Muss sehr professionell ausgesehen haben. Nur beim Mittagessen wurde am Nebentisch getuschelt. Ich hab gelächelt, das wirkt charmant. Und so gross ist der Unterschied zwischen Maus und Messer nun auch wieder nicht. Tönt ja auch ähnlich.

Gut möglich, dass mir meine Arbeit irgendwann auch ohne Hirn auf die Eier geht. Die hab ich noch, glaubt zumindest mein Arsch, pièce de résistance des Verstandes. Und genau dieser Arsch weiss mit unerhörter Gewissheit: Ich werde es noch weit bringen, mir stehen alle Türen offen. Wenn’s mit der Hochsprung-Karriere nichts wird, dann mach ich eben Wirtschaftspolitik.

Es war einmal vor langer, langer Zeit…

Veröffentlicht in Blutbad & Todschlag, Ich liebe dich, mein liebes Ich, Kunstloses Brot, Liebe & Foltereien am Mittwoch, 20. Mai 2009 von froileincharlotta

… im tiefen, dunkeln Wald ein Wolf. Der Wolf sprach zu sich – er hatte niemanden anderen, zu dem er hätte sprechen können – leise und vorsichtig:

Nicht jeder Wolf hat ein Rotkäppchen...

Nicht jeder Wolf hat ein Rotkäppchen...

„Lieber Wolf, sei mir nicht böse, doch ich würde gerne mal wieder meinen Pelz verlassen, etwas frische Luft schnappen, ohne gleich von Dir gefressen zu werden. Meinst Du das sei heute an diesem sonnigen und freundlichen Tag möglich?“ Seine Stimme zitterete einwenig, als er so sprach, er versuchte aber sicher zu wirken. Als er gesprochen hatte, wartete er geduldig auf eine Antwort. Er wollte sich Zeit lassen, nicht drängen. Er selbst aber antwortete nicht. Da wurde der Wolf sehr traurig, denn er wusste nicht, wie er mit dieser Nicht-Antwort umzugehen. War das jetzt ein Ja oder ein Nein? War es eine Kriegserklärung oder ein Friedensversuch? War es schlicht Ignoranz oder böser Wille? Er versuchte sich selbst nicht als gemein und böse zu sehen. Er redete sich ein, dass er einfach viel zu tun hätte und eigentlich schon hätte antworten wollen, nur sei die Zeit halt etwas knapp. Doch als 10 Tage vergangen waren, glaubte er nicht mehr an eine Antwort und er glaubte auch nicht mehr an das Gute in sich. So verfluchte er sein Selbst und zog von dannen. Seit da sieht man den Wolf bisweilen am Weiher nahe der Waldlichtung mit Steinen werfen. Manchmal trifft er auch jemanden am Kopf – unabsichtlich natürlich.

An Frau M. II

Veröffentlicht in Ich liebe dich, mein liebes Ich, Jesus etc., Kunstloses Brot, Unbenannt, Weltgewandt am Mittwoch, 25. März 2009 von wennoderaber

Liebe Frau M.,

bin nun schon über einen Monat hier. Wohne im Hotel und frühstücke im Café und doch will irgendwie keine rechte Bohemien-Stimmung aufkommen. Träume die ganze Zeit. Meistens nicht mal nachts. Vor drei Monaten hätte ich ähnliche Geschichten wahrscheinlich belächelt. Aber grade jetzt ist mir so gar nicht ums Lachen. Vorhin war ich eben Zigaretten kaufen, da hatte ich so ein Ding, dem ich jetzt nicht Vision sagen möchte, aber beunruhigend war es allemal: Ich hatte eine Schatzkarte und bin dem Weg nachgegangen, der da beschrieben war und urplötzlich stand ich in einem grossen Gewölbe, das proppenvoll mit immensen präparierten Skeletten war und dann hab ich mich angefangen zu drehen, bis mir fast schwindlig wurde. Am Schluss donnerte eine unheilvolle Stimme durch die Hallen, die sich dann als diejenige des Verkäufers herausstellte, wieder real also.

Vor zwei Tagen hat mich der Franz angerufen. Irgendwie hat er spitzgekriegt, dass ich mich im Büro auf unbestimmte Zeit habe freistellen lassen und nach Italien gefahren bin und da der Franz zwar ängstlich aber trotzdem nicht blöd ist, hat er natürlich gleich kapiert, dass ich Sara suchen gegangen bin. Meine Güte, hat der mich ausgeschimpft. Er mache sich Sorgen um mich und die Bärbel auch (wobei ich mir das schlecht vorstellen kann, die wollte ihn sicher einfach loswerden, du weisst ja, wie anstrengend der Franz sein kann, wenn er so ängstlich und bemutternd wird) und was mir einfalle, ich würde einem Hirngespinst nachrennen und so weiter. Ich bin eigentlich bis fast zum Schluss ziemlich ruhig geblieben, aber dann ging die alte Litanei wieder los: Sara habe mich sitzengelassen und nicht geschätzt und die Familie nicht respektiert und verdiene den ganzen Aufwand nicht und noch mehr Dinge hat er gesagt, von denen er schlicht keine Ahnung hat. Da habe ich dann ein wenig die Contenance verloren und ihn etwas schroff zurechtgewiesen, dem folgte ein ziemlich unverständliches Geschrei seinerseits und dann hat er aufgelegt. Es tat mir schon leid, weil ich ja eigentlich genau weiss, dass er sich Sorgen macht und ich versteh auch, dass diese Italien-Aktion für Aussenstehende ziemlich verrückt klingen mag.
Aber dann kam das Finale: Etwa zehn Minuten später klingelte wieder das Telefon und dieses Mal war Helena dran und hat gefragt, ob ich denn alles habe, was ich brauche, ob man mir etwas schicken soll, Socken (!!!) und so weiter. Ich hab geschäumt vor Wut! Da kommt dieser Prototyp von Hausfrau (immerhin die Anvertraute meines Bruders, also gewissermassen involviert) und fragt nicht einmal, wie es mir geht, sondern zieht mit mir die gleiche Nummer durch wie mit ihren Kindern und sowieso der ganzen Welt. Zum Schluss fragte sie mich, ob ich mich gut ernähren würde, weil das wäre wichtig, wenn man so anstrengende Reisen unternimmt und Italien sei ja nicht so hygienisch etc. Hätte das Schicksal meinen Wünschen entsprochen, es hätte Atombomben auf die Schweiz geregnet. Ich hab dann kommentarlos aufgelegt und mein Handy in den nächstbesten Gully geworfen. Keine Lust und keine Energie für Mittelstands-und Mutterkomplexe. Du hättest sicher vermittelt…

Bin übrigens dann in diesen Buchladen gegangen. Hat mich unglaubliche Überwindung gekostet, weil ich mir gar nicht mehr so sicher war, ob ich eine Begegnung mit Sara halbwegs lebend überstehen würde. Aber ich hab dann an Deinen Auftrag gedacht und der hat ja mit mir nur am Rande zu tun und das hat mir geholfen und ich bin in den Laden hinein. Der Besitzer war so ein altes, schrulliges Männchen mit einem nahezu unverständlichem Dialekt (Süden), aber mit Ach und Krach konnte der mir dann sagen, dass sie aus mir unverständlichen Gründen (also nicht die Gründe an sich waren unverständlich, kann das ja gar nicht beurteilen, weil ich sie so wirklich nicht verstanden habe, also akustisch) nach Siena gezogen ist. Und nun muss ich eben dahin. Hab das Gefühl, dass sich vieles ändern wird, es liegt irgendwie in der Luft. Ich bin auch zum ersten Mal seit langer Zeit so etwas wie ungebunden. Komisches Gefühl. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie gern ich Dich bei mir hätte in diesen unsicheren Zeiten.

In Liebe,
Dein Wenno

PS: Panzerotti, so hiessen die.

Just The Facts Of Life

Veröffentlicht in Kunstloses Brot, Nix für Analphabeten, frischfrisch. am Donnerstag, 26. Februar 2009 von froileincharlotta

Es gibt keinen Masterplan. Dennoch, hier die Fakten des Lebens:

  • Jeden Tag zur Arbeit pendeln nervt (auch wenn man gerne behauptet, es sei ganz ok).
  • Blauer Himmel ist immer besser als grauer Himmel.
  • Der Regen wäscht weg was war.
  • Sex ohne Liebe geht nicht. (Auch wenn die Liebe nur ein paar Stunden anhält. In diesem Moment von Ewigkeit ist es immer Liebe.)
  • Psychischer Stress zeigt sich immer auch irgendwie körperlich.
  • Wer Phantasie hat, macht sich etwas aus den Dingen.
  • Unanständig Reden macht glücklich.
  • Lesen macht glücklich.
  • Frühling riechen macht glücklich.
  • Seinen ersten Schulweg vergisst man nie. Nachts, unter den Träumen, geht man ihn immer und immer wieder.
  • Gegen die Natur ist die Natur.
  • Ohne Schatten kein Licht.
  • Gegen Lob kann man sich nur sehr schlecht wehren.
  • Das Paradies wird erst zum Paradies, wenn man daraus vertrieben wurde.
  • Es gibt zwei Typen von Menschen. Orangen und Zitronen.
  • Wer weise ist, ist nicht vor Torheit gefeit. Denn Erfahrung vermehrt unsere Weisheit, verringert aber nicht unsere Torheiten.
  • Jeder hat mindestens zwei Pelztiere im Kopf. Das Eine trägt Latzhosen, das Andere singt unaufhörlich „Schnischnaschnappi“.
  • Gewisse Dinge machen dich ganz und gar nicht härter, obwohl sie dich nicht umbringen.
  • Sitzungen, die länger als 2 Stunden dauern, sind sinnlos.
  • Angst haben nervt.
  • Sich nicht zu verschonen ist richtig.
  • Ratlosigkeit ist der Waldweg unter den Wegen.
  • Es gibt keinen Masterplan.

An Frau M.

Veröffentlicht in Ich liebe dich, mein liebes Ich, Jesus etc., Kunstloses Brot, Unbenannt, Weltgewandt am Donnerstag, 19. Februar 2009 von wennoderaber

Liebe Frau M.,

bin heute morgen früh mit dem Nachtzug in Mailand angekommen, das von Schnee überzuckert ist. Hab schlecht geschlafen, weil geträumt: Ich raste als Zwerg mit wahnsinniger Geschwindigkeit dem Gestänge eines monströsen, zinnoberroten Gittermusters entlang, fühlte physisch meinen Magen an mein Rückgrat gedrückt. Irgendwann war dann da noch (wie  übrigens in praktisch jedem meiner Träume) Sara, unbeteiligt (wie  übrigens in praktisch jedem meiner Träume),  jedoch mit ebenfalls feurigroten Haaren (das erste Mal!).

Magst Du Dich noch an dieses frittierte Teiggebäck erinnern? Hab den Namen vergessen, aber als wir das letzte Mal zusammen hier waren, frühstückten wir oft in dieser einen Konditorei, da gab es die immer. Und Franz hat immer genörgelt, wenn es keine mit Schinken gab. 

Alessandro Crippa, Name unbekanntSara wohnt anscheinend schon eine ganze Weile nicht mehr in Mailand. Konnte mir auch niemand sagen, wo sie hingezogen ist. Bin nicht mal besonders überrascht. Die Frau von der Wohnung nebenan riet mir, in der Buchhandlung nachzufragen, in der sie (Sara) offenbar gearbeitet hat. Morgen geh ich vielleicht mal hin.

Letzten Mittwoch hatten wir verspätetes, geschwisterliches Weihnachtsessen. Es war scheusslich, die Helena vom Franz hat die ganze Zeit geredet (nur Belangloses), weil sie mit dem Schweigen nicht klargekommen ist. Franz hat nachher am Klavier unsere ewigen Klassiker gespielt und wir (also Bärbel und ich) haben (wie immer) lauthals intoniert, das hat sie dann erst recht nicht ertragen können. Schon komisch, schon die Ex vom Franz war so ein traditionelles Mauerblümchen ohne Tradition.

Das Bild auf der Karte ist übrigens nicht echt, kann mich nicht mal entscheiden, ob ich es für gemalt oder fotografiert nehmen soll. Aber in Bezug auf den Schnee steht die Realität dem Bild gerade in nichts nach. Was für ein geschwollener Satz.

Liebe Dich und melde mich bei Gelegenheit wieder,

Dein Wenno

Ein katastrophales Jahr für Kill!Kill!

Veröffentlicht in Kunstloses Brot, Von Vögeln am Dienstag, 10. Februar 2009 von drunkenjudge

Kill!Kill! hat im vierten Quartal einen Verlust von 8,1 Mrd. Fr. erlitten. Damit summiert sich der Jahresverlust auf 19,7 Mrd. Fr. Der Rekordverlust gründete vor allem im katastrophalen Ergebnis des von Drunkenjudge geleiteten Kill!Kill!-Investment-Blog. In anderen Bereichen schrieb Kill!Kill! trotz Einbussen aber schwarze Zahlen.

Die Transaktion mit dem Schweizerischen Nationalblog (SNB) belastete die Kill!Kill!-Erfolgsrechnung mit 4,2 Mrd. Fr. Insgesamt übernahm der SNB jedoch lediglich 39,1 Mrd. notleidende Papiere vom schreibwütigen Kill!Kill!-Blog. Man sei übereingekommen, mit Studiendarlehen finanzierte Texte sowie Monoline-versicherte Wertschriften, darunter Badanas 1000-seitiges Roman-Manuskript «Sackgasse», nicht zu transferieren.

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Kill!Kill!: «Es hätte schlimmer kommen können.»

Trotz Rekorddefizit und Milliardenhilfe des Staats darf Kill!Kill! Boni in der Höhe von 128 Mrd. Fr. auszahlen. Neben den rechtlich garantierten Vergütungen wurde Kill!Kill! die Auszahlung von frei zuteilbaren Boni erlaubt. Im Vergleich zum Vorjahr fallen die variablen Lohnanteile massiv gekürzt aus.

Zwei neue Kategorien

Kill!Kill! hat angekündigt, zwei neue Kategorien zu schaffen: Die Kategorie «Ferkeleien & Sex mit Tieren» wird von Kobrra und Badana geführt werden, die Sparte «Blutbad & Todschlag» von Froileincharlotta. Kill!Kill! will sich dadurch auf seine Stärken im Schweizer Kerngeschäft sowie auf das Wachstumspotenzial in den weltweiten Online-Märkten konzentrieren.

Der einzige Trost für Kill!Kill!: Auch eine Grossbank kann mit Geld nicht besser umgehen.

there’s a tiny man down there

Veröffentlicht in Augenschmaus, Holzpüppchen dreh' dich, Kunstloses Brot am Montag, 1. Dezember 2008 von drunkenjudge

Bildlegenden können Ihre Gesundheit gefährden.

Bildlegenden können Ihre Gesundheit gefährden.

Ich schreibe den ersten Satz. Jetzt ist er fertig und der zweite folgt sogleich, ich bin schon mittendrin, jetzt ist er fast schon zu Ende. Ich habe eben einen Punkt gesetzt, jetzt ein Komma. Das war schon wieder ein Punkt, jetzt ein Komma, schon wieder ein Komma, was wollte ich sagen? Ein Fragezeichen? Noch ein Fragezeichen? Und was war mit dieser Klammerbemerkung? Habe ich die etwa schon wieder rausgelöscht?

Na schön, ich geb’s zu: Wenn man schreibt, dann ist es nicht gerade spannend, das eigene Tun synchron zu kommentieren. Vor allem: Man hinkt dem Geschehenen immer hinterher. Wenn man in einem Videoclip singt, dann funktioniert das  wesentlich besser. Dafür gibt es Beweise, nicht nur für Fans von 80er-Boygroups, sondern auch für Saure-Gurken-Afficionados (Was für ein Scheisswort).