Archiv nach Kategorie "Jesus etc."

Im Netz Gottes (3): Der Hypnotiseur des Herrn

Veröffentlicht in Jesus etc. am Donnerstag, 3. September 2009 von drunkenjudge
Wer zu Gott will, kommt an Boris T. (30) nicht vorbei.

Wer zu Gott will, kommt an Boris T. (30) nicht vorbei.

Von: Boris T. B*****
Gesendet: Montag, 31. August 2009 14:49
An: drunkenjudge
Betreff: Hypnose „Einmal Himmel und zurück.“

Wer will mit Gott sprechen? Wer den Himmel betrachten? Nur mal schauen wie es sein könnte? Jetzt kann man Buchen! Der einzige Mensch der dies ermöglichen kann für jedermann heisst Boris T. er tut nicht weh!

Boris T. (30)der erfolgreiche Hypnotiseur hat eine einzigartige Methode entwickelt. Diese ermöglicht den Menschen mit Gott oder mit verstorbenen Familien angehörigen im Paradies zu sprechen.

Wie soll das gehen, fragen wir Boris T. (30) von HS Hypnose.

„….. wie genau oder warum es funktioniert kann ich nicht sagen. Ich habe diese Methode entwickelt auf Wunsch eines Probanden. Diese habe ich über länger Zeit verfeinert und getestet. Das Resultat war verblüffend. Egal welcher Religion jemand angehörig ist, die Erfahrung die er oder Sie im Himmel Erleben ist abhängig von seinem Glauben und seiner Überzeugung, was der Proband im Himmel erfahren darf ist nur für Ihn und Gott bestimmt.“

Sie Herr Boris T. (30), als angesehener Hypnotiseur haben Sie keine Angst das Sie durch Ihre neue Methode mit Kartenleger in einen Topf geworfen werden?

„Nein, bei weitem nicht. Heute ist es ganz normal wenn man zu einem Hypnotiseur geht das man eine gewisse Leistung erwarte. In den letzten Jahr wurde das reisen in ein Leben vor Ihrem Leben zur Normalität. Viele Hypnotiseure ermöglichen diese Reisen. Und können sich selbst nicht vorstellen wieso oder warum es Klappt es geht einfach.

Das Himmelreisen verfahren ist das nicht gefährlich?

„JA ich finde das mit Hilfe der Hypnose das führen eines Menschen in den Himmel mit vielen gefahren verbunden ist. Ich musste eine Technik Entwickeln die den Probanden Schützt. Sie können sich ja vorstellen, wenn jemand im Paradies ist will diese Person sicher nicht wieder auf die Erde zurückkehren. ….“

Denken Sie Boris T. (30) das es den Himmel wirklich gibt?

„Das ist eine Heikle Frage- ich muss gestehen das ich an Gott glaube und nur an Gott. Das mit dem Himmel und der Wiedergeburt usw. das war nie meine Überzeugung. Weder werde ich versuchen jemanden meinen Glauben aufzwingen. Soll jeder Glauben was er will….„

Aber sie machen nicht nur Himmelfahrten was machen Sie sonst noch?

„Ich helfen den Menschen, wenn Sie aufhören wollen zu Rauchen, Ihr Ideal Gewicht zu erlangen, Schmerzen zu lindern und eine Lösung zu finden mit Hilfe des unterbewusst und ich bring den Interessierten bei wie man Hypnotiseur wird. Hypnose ist ein Handwerk und muss erlernt und angewandt werden.

Was heisst, war nie Ihre Überzeugung?

„ Ich habe gewisse Dinge gesehen durch diese Methode die ich entwickelt habe. Die wenn ich sie erzähle ich mir selber nicht glauben würde hätte ich sie nicht erlebt. Daher bin ich mir bewusst geworden die Erde nicht unser aller ende ist sonder es geht weiter…..“

„Einen Junger Mann Herr M.(26) kam zu mir in die Praxis. Er glaubte nicht an Hypnose und er dachte, er sei kein Gläubiger Mensch. Das hat sich nach diesem Erlebnis geändert. Er erwachte aus der Hypnose und konnte nicht fassen was er sah, er erzählte es einer Bekannten. Er erkälten Ihr, dass er seine Familie sah, alle Verstorbenen. Sie sassen am Tisch bei Essen und Trinken Sie waren Glücklich. Er erklärte ,dass er einen Knaben sah, der sehr jung gestorben war. Er konnte diesen Jungen genau beschreiben, sogar die Kleidung die er trug. Obwohl er diesen Jungen nur von einem Photo her kannte bevor er verstarb. Seine genau und detailliert Beschreibung, lies seiner Bekannten das Blut in den Adern gefrieren. Sie erklärte Ihm, nach dem Sie den ersten Schock überwunden hatte, dass der Knabe genau mit diesen Kleidern die er so genau beschreiben konnte begraben wurde.“

Wenn Sie Personen in den Himmel schicken, denken Sie nicht das Gott das nicht verachten würde?

„Ich muss gestehen, dass ich am Anfang der Methodik nicht traute. Als ich zu meiner Überraschung, dass Gegenteil sah, wurde mir schon sehr Mulmig zu mute.

