Rein gar nichts mehr
Da war einst ein Mann in ihrem Leben. Er ging in ihrem Zimmer ein und aus, schlief lautlos und sprach bisweilen über die Welt, als wäre sie sein. Wenn es dunkelte, flüsterten sie leise miteinander und wenn er sie stach, mit Worten aus Metall, da fühlte sie Feuerblumen in sich glühen. Aber eigentlich verzögerten sie bloss, dass die Welt sie entzweite. Denn die Welt kennt nur den Anfang und das Ende. Und als sie ihn dann plötzlich nicht mehr sah, war es anfangs ungewohnt, doch vergass sie mit der Zeit, dass da einst ein Mann gewesen war. Nun zählte sie die getrockneten Feuerblumen und sass in einem Zimmer, das ihr ganz gehörte. Manchmal befürchtete sie, dass Gott sie bestrafen würde, da ihr der Mann abhanden gekommen war. Aber irgendwann wