Archiv nach Kategorie "Free yourself from yourself"

Abgründe

Veröffentlicht in Blutbad & Todschlag, Free yourself from yourself, Selbstmord & Freizeit am Sonntag, 19. Juli 2009 von badana

Da ist eine Halfpipe. Ihre steilen Wände sind mit Gras bewachsen. Auf ihr galoppiert ein wilder schwarzer Hengst immer hin und her, wobei er oben jeweils eine leichtfüssige und schnelle Drehung vollführt. Ich weiss, ich muss da hin, ihn zu fassen kriegen (oder das orange Zaumzeug, das um seinen Kopf schlenkert). Ich krieche oben dem schmalen Grat entlang, versuche, meinen Atem zu beruhigen, mir einzureden, dass mein Unternehmen zwar gefährlich sei, aber nicht gefährlicher als über die Strasse gehen oder ohne Helm Fahrrad zu fahren. Ich verharre in der Mitte der Halfpipe. Konzentriere mich auf die Bewegungen des Hengstes, dessen Hufe die ganze Vorrichtung erzittern lassen. Ich erkenne, wann jeweils der richtige Moment kommt, um nach dem Zaumzeug zu greifen. Jetzt. Das Pferd folgt dem Zug meines Armes und landet auf dem schmalen oberen Grat, wiehert und trippelt und senkt sich, damit ich es besteigen kann. Mit Schrecken sehe ich, dass es gar keinen Sattel hat und nur ein oranger wollener Faden um seinen Kopf geschlungen ist. Doch ich sitze bereits auf dem Pferd, drücke meine Schenkel mit aller Kraft an den schweissüberzogenen erhitzten Tierleib. Mein Herz rast und als sich der Hengst in Position gebracht hat, ich die steile Graswand der Pipe runterblicke, da befällt mich eine unglaubliche Ruhe im Angesicht meines baldigen Todes.

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Das Pferd, das du mir gegeben hast, funktioniert nicht.

(Iván Andrassew: Das Pferd, das du mir gegeben hast.)

Das menschliche Hirn (1): Am Arsch

Veröffentlicht in Free yourself from yourself, Ich liebe dich, mein liebes Ich, Kunstloses Brot am Mittwoch, 15. Juli 2009 von drunkenjudge
Les’ ich jetzt immer mit dem Arsch: 20 Minuten.

Les’ ich jetzt immer mit dem Arsch: 20 Minuten.

Am Morgen habe ich mein Hirn ins Klo geworfen. Das verlorene Gewicht – immerhin gut 1,3 Kilo – kann ich jetzt am Bauch zulegen. Ausserdem verbrauche ich ohne das Ding 20 Prozent weniger Sauerstoff. Hurra, Spitzensport ist endlich wieder möglich!

Bei der Arbeit klappte alles ganz wunderbar, mein Boss lobte mich – das hat er vorher nie gemacht.  Man hat halt so seine Tricks: Ich hatte mir die rechte Hand an der Maus festgeklebt, weil ich fürchtete zu vergessen, wozu das Ding gut ist, was ich auch tat. Muss sehr professionell ausgesehen haben. Nur beim Mittagessen wurde am Nebentisch getuschelt. Ich hab gelächelt, das wirkt charmant. Und so gross ist der Unterschied zwischen Maus und Messer nun auch wieder nicht. Tönt ja auch ähnlich.

Gut möglich, dass mir meine Arbeit irgendwann auch ohne Hirn auf die Eier geht. Die hab ich noch, glaubt zumindest mein Arsch, pièce de résistance des Verstandes. Und genau dieser Arsch weiss mit unerhörter Gewissheit: Ich werde es noch weit bringen, mir stehen alle Türen offen. Wenn’s mit der Hochsprung-Karriere nichts wird, dann mach ich eben Wirtschaftspolitik.

DANKE

Veröffentlicht in Augenschmaus, Free yourself from yourself, Von Vögeln, Wetter am Dienstag, 14. Juli 2009 von badana

Björk singt: „I tried to organise freedom – how Skandinavian of me.“

Meine schwedische Freundin hat mir gestern wieder mal den Arsch gerettet. Und statt dass ich den Abend damit verbracht habe, mir zu überlegen, ob ich mich von der Dachterrasse stürzen soll, tranken wir kühlen Weisswein mit Zitrone, wurden dabei von einem wahrscheinlich seltsamen Nachbarn beobachtet und einmal hätte mir fast eine Taube auf den Kopf geschissen. In unserem Innenhof hörte man Geschirrklappern, laute Gespräche in fremden Zungen und über uns schwebten violette Wolken und manchmal hagelte es Zigarettenstummel. So fühlt sich also Heimat an.

Ich möchte das Glück fressen, mir einen Vorrat an Hoffnung anlegen – auf dass ich gross und stark werde für all die kargen Winter, die noch kommen werden.

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Scheiss auf schwere Rucksäcke!

Veröffentlicht in Free yourself from yourself, Liebe & Foltereien am Dienstag, 5. Mai 2009 von badana

Ich geh hie und da mit meiner Arbeitskollegin ins Schlössli, das ist ne Klapse, hier in der Pampa, wo ich arbeite und dazu beitrage, dass die Zahnräder besser greifen und der Sand keine Getriebe verstopft. In dieser Psychi hat es lustige Leute, da fühle ich mich montags besonders wohl, wenn der Kopf noch im Wochenende steckt und nur schwer den Anschluss an die Wirklichkeit findet.

Wir sitzen also da und reden über dies und das, Kanus und Pocahontas und feine Fische, da setzt sich einer zu uns hin und ich denk: Aha, ein Irrer - SO sehen die also aus der Nähe aus. Aber falsch gedacht, denn der grauhaarige Mann mit dem komischen Hemd ist ein Bekannter meiner Arbeitskollegin und hebt plötzlich mit einer Rede über die Frauen und Männer und Liebe an.

Er sagt Dinge wie: Die Frauen kann man nie zufriedenstellen, die ertragen die Wahrheit nicht und wollen immer Bestätigung.

Ich sage Dinge wie: Die Männer haben Angst vor mir und ich ertrage keine Schwächlinge.

Er zuckt nicht mit der Wimper und sagt weiter Dinge wie: Ich bin einfach nicht männlich, da ich nicht eifersüchtig bin und einer Frau ihren Freiraum lasse.

Ich fange an, mich zu nerven und sage schliesslich Dinge wie: Ich hasse Menschen, die sagen, sie hätten ihr Rucksäckli zu tragen. Ich finde, die sollten ihren Scheissrucksack manchmal auspacken, sonst kriegen sie einen Buckel.

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Am Donnerstag begrabe ich mit Hasenherz meinen Ramsch an einer schönen Stelle am See, denn wenn ich nicht aufhöre zu grübeln, kling ich bald wie so ein irrer Normaler.

Obacht – das geht gar nicht.

Richtung Zukunft durch die Nacht

Veröffentlicht in 1, Free yourself from yourself, Liebe & Foltereien, Selbstmord & Freizeit am Dienstag, 28. April 2009 von badana

Wie weiss man, ob man sich nicht verirrt hat, in diesen doch schon einigen Jahren, die sich auf dem bald immer krummeren Rücken säumen. Als der Regisseur Jörg Kalt auf die Frage nach seinem grössten Wunsch der Kamerafrau antwortet, sagt sie bestimmt: „Das kann nicht dein grösster Wunsch sein, das ist viel zu realistisch. Der grösste Wunsch eines Menschen kann niemals realistisch sein.“ Jörg Kalt setzt nochmals an, Stille erfüllt mich, ein Bangen, denn ich sehe in seinem Gesicht, ich sehe die plötzliche Verlorenheit, die diese Frage in ihm auslöst. Vielleicht begreift er in diesem Augenblick, dass ihm der grösste Wunsch irgendwann abhanden gekommen ist. Das Glück bleibt in seinem Kopf ein undefinierbares Gefühl, das sich immer erst im Nachhinein seinen Namen verdient. Er hat sich einige Jahre später für den Freitod entschieden. Weshalb fragte ich Biene störrisch. Dieses Weshalb hallt durch das Xenix, über den Helvetiaplatz bis hin zu all den verlorenen Plätzen in der Nähe und Ferne (den vergessenen Orten des vergessen Gefühls). Es bleibt unbeantwortet wie so viele Fragen.

Jörg Kalts Film „Richtung Zukunft durch die Nacht“ (2001/2002) erweist sich als Geniestreich, komplex und doch fliessend, traurig und doch leicht, schön und kindlich und so unglaublich trostlos trotz einem wachen Staunen. Ich verlasse den Saal verwirrt, beflügelt und zerstört – es beginnt zu tröpfeln und meine Schritte klackern auf den leeren Strassen.

Später sage ich zu Biene: Das fühlt sich alles so falsch an, denkst du nicht, dass das alles so falsch ist? Sie verlangt Erklärung und ich verheddere mich in sperrigen Wörtern, spucke Holzwolle und zerkratze mir die Haut.

Ich sehe zu schwarz, sagt ihr? Do not paint it black, sagt ihr und ich sage: Der Mensch ist feige und kann sich nicht eingestehen, wenn er versagt. Er schreibt, liest, sieht und spricht sich sein Leben schön, denn alles zu ändern, wäre so anstrengend, so schwierig, ein so sinnloses Unterfangen, dass man doch lieber alles beim Alten lässt. Da sind ja immerhin noch die anderen, die auch immer welker und müder werden, wir altern und gehen alle (gem)einsam unter.

Heute fresse ich die Liebe und sage: Es gibt sie nicht.

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Ich sage es vielleicht etwas zu laut und denke an den traurigen toten Jörg Kalt, der jetzt unter der Erde liegt und ich denke an seinen Film und die Vergänglichkeit, an ihn und sie, ans Verpassen von Strassenbahnen, Abzweigungen und ganzen Städten.

Das fühlt sich alles so falsch an, lieber Jörg. Aber fühlt es sich richtiger an, tot zu sein?

Winter Tongue Fuck

Veröffentlicht in Augenschmaus, Free yourself from yourself am Mittwoch, 11. März 2009 von badana

Vollmond und ein roter Kran reisst den Himmel entzwei: Woher plötzlich dieses Glück, das jubeln lassen könnte, diese Freude, dass ich atme, lebe, schreite.. Manchmal kann ich meine Lebenslust nicht fassen, denn sie entspringt dem Nichts und nichts kann sie dämpfen. Vorher fast in Trauer gekippt, denn irgendwo zählen zwei Frauenaugen so viel wie ein Männerauge. Doch jetzt gerade möchte ich das Leid vergessen. Ja, dann verpiss dich doch in deine Traumwelt, würde mein liebenswerter Arbeitskollege sagen. Recht hat er, in Luftschlössern herrscht jeweils eisige Stimmung und Totenstille. Ich möchte Mauern niederreissen, alles in die Luft sprengen, was mich von der Wirklichkeit trennt. 

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Plötzlich Erinnerung an Freundschaften, die so sang- und klanglos zerbrechen zwischen Kaffeebechern und an einem Samstag, der sich nach Sonntag anfühlt. Man kann der Verzweiflung nicht entfliehen, wenn man nachdenkt. Mein altes Ich würde kämpfen um Freundschaften – bis aufs Blut. Kämpfen um Menschen, um Wahrheit und Liebe. Mein neues Ich ist gleichmütig und feilt sich die Nägel mit aufgeschürzten Lippen und stellt sich vor, es sähe aus wie ein schöner Schmollmund. Doch nur Französinnen kriegen so was hin. Unsereins sieht einfach aus wie ein griesgrämiger Muffin.

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Bald ist Frühling. Nur noch etwa 90 Mal schlafen. Sind wir bald da?

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„Ich werde mich selbst heiraten.“, sagte sie – und ihr Auge glänzte irr

Veröffentlicht in Augenschmaus, Free yourself from yourself, Ich liebe dich, mein liebes Ich, Liebe & Foltereien, Von Vögeln am Freitag, 27. Februar 2009 von badana

Ich bin ja eben nun ein Workaholic und trinke an meinen Geschäftsterminen ganz viel naturtrübes Bier. Somit kann ich zwei von der Gesellschaft tolerierte Süchte elegant miteinander vereinen. Aber genug von mir, denn gestern hat mich Herr O freundlicherweise darauf hingewiesen, dass ich immer nur über mich selbst schreibe. 

Darum dacht ich mir: Ich mach Nägel mit Köpfen und erzähle jetzt mal nicht von mir, sondern von, äh, einer Freundin. Die hat so schöne lange Haare und ist ausserordentlich klug. Zudem ist sie unglaublich witzig und tief wie der Ozean und letztens hat sie mir erzählt (ich setze ihre Rede kursiv, damit ihr mich und sie auch wirklich auseinanderhalten könnt):

Also, da ist man ja mal kürzlich dreissig Jahre alt geworden, erwacht eines Morgens mit der Schminke vom gestrigen Tag im Gesicht und fragt sich, ja fragt sich, was das Leben denn nun noch bringen möge, wenn Falten täglich reinflattern und das Ticken der Uhr den Schädel allmählich ausdünnt.

Da wäre allem voran die Liebe – die Liebe, die über allem steht und geht und manchmal zertrampelt, aber immer gut und schön ist und chrüselet im Bauch. Ich bin kein Mensch, der Kompromisse macht, sage ich laut und denke mir – lieber keinen Mann als einen kleinen. Und ein schönes Hochzeitskleid werde ich trotzdem irgendwann tragen, wenn die Winde ruhn und ich mich vor dem Spiegel im Kreise dreh und Elvis Costello singen hör „I want you“..

Ich werde mich nämlich selbst heiraten.

Tamdatatam, tamdatatam..

Dann hat sie mir dieses Bild gezeigt, wo man sein eigenes Gesicht einfügen kann, um zu kucken, wie man in einem solchen Fummel aussieht..

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Ich glaube, diese Freundin ist bisserl crazy und deshalb teile ich ihr auf diesem Weg mit, dass sie mich mit ihren irren Flausen ein für allemal in Ruhe lassen soll:

- Nein, ich möchte nicht nackt mit dir über die Gemüsebrücke tanzen.

- Nein, ich werde diesen blonden Wischiwaschi-Geiger nicht daten, denn er erinnert mich an Candy Dulfer.

- Nein, ich setz mich nicht in eine Scientology-Infoveranstaltung und schreie „Ni-Ni“.

Und zudem bist du manchmal echt fies und unbequem. Im März habe ich keine Zeit, melde dich doch bitte im zweiten Quartal dieses Jahres und dann machen wir, was ICH will – nämlich: BIER TRINKEN UND ARBEITEN!!!!

12 silver bullets.

Veröffentlicht in 1, Blutbad & Todschlag, Free yourself from yourself, Jesus etc. am Donnerstag, 26. Februar 2009 von kobrra

(das mit dem rückwärtszählen scheint ja voll ein hype zu sein – mal schaun’, wie lange es dauert, bis die futzis in zürich auch damit beginnen, und behaupten, sie täten’s eh schon seit monaten, und es kackt sie an, dass es alle nachmachen, und dass sie eigentlich auch schon wieder aufhören wollen. und so.)

jedenfalls: ist schon interessant, die meisten mitteleuropäer können das alphabet problemlos aufsagen. vorwärts, meine ich. rückwärts aber ist ’ne ganz andere geschichte – übt man nicht, kann einen das vor ungeheuere schwierigkeiten stellen, etwa so, wie wenn man versuchte, auf einem bein hüpfend „trittst im morgenrot daher…“ aufzusagen. (jaja, ich gebe zu, der vergleich hakt, schliesslich geht das nur schon wegen unwillen nicht so recht.) ganz anders mit dem zählen: inspiriert durch unzählige beispiele, ist es in fleisch und blut übergegangen – man denke nur an „ the final countdown“, das peinliche warten auf ein neues jahr, oder an den sachgemässen und vorgeschriebenen umgang mit handgranaten; in hitparaden im radio oder sonstwo wird immer mit der miesesten platzierung begonnen (was womöglich damit zu tun hat, dass zum schluss die grösste faust in die magengegend des publikums donnern soll). ich bin da anders: in der folgenden leckerbissenliste gebe ich meinen ganz persönlichen blick auf die musikgeschichte preis, wenn ich hier die liste der 10 besten platten aller zeiten hineinstelle, und je länger man am ball bleibt, desto besser wird’s. versprochen.

sonicyouth_dirty110. SONIC YOUTH: „Dirty“
dank dieser platte hatte ich begonnen, meine gitarre mit hammer, zange und schraubenzieher zu spielen. und zu sparen auf eine neue gitarre. aber es hat sich gelohnt. womöglich das kommerziellste und strukturierteste album der band, aber ungemein dicht. danach war lärm nie mehr lärm.

rage-against-the-machine110. RAGE AGAINST THE MACHINE: „Rage Against The Machine“
uiuiui. „fist in ya face in the place and i drop the style clearly – know your enemy.“ politik begann sinn zu machen, die karriere der band ihn genau dadurch zu verlieren. roh. verdammt roh. noch heute.

superunknown110. SOUNDGARDEN: „Superunknown“
jeder song sitzt, ein wenig unbequem, aber ungeheuer kleidsam. ich ziehe den hut, herr cornell, auch wenn sie heute einen auf style-nutte machen.

scenes_second_cover109. THE GOD MACHINE: „Scenes From The Second Storey“
kritikers liebling – fans hatten sie (beinahe) keine. garandios. kitschig. pathetisch. aber äusserst originell und eigen. wunderschön.
(siehe auch hier.)

kid_a208. RADIOHEAD: „Kid A“
nachfolger „der platte des jahrzehnts“ (ok computer), und doch um ellen besser: radikal, minimal, durchdacht. phantastische songs in glänzendem dramaturgischem ablauf. sperrig, doch wenn man genau hinhört, hört man vögel zwitschern.

aenima307. TOOL: „Aenima“
episch-lange songs, verletzlich und zart, dennoch hammerhart und düster. da trägt jemand sein herz auf die strasse, und kümmert sich keinen deut darum, wenn jemand einen rostigen nagel hineinsteckt. hach.

gimmick106. BARKMARKET: „Gimmick“
abartig dicht und abwechslungsreich. kein song gleicht dem anderen, trotzdem ist es eine platte – unerreicht. „static“ gehört in meine ewige top 10 der besten songs ever, womöglich gar auf platz 2.

disco_volante2105. MR. BUNGLE: „Disco Volante“
fliessender übergang von jazz zu death metal und hidden track – alles in einem song. seither gibt’s für mich keine schubladen mehr. grösste analog-schlacht aller zeiten. eineinhalb jahre lang nicht aus dem walkman genommen. (dies erklärt womöglich einiges.)

depeche-mode-violator204. DEPECHE MODE: „Violator“
die beste pop-platte aller zeiten. punkt. nie wieder von irgendwem erreicht, trotz gutgemeinten versuchen. wer mir das gegenteil beweisen kann, kriegt mein herz. brüche, noch und noch, und dennoch eine verzogene einheit. den höhepunkt im ersten lied gesetzt, und trotzdem folgt dahinter aber auch gar nichts, das schlechter wäre. brutal gut. und incl. „enjoy the silence“: möglicherweise das traurigste lied, das ich je gehört habe.

tmv_dlitcomatorium103. THE MARS VOLTA: „De-Loused In The Comatorium“
eine revolution, für mich und mein gehör und mein herz und meinen kopf. bloss der beginn einer grandiosen karriere, und bei weitem nicht ihre beste platte, aber diejenige, die den meilenstein gesetzt hat. der toaster-in-der-badewanne für unterwegs.

skyvalley102. KYUSS: „Welcome To Sky Valley“
das gras war danach tatsächlich grüner. staubtrocken und fettig wie eine punjena pljeskavica mit urnebes, gewickelt in einen prazan burek, und dazu jogurt. (jaja, war gerade in serbien.) auf drogen aufgenommen, wurde es selbst eine droge: der apfel fällt halt nicht weit vom stamm. und ja, ich habe natürlich nur die 3-song-ausführung.
(siehe auch hier.)

blindmelonsoup201. BLIND MELON: „Soup“
ich liebe sie, und sie liebt mich. für immer.
(siehe auch hier.)

Nachricht aus der Fremde

Veröffentlicht in Blutbad & Todschlag, Free yourself from yourself, Selbstmord & Freizeit am Mittwoch, 25. Februar 2009 von badana

Ich stehe da und beobachte die anderen durch eine Glasscheibe, wie sie auf der Terrasse lachen und gestikulierend rauchen.. Im Zimmer findet sich kein einziges Buch, hinter dem ich mich verstecken könnte. Dann kommt jemand rein und fragt, was mit mir los sei. Ich kann keine Antwort geben und ärgere mich, dass ich keine Maschine bin, die reibungslos funktioniert. Zwischen meinen Zahnrädern knirschen Sand und Schmutzpartikel. I should shut my system down. Die Selbstzerstörung beginnt in 30 Sekunden:

30 29 28  27 26 25 24 23 22 21 20 19 18 17 16 15 14 13 12 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1

explosion

Hört nur, ich glaube ich rieche was!

Veröffentlicht in Free yourself from yourself, Liebe & Foltereien am Mittwoch, 18. Februar 2009 von froileincharlotta

Einen ausserordentlich ausgeprägten Geruchsinn zu haben, ist manchmal die Hölle auf Erden. Zum Beispiel passe ich zurzeit auf den Hund meines Vaters (der irgendwo in der Wärme – waren es die Malediven? Karibik? Na, egal – weilt) auf. Das unangenehme an der Sache ist, dass ich jetzt jeden Tag diesen Hund an mir rieche. Und wenn man weiss, wie Hunde riechen können, dann weiss man auch WIE unangenehm das sein kann. Diesen Hundegeruch hab ich nun seit mehr als einer Woche in der Nase. Und ich bring ihn nicht los.

Zum Glück ist es Broccoli und keine Stinksocke!

Zum Glück ist es Broccoli und keine Stinksocke!

Es gab mal eine Situation, da war eine Frau vor mir auf dem Klo. Diese Frau hat sich (wie kann man nur?!) in der Klokabine parfümiert. Und ich fünf Minuten später in diese Klokabine rein. Dieses abscheuliche Parfum klebte den Rest des Tages an mir etwa so, wie ein schlechter Ruf an einem kleben bleibt. Es war nicht wegzukriegen. Am Abend dann war mir schrecklich übel.
Busfahren ist natürlich die Hölle, vor allem im Sommer. Dann der Geruch von Kühlschrank am Salat. Kleider, die nicht aufgehängt wurden zum trocknen.
Es hat auch gute Seiten: Ich weiss wer vor mir in kleinen Räumen war (zum Beispiel im Lift), ich kann an einem liegengelassenen Kleidungsstück riechen und weiss, wem es gehört. Ich liebe den Geruch von Tiefgaragen. Ich erkenne den Frühling am Geruch, noch lange bevor er wirklich hier ist. Ich rieche nahenden Regen.

Das gemeinste und schlimmste an einem ausserordentlich ausgeprägten Geruchsinn ist aber die Tatsache, dass ich ins Büro meines Exfreundes reinkomme und mit grösster und heftigster Wucht die Erinnerung und Nähe präsent habe. Denn Geruch kennt keine Vergangenheit. Geruch ist immer Gegenwart. Gewöhnliche Erinnerungen können verblassen. Geruchserinnerung verblasst nie. Direkt ins Hirn. Als wäre keine Zeit vergangen. Echt unerträglich.