Daher fing ich an, allen Personen die ich in den Himmel schicken durfte, mit einem Auftrag im Gepäck zu verschicken. Jeder musste genau eine Frage stellen, unabhängig von Kultur, Glauben, Zeit, Ort, Schicht oder ethnischer Abstammung.(Gott darf ich Dir Personen in den Himmel schicken?) Iich erhielt immer die gleiche Antwort. (Boris sende so viele Personen wie Du willst.)

Nicht ein einfaches Ja oder nein. Oder mach mal. Nein immer der gleiche Satz.

Boris T. (30) der Geheimtipp schlecht hin. Wie Wir Ihn kennen gelehrt haben, ist für diesen erstaunlichen Jungen Mann von HS Hypnose auf rein Fachlichen Tatsachen fixiert. Dennoch stösst er immer wieder auf gewisse Grenzen die den menschlichen Verstand bei weitem übersteigt. Er ist ein Pionier der Neuzeit. Auch Wir haben ein Himmels Ticket gebucht, Ein mal Hin und Zurück.Nennen Sie uns doch ein Bsp. Bitte.

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Bereit zum Abheben, Baby?

Schock: 47 Prozent der KillKill!-Leser inexistent

Veröffentlicht in Ich liebe dich, mein liebes Ich, Jesus etc., Nix für Analphabeten am Dienstag, 7. Juli 2009 von drunkenjudge

Die Medienkrise verschont auch Kill!Kill! nicht: Rund die Hälfte der Leser des Qualitätsblogs sind schlicht nicht existent, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Fatal: Die Anzeigenkunden springen ab, die Kill!Kill!-Redaktion fürchtet um ihren Verstand.

«Bist du?» wollte Kill!Kill! kürzlich von seinen Besucherinnen und Besuchern wissen. Die Resultate der existenziellen Umfrage sind ein Schlag ins Gesicht, denn nur 53 Prozent der Leser haben die Frage bejaht – die andere knappe Hälfte «ist nicht».

«Dass ein derart grosser Teil unserer Zielgruppe nicht existiert, stellt den Sinn unserer Arbeit mehr als nur in Frage. Wir stehen vor einem Abgrund», jammert ein Kill!Kill!-Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Nicht da: Kill!Kill!-Leser

Nicht da: Kill!Kill!-Leser

Weniger Produktionsaufwand dank transzendenten Beiträgen
Aus dem Blog-Umfeld ist zu vernehmen, dass man bei Kill!Kill! derzeit verschiedene Ansätze prüfe, um sich aus der Misere zu befreien. «Diskutiert wird die Publikation inexistenter Beiträge, um die Leser quasi bei ihrem eigenen ontologischen Status abzuholen», will ein «Freund» der Redaktion wissen. Da die Produktion weniger aufwändig wäre, könnten beim Personal massive Einsparungen vorgenommen werden.

Ob Kill!Kill! damit nicht den Teufel mit dem Beelzebub austriebe? Schliesslich würde der Blog mit inexistenten Beiträgen in publizistischer Hinsicht Neuland beschreiten. Ob der Blog seine Anzeigenkunden für das schwer verständliche, metaphysische Konzept gewinnen könnte, ist mehr als fraglich. Zudem liefe Kill!Kill! mit einer solchen Strategie Gefahr, die kleine Mehrheit der realen Leser zu vergraulen.

Mit Kant durch die Krise?
Gangbarer scheint ein zweiter Lösungsansatz, von dem gut informierte Kreise wissen wollen. «Kill!Kill! denkt laut über eine kantianische Rosskur nach», verrät der Vertrauensarzt eines Kill!Kill!-Verwandten. Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit orientiert sich diese Rosskur am zweiten Satz von Kants Principiorum primorum cognitionis metaphysicae nova dilucidatio: «Es gibt 2 erste Grundsätze: a) Alles, was ist, ist und b) Alles, was nicht ist, ist nicht.» Allerdings hat auch dieser Lösungsansatz einen Haken. Schliesslich müsste das Blog-Management endlich zur Erkenntnis gelangen, dass nicht-seiende Leser nicht sind. Ganz einfach ist das nicht.

Ornament und Verbrechen

Veröffentlicht in Ferkeleien & Sex mit Tieren, Jesus etc., Liebe & Foltereien, Nix für Analphabeten am Montag, 29. Juni 2009 von badana

Das erste Ornament, das geboren wurde, das Kreuz, war erotischen Ursprungs. Das erste Kunstwerk, die erste künstlerische Tat, die der erste Künstler, um seine Überschüssigkeiten los zu werden, an die Wand schmierte. Ein horizontaler Strich: das liegende Weib. Ein vertikaler Strich: der sie durchdringende Mann.

(Adolf Loos, 1908)

Neu-1

An Frau M. II

Veröffentlicht in Ich liebe dich, mein liebes Ich, Jesus etc., Kunstloses Brot, Unbenannt, Weltgewandt am Mittwoch, 25. März 2009 von wennoderaber

Liebe Frau M.,

bin nun schon über einen Monat hier. Wohne im Hotel und frühstücke im Café und doch will irgendwie keine rechte Bohemien-Stimmung aufkommen. Träume die ganze Zeit. Meistens nicht mal nachts. Vor drei Monaten hätte ich ähnliche Geschichten wahrscheinlich belächelt. Aber grade jetzt ist mir so gar nicht ums Lachen. Vorhin war ich eben Zigaretten kaufen, da hatte ich so ein Ding, dem ich jetzt nicht Vision sagen möchte, aber beunruhigend war es allemal: Ich hatte eine Schatzkarte und bin dem Weg nachgegangen, der da beschrieben war und urplötzlich stand ich in einem grossen Gewölbe, das proppenvoll mit immensen präparierten Skeletten war und dann hab ich mich angefangen zu drehen, bis mir fast schwindlig wurde. Am Schluss donnerte eine unheilvolle Stimme durch die Hallen, die sich dann als diejenige des Verkäufers herausstellte, wieder real also.

Vor zwei Tagen hat mich der Franz angerufen. Irgendwie hat er spitzgekriegt, dass ich mich im Büro auf unbestimmte Zeit habe freistellen lassen und nach Italien gefahren bin und da der Franz zwar ängstlich aber trotzdem nicht blöd ist, hat er natürlich gleich kapiert, dass ich Sara suchen gegangen bin. Meine Güte, hat der mich ausgeschimpft. Er mache sich Sorgen um mich und die Bärbel auch (wobei ich mir das schlecht vorstellen kann, die wollte ihn sicher einfach loswerden, du weisst ja, wie anstrengend der Franz sein kann, wenn er so ängstlich und bemutternd wird) und was mir einfalle, ich würde einem Hirngespinst nachrennen und so weiter. Ich bin eigentlich bis fast zum Schluss ziemlich ruhig geblieben, aber dann ging die alte Litanei wieder los: Sara habe mich sitzengelassen und nicht geschätzt und die Familie nicht respektiert und verdiene den ganzen Aufwand nicht und noch mehr Dinge hat er gesagt, von denen er schlicht keine Ahnung hat. Da habe ich dann ein wenig die Contenance verloren und ihn etwas schroff zurechtgewiesen, dem folgte ein ziemlich unverständliches Geschrei seinerseits und dann hat er aufgelegt. Es tat mir schon leid, weil ich ja eigentlich genau weiss, dass er sich Sorgen macht und ich versteh auch, dass diese Italien-Aktion für Aussenstehende ziemlich verrückt klingen mag.
Aber dann kam das Finale: Etwa zehn Minuten später klingelte wieder das Telefon und dieses Mal war Helena dran und hat gefragt, ob ich denn alles habe, was ich brauche, ob man mir etwas schicken soll, Socken (!!!) und so weiter. Ich hab geschäumt vor Wut! Da kommt dieser Prototyp von Hausfrau (immerhin die Anvertraute meines Bruders, also gewissermassen involviert) und fragt nicht einmal, wie es mir geht, sondern zieht mit mir die gleiche Nummer durch wie mit ihren Kindern und sowieso der ganzen Welt. Zum Schluss fragte sie mich, ob ich mich gut ernähren würde, weil das wäre wichtig, wenn man so anstrengende Reisen unternimmt und Italien sei ja nicht so hygienisch etc. Hätte das Schicksal meinen Wünschen entsprochen, es hätte Atombomben auf die Schweiz geregnet. Ich hab dann kommentarlos aufgelegt und mein Handy in den nächstbesten Gully geworfen. Keine Lust und keine Energie für Mittelstands-und Mutterkomplexe. Du hättest sicher vermittelt…

Bin übrigens dann in diesen Buchladen gegangen. Hat mich unglaubliche Überwindung gekostet, weil ich mir gar nicht mehr so sicher war, ob ich eine Begegnung mit Sara halbwegs lebend überstehen würde. Aber ich hab dann an Deinen Auftrag gedacht und der hat ja mit mir nur am Rande zu tun und das hat mir geholfen und ich bin in den Laden hinein. Der Besitzer war so ein altes, schrulliges Männchen mit einem nahezu unverständlichem Dialekt (Süden), aber mit Ach und Krach konnte der mir dann sagen, dass sie aus mir unverständlichen Gründen (also nicht die Gründe an sich waren unverständlich, kann das ja gar nicht beurteilen, weil ich sie so wirklich nicht verstanden habe, also akustisch) nach Siena gezogen ist. Und nun muss ich eben dahin. Hab das Gefühl, dass sich vieles ändern wird, es liegt irgendwie in der Luft. Ich bin auch zum ersten Mal seit langer Zeit so etwas wie ungebunden. Komisches Gefühl. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie gern ich Dich bei mir hätte in diesen unsicheren Zeiten.

In Liebe,
Dein Wenno

PS: Panzerotti, so hiessen die.

12 silver bullets.

Veröffentlicht in 1, Blutbad & Todschlag, Free yourself from yourself, Jesus etc. am Donnerstag, 26. Februar 2009 von kobrra

(das mit dem rückwärtszählen scheint ja voll ein hype zu sein – mal schaun’, wie lange es dauert, bis die futzis in zürich auch damit beginnen, und behaupten, sie täten’s eh schon seit monaten, und es kackt sie an, dass es alle nachmachen, und dass sie eigentlich auch schon wieder aufhören wollen. und so.)

jedenfalls: ist schon interessant, die meisten mitteleuropäer können das alphabet problemlos aufsagen. vorwärts, meine ich. rückwärts aber ist ’ne ganz andere geschichte – übt man nicht, kann einen das vor ungeheuere schwierigkeiten stellen, etwa so, wie wenn man versuchte, auf einem bein hüpfend „trittst im morgenrot daher…“ aufzusagen. (jaja, ich gebe zu, der vergleich hakt, schliesslich geht das nur schon wegen unwillen nicht so recht.) ganz anders mit dem zählen: inspiriert durch unzählige beispiele, ist es in fleisch und blut übergegangen – man denke nur an „ the final countdown“, das peinliche warten auf ein neues jahr, oder an den sachgemässen und vorgeschriebenen umgang mit handgranaten; in hitparaden im radio oder sonstwo wird immer mit der miesesten platzierung begonnen (was womöglich damit zu tun hat, dass zum schluss die grösste faust in die magengegend des publikums donnern soll). ich bin da anders: in der folgenden leckerbissenliste gebe ich meinen ganz persönlichen blick auf die musikgeschichte preis, wenn ich hier die liste der 10 besten platten aller zeiten hineinstelle, und je länger man am ball bleibt, desto besser wird’s. versprochen.

sonicyouth_dirty110. SONIC YOUTH: „Dirty“
dank dieser platte hatte ich begonnen, meine gitarre mit hammer, zange und schraubenzieher zu spielen. und zu sparen auf eine neue gitarre. aber es hat sich gelohnt. womöglich das kommerziellste und strukturierteste album der band, aber ungemein dicht. danach war lärm nie mehr lärm.

rage-against-the-machine110. RAGE AGAINST THE MACHINE: „Rage Against The Machine“
uiuiui. „fist in ya face in the place and i drop the style clearly – know your enemy.“ politik begann sinn zu machen, die karriere der band ihn genau dadurch zu verlieren. roh. verdammt roh. noch heute.

superunknown110. SOUNDGARDEN: „Superunknown“
jeder song sitzt, ein wenig unbequem, aber ungeheuer kleidsam. ich ziehe den hut, herr cornell, auch wenn sie heute einen auf style-nutte machen.

scenes_second_cover109. THE GOD MACHINE: „Scenes From The Second Storey“
kritikers liebling – fans hatten sie (beinahe) keine. garandios. kitschig. pathetisch. aber äusserst originell und eigen. wunderschön.
(siehe auch hier.)

kid_a208. RADIOHEAD: „Kid A“
nachfolger „der platte des jahrzehnts“ (ok computer), und doch um ellen besser: radikal, minimal, durchdacht. phantastische songs in glänzendem dramaturgischem ablauf. sperrig, doch wenn man genau hinhört, hört man vögel zwitschern.

aenima307. TOOL: „Aenima“
episch-lange songs, verletzlich und zart, dennoch hammerhart und düster. da trägt jemand sein herz auf die strasse, und kümmert sich keinen deut darum, wenn jemand einen rostigen nagel hineinsteckt. hach.

gimmick106. BARKMARKET: „Gimmick“
abartig dicht und abwechslungsreich. kein song gleicht dem anderen, trotzdem ist es eine platte – unerreicht. „static“ gehört in meine ewige top 10 der besten songs ever, womöglich gar auf platz 2.

disco_volante2105. MR. BUNGLE: „Disco Volante“
fliessender übergang von jazz zu death metal und hidden track – alles in einem song. seither gibt’s für mich keine schubladen mehr. grösste analog-schlacht aller zeiten. eineinhalb jahre lang nicht aus dem walkman genommen. (dies erklärt womöglich einiges.)

depeche-mode-violator204. DEPECHE MODE: „Violator“
die beste pop-platte aller zeiten. punkt. nie wieder von irgendwem erreicht, trotz gutgemeinten versuchen. wer mir das gegenteil beweisen kann, kriegt mein herz. brüche, noch und noch, und dennoch eine verzogene einheit. den höhepunkt im ersten lied gesetzt, und trotzdem folgt dahinter aber auch gar nichts, das schlechter wäre. brutal gut. und incl. „enjoy the silence“: möglicherweise das traurigste lied, das ich je gehört habe.

tmv_dlitcomatorium103. THE MARS VOLTA: „De-Loused In The Comatorium“
eine revolution, für mich und mein gehör und mein herz und meinen kopf. bloss der beginn einer grandiosen karriere, und bei weitem nicht ihre beste platte, aber diejenige, die den meilenstein gesetzt hat. der toaster-in-der-badewanne für unterwegs.

skyvalley102. KYUSS: „Welcome To Sky Valley“
das gras war danach tatsächlich grüner. staubtrocken und fettig wie eine punjena pljeskavica mit urnebes, gewickelt in einen prazan burek, und dazu jogurt. (jaja, war gerade in serbien.) auf drogen aufgenommen, wurde es selbst eine droge: der apfel fällt halt nicht weit vom stamm. und ja, ich habe natürlich nur die 3-song-ausführung.
(siehe auch hier.)

blindmelonsoup201. BLIND MELON: „Soup“
ich liebe sie, und sie liebt mich. für immer.
(siehe auch hier.)

An Frau M.

Veröffentlicht in Ich liebe dich, mein liebes Ich, Jesus etc., Kunstloses Brot, Unbenannt, Weltgewandt am Donnerstag, 19. Februar 2009 von wennoderaber

Liebe Frau M.,

bin heute morgen früh mit dem Nachtzug in Mailand angekommen, das von Schnee überzuckert ist. Hab schlecht geschlafen, weil geträumt: Ich raste als Zwerg mit wahnsinniger Geschwindigkeit dem Gestänge eines monströsen, zinnoberroten Gittermusters entlang, fühlte physisch meinen Magen an mein Rückgrat gedrückt. Irgendwann war dann da noch (wie  übrigens in praktisch jedem meiner Träume) Sara, unbeteiligt (wie  übrigens in praktisch jedem meiner Träume),  jedoch mit ebenfalls feurigroten Haaren (das erste Mal!).

Magst Du Dich noch an dieses frittierte Teiggebäck erinnern? Hab den Namen vergessen, aber als wir das letzte Mal zusammen hier waren, frühstückten wir oft in dieser einen Konditorei, da gab es die immer. Und Franz hat immer genörgelt, wenn es keine mit Schinken gab. 

Alessandro Crippa, Name unbekanntSara wohnt anscheinend schon eine ganze Weile nicht mehr in Mailand. Konnte mir auch niemand sagen, wo sie hingezogen ist. Bin nicht mal besonders überrascht. Die Frau von der Wohnung nebenan riet mir, in der Buchhandlung nachzufragen, in der sie (Sara) offenbar gearbeitet hat. Morgen geh ich vielleicht mal hin.

Letzten Mittwoch hatten wir verspätetes, geschwisterliches Weihnachtsessen. Es war scheusslich, die Helena vom Franz hat die ganze Zeit geredet (nur Belangloses), weil sie mit dem Schweigen nicht klargekommen ist. Franz hat nachher am Klavier unsere ewigen Klassiker gespielt und wir (also Bärbel und ich) haben (wie immer) lauthals intoniert, das hat sie dann erst recht nicht ertragen können. Schon komisch, schon die Ex vom Franz war so ein traditionelles Mauerblümchen ohne Tradition.

Das Bild auf der Karte ist übrigens nicht echt, kann mich nicht mal entscheiden, ob ich es für gemalt oder fotografiert nehmen soll. Aber in Bezug auf den Schnee steht die Realität dem Bild gerade in nichts nach. Was für ein geschwollener Satz.

Liebe Dich und melde mich bei Gelegenheit wieder,

Dein Wenno

Im Netz Gottes (2): Der Chatroom des Herrn

Veröffentlicht in Jesus etc. am Freitag, 6. Februar 2009 von drunkenjudge
Gott

Schwer vorstellbar: Gott

Mit dem Papst kann man ja nicht reden. Hat keine Zeit, der Mann. Muss schliesslich Holocaust-Leugner rehabilitieren und pädophile Priester retten. Klar, dass er da kein Ohr für die Fragen des kleinen, aber gläubischgen Mannes hat.

Auch der päpstliche Youtube-Kanal hilft wenig. Er bringt zwar die frohe Videobotschaft unter die e-Schäfchen, aber ein richtiges, sauberes Gespräch mit dem Statthalter Gottes kann das nie und nimmer ersetzen.

Chatten mit iGod
Besser wir überspringen eine Hierarchiestufe und wenden uns direkt an Gott, der den Schritt ins Internet lange vor Papa Ratzi gewagt hat.

Chatten mit Gott – wer träumte nicht schon lange von dieser Möglichkeit? Wer wollte nicht schon immer einmal ungezwungen mit dem Herrn plaudern, ohne durch sein Antlitz geblendet zu werden? Ihn Fragen, ob er seinen Hot-Dog mit Ketchup oder Mayo isst? Wie das Wetter morgen wird? Ob er dieses Jahr wieder nach Jerusalem in die Ferien fährt und wo er jetzt gerade hockt? Frisch auf also, der iGod hat die Antworten!

(Übrigens lohnt sich ein Blick auf die Homepage der Webdesigner Gottes. Da tanzen die Mäuse, wenn die Katze im Chat ist.)

Ich bin der Zorn Gottes

Veröffentlicht in Jesus etc., Von Vögeln am Dienstag, 20. Januar 2009 von badana

„Wenn ich, Aguirre, will, dass die Vögel tot von den Bäumen fallen, dann fallen die Vögel tot von den Bäumen herunter. Ich bin der Zorn Gottes. Die Erde, über die ich gehe, sieht mich und bebt.“

(„Aguirre, der Zorn Gottes“ von Werner Herzog, Deutschland 1972)

Im Netz Gottes (1): Die Suchmaschine des Herrn

Veröffentlicht in Jesus etc. am Donnerstag, 8. Januar 2009 von drunkenjudge

Ursprünglich als Plattform für teilweise verrückte Wissenschaftler konzipiert, ist das Internet längst zu einem Medium für jedermann geworden. Der Grund für seine enorme Popularität: Der unbegrenzte Zugang zu Pornos aller Art.

Das finden nicht alle Menschen gut, was an sich nicht schlecht ist. Zu diesen Menschen gehören unter anderem wir aufrechten Katholiken. «Und führe uns nicht in Versuchung», bitten wir Gott immer wieder – und sind für einmal erhört worden: Denn jetzt gibt es Google endlich auch für Katholiken. Es funktioniert ganz ähnlich wie das Google für Chinesen. So kann es verhindern, dass wir unserem Fleisch nachgeben, das ziemlich stark ist.

Allerdings ist so ein Portal ein zweischneidiges Schwert: Denn es reizt uns Katholiken natürlich, die Grenzen dieses göttlichen Filtersystems auszuloten.  Zum Beispiel mit Hilfe des beliebten Suchbegriffs «Ficken mit Tieren». Das beruhigende Resultat: Die fromme Suchmaschine findet keinen Schweinekram, sondern ausschliesslich keusche Webseiten, die zum Zoobesuch auffordern («Mach doch mal was mit Tieren!») oder Tipps bieten zum Lernen mit Tieren, zum Reisen mit Tieren oder zu Therapien mit Tieren.

Doch der Herr der Finsternis persönlich muss seine höllischen Programmierer ausgesandt haben, um unsere Suchmaschine zu sabotieren: Wer nach «Satan» sucht (und das müssen wir Katholiken oft!) stösst als erstes auf eine Seite, die unseren lieben Papa Ratzi und auch uns andere Katholiken als Satanisten verunglimpft. Jesus, hilf!

Wer suchet, der findet.

Wer suchet, der findet.

weihnachtliche reise durch wikipedistan

Veröffentlicht in Jesus etc. am Montag, 29. Dezember 2008 von kobrra

weihnachten. klirrende kälte. während alle (katholische und protestantische) welt bei ihren familien weilte und zu ehren christi geburt schmauste, sass ich in einer spelunke, vertieft in ein literarisches werk. ich driftete weg: kopfhörer in den ohren, rockmusik, der text verschlang mich, und die menschen um mich herum kümmerten mich etwa so sehr, wie die meisten von ihnen der wahre sinn der weihnacht. irgendwie ist das, wie wenn ich mich selbst in isolationshaft nehme, dachte ich, der ipod gaukelt vor, dass er mich vor äusseren einflüssen schützt, indem er mir eine wohlbekannte geräuschkulisse und damit erhöhte konzentrationsfähigkeit schenkt, aber an sich sperrt er mich in einen gläsernen käfig. seltsam. doch ich mag dieses gefühl.

wo war ich stehen geblieben? nichts von dem, was ich bis dahin gelesen hatte, blieb hängen. verdammt. ich schaute hoch, wollte einen weiteren kaffee bestellen, und stockte. das café hatte sich geleert, ohne dass ich es bemerkt hatte. unmöglich schien mir das, und ich blickte nach allen seiten, das licht war gedämpft, keine menschenseele weit und breit. ich schaute auf den ipod. während ich den kopf hob, dachte ich, track 9, also höre ich seit höchstens einer dreiviertel stunde musik, und ich hätte doch bemerkt, dass… ich zuckte zusammen. mir gegenüber sass ein mann in nadelstreifen-anzug, die beine übereinander geschlagen und den linken arm auf der rückenlehne seines stuhls abgestützt, den blick auf mich gerichtet, und er schien zu sprechen, während die musik weiter vor sich hin plätscherte. („i don’t understand french, but if i could, i would write beautiful songs about horrible things“) flüsterte die frau in meinem ohr, die lippen des mannes schienen sich dazu synchron zu bewegen, so als wäre er es, der, wenn auch mir gegenüber sitzend, durch die kopfhörer zu mir sprach. wieder blickte ich nach links, nach rechts. niemand. („you must have a heart in order for it to be broken. many people walk in a dream. they feel entitled to happiness and feel anger when it is not waiting for them.“) immer noch redete der mann, und es schien ihn keineswegs zu irritieren, dass ich ihm nicht zuhörte. („we find ourselves in little boxes watching little boxes.“) der mann zupfte ein wenig an seinem ärmel herum, als würde er einen fussel entfernen, um mich schliesslich wieder zu fixieren. ich nahm die kopfhörer ab, und gerade als ich ihn danach fragen wollte, sagte er: „du fragst dich, was gerade geschieht? du fragst dich, wer ich bin? du fragst dich, was ich die ganze zeit vor mich hin spreche? du kennst die antwort, kobrra.“ ich schüttelte den kopf. woher kannte er meinen namen?

„schau“, meinte er weiter, „es hat keinen sinn, dass wir nun darüber diskutieren, ob du die antwort kennst, oder nicht, denn ich weiss, dass du sie kennst. du hast bloss noch nicht die erleuchtung gehabt, dass die antwort eben wirklich die antwort ist. sei’s drum.“, brach er ab, bevor ich einhaken konnte, „wusstest du, kobrra, dass „spelunke“ ein lateinisches lehnwort ist? es kommt von [spelunca, -ae, f.], was soviel heisst wie „höhle“. nur wenige leute wissen aber, wo die verbindung ist zwischen höhle im eigentlichen sinn, und einem restaurationsbetrieb, wie diesem, in dem wir gerade sitzen.“ er schnippte mit den fingern. ich traute meinen augen nicht: wir sassen nun tatsächlich in einer höhle, der tisch zwischen uns hatte sich verwandelt in einen alten holztisch, wir sassen nun auf einfach gezimmerten bänken. die luft war zwar immer noch rauchschwanger, nun aber auch modrig und feucht. es roch nach gebratenem fett. „spelunca nannten die anhänger des mithraismus jenen raum, in dem sie rituelle mahlzeiten einnahmen. sie versammelten sich auch sonst in natürlichen oder künstlich angelegten höhlen, um ihren gottesdienst zu feiern, soviel weiss man, nicht so recht aber, wer ihre gottheit war, oder an welches urprinzip sie glaubten. jedenfalls verschwand der mithraismus spätestens im 5. Jh. n. chr. vollständig, nachdem der römische kaiser theodosius I. im jahre 391 n. chr. das christentum zur staatsreligion erklärt und alle paganen religionen verboten hatte. die mithraisten hinterliessen beinahe keine hinweise auf sich, und so wird alles wissen über sie zu reiner spekulation. aufgrund ihres namens aber vermutet man, dass sie sich auf „mithra“ zurückberiefen, eine figur aus dem glaubenskonzept der zoroastristen…“ an dieser stelle unterbrach ich ihn, weil ich aus dem monolog ein zwiegespräch machen, und auch ein wenig mit meinem wissen angeben wollte, weil ich wusste, wer die zoroastristen, und wer zoroaster (zarathustra) waren, aber mehr als ein kurzes stocken in seinem redefluss liess er nicht zu, sondern fuhr sogleich fort: „aber wer weiss schon, ob das wirklich stimmt. mal angenommen, dies sei tatsächlich so gewesen, bedeutete dies, dass sich in derselben zeit aus gleich vier religionen, dem judentum, christentum, zoroastrismus und mithraismus, eine schnittmenge bilden liesse. und ich halte es für ausserordentlich interessant, dass es eigentlich der zoroastrismus war, der diese schnittmenge ermöglichte, und zwar auf gleich zwei ebenen: einerseits war es der zoroastrismus, als eine der ersten religionen, in der streng getrennt wurde nach einem rein guten und ebenso rein bösen urprinzip, der damit die grundlagen für das christentum schuf – kontakte zwischen dem persischen raum und palästina in der zwischentestamentarischen zeit scheinen gesichert. nach diesem vorbild wurden vom alttestamentarischen jüdischen gott alle bösen elemente entfernt, und stattdessen ein ebenso reiner gegenspieler eingeführt – der teufel. sicherlich erinnerst du dich daran, dass es im alten testament keinen fürsten der finsternis gibt. nun, dies liegt daran, dass der engel luzifer (lat. für „morgenstern“) im alten testament noch nicht von gott abgefallen war, sondern bloss die aufgabe hatte, die menschen vor gott anzuklagen. diese rolle blieb in einem seiner heute gebräuchlichen namen erhalten: „satan“ bezieht sich zurück auf altarabisch „shaitan“, was soviel heisst wie, eben, „ankläger“, oder „wanderer“.“

der monolog begann mich zu ermüden, auch wenn ich ihn für durchaus interessant hielt, aber vieles davon wusste ich tatsächlich bereits. starker durst plagte mich. und ich wollte wiederum einen versuch unternehmen, mich, ein wenig mindestens, ins gespräch einzubinden, aber der mann liess dies nicht zu, denn er sprach einfach weiter: „andererseits ist es so, dass möglicherweise gerade die figur „mithra“ ebenso ins transzendentale konzept übernommen wurde, und zwar sowohl von den juden, als auch den christen. und erstaunlicherweise taucht die jüdische, bzw. christliche entsprechung des mithra nicht in kanonischen texten auf, sondern nur in kabbalistischen bei den juden, und in apokryphischen bei den christen. mithra wurde, so glauben die zoroastristen, geschaffen von „ahura mazda“, ihrer hauptgottheit, und dieser betraute mithra mit besonderen aufgaben, so z. b. mit dem richten über die menschen. nun, die entsprechende figur bei juden und christen ist „metatron“, der im diesseitigen leben der prophet enoch gewesen zu sein scheint, der nach seinem tode von gott eine wichtige rolle zugeteilt bekam: er war hüter der zeit, himmlischer bote, führte die seelen im himmel und die israeliten durch die wüste, nachdem diese aus ägypten ausgezogen waren. gewichtiger aber waren seine funktionen als schreiber des himmels, was ihm das privileg eintrug, als einziges wesen, neben gott selbst natürlich, im himmel sitzen zu dürfen, und jene als stimme gottes – gottes sprechorgan produziert nämlich einen klang, den kein irdisches wesen unbeschadet erträgt. so verbrauchte gott mehrere menschengeschlechter, bis er einsah, dass es allenfalls besser wäre, fortan einen stellvertreter zu den menschen sprechen zu lassen. aufgrund seiner wichtigkeit nahm metatron in der <a himmlischen hierarchie einen rang zwischen den engeln und gott ein, wie auch schon sein name verrät: „metatron“ und „shaddai“ (gott) haben denselben zahlenwert, genau so wie die entsprechenden reduktionen auf ein tetragrammaton, und deshalb wird metatron als der „kleinere gott“ angesehen, also als dessen stellvertreter, der auf einem kleineren thron neben jenem gottes sitzt. es ist erstaunlich, dass eine so prominente himmlische figur in keinem kanonischen text erscheint, nicht? und hinweise darauf, dass er dennoch teil der transzendentalen vorstellung sowohl der juden, als auch der christen ist, finden sich zuhauf: z. b. ist der „würfel des metatron“ – um eine person herum konstruiert, hält er dämonen und den teufel selbst fern – eine reduktion der „frucht des lebens“, einer in vielen religionen verbreiteten geometrischen figur, die die verflechtung allen lebens darstellt.“

an dieser stelle brach er seinen monolog ab. war nun die reihe an mir, etwas zu sagen? ich dachte nach, einen kurzen moment, wollte mir einen satz zurecht legen, den beginn einer argumentation, und just als ich ansetzte, erhob sich der mann von seinem stuhl, lehnte sich über den tisch, kam mir näher und näher. mir fiel gerade noch auf, dass er keinerlei geruch hatte, als er mir, leise, ins ohr flüsterte: („we must burn our little boxes. we must create dialogue. we must realize the importance of every moment.“) verdutzt war ich und unsicher, er jedoch lächelte, sah mir, mit der linken hand noch immer auf den tisch gestützt, direkt in die augen, mit einer intensität, als würde er durch dieselben in mein gehirn und mein herz blicken, und schnippte wiederum mit den fingern.

(„we must turn our boredom to gratitude. use your hands, your thoughts, your hunger. these things are yours and yours alone.“), klang es aus den kopfhörern. ich sass wieder in derselben bar. dieselben menschen um mich herum. der ipod sagte immer noch track 9, auch wenn ich dies aufgrund des textes bereits erraten hatte. was mir vorkam wie stunden, hatte offenbar nur wenige sekunden gedauert, oder meinte ich das nur? bereits wenige augenblicke später erschien mir die ganze eben erlebte szene äussert sur- und irreal, und das, was am meisten hängen blieb, dachte ich in dem moment, war dieser brennende durst, der trockene mund, so als hätte ich den ganzen monolog geführt. der umstand, dass offensichtlich niemand um mich herum die polizei oder das irrenhaus verständigt hatte, beruhigte mich, und nachdem ich einen grossen schluck wassers tat, vertiefte ich mich wieder in meine lektüre. dort stand: „Enoh, Sohn des Jared [...] wandelte an einem wolkenlosen Tag an einem Bach entlang und lauschte dem Gesang der Vögel, als sich der Himmel plötzlich verdüsterte, aus der Ferne schwarz-weisse Wolken gleich grossen Schiffen anrückten, hinter ihnen von einem Donnern begleitet die Hand des Herrn erschien und eine Stimme kräftiger als ein Trompetenorchester erklang. Die gewaltge Stimme sagte zu Enoh, sie sei gekommen, um ihn in den Himmel zu erheben, als Zeugen all des Bösen, was die Menschen auf Erden begingen und so Gottes Mühen in den Schmutz zogen, damit er, Enoh, den grossen Zorn Gottes und seinen berechtigten Wunsch begreife, das Menschengeschlecht vom Antlitz der Erde zu tilgen so, wie er eine Träne von seinem Gesicht wische. Nach diesen Worten, ohne die Antwort abzuwarten, legte sich die Hand wie eine Rauchwolke um Enoh und hob ihn so schnell in die Höhe, dass er fürchtete, seine Schuhe zu verlieren, aber nach nur einem oder zwei Wimpernschlägen fand er sich in einem prachtvollen Palast wieder, umgeben von neugierigen Engeln. Dort verwandelte der Herr ihn in ein übermenschliches Wesen mit zweiundsiebzig Flügeln und ganz vielen Augen, ein Wesen so gross wie die ganze Welt, die damals unter den gewaltigen Wassern der Sintflut begraben lag. Er nannte dieses Wesen Metatron und erklärte es zum Prinzen der Anwesenheit Gottes, zum reinen Feuer, zum Feuer, das geht, zum Feuer, das fliesst. zum Feuer, das die himmlische Flamme speist, zum Feuer, aus dem alles entsteht und zu dem alles zurückkehrt, wenn man nur den richtigen Weg findet.“ ( david albahari : die ohrfeige : s. 267. )

( the sound of animals fighting : the ocean and the sun : uzbekistan )

( albahari, david: die ohrfeige. (aus dem serbischen übertragen von mirjana und klaus wittmann.) Frankfurt am Main: Eichborn Verlag, September 2007.

( the mars volta : the bedlam in goliath : metatron )

( the mars volta : amputechture : tetragrammaton )

( secret chiefs 3 : the book of angels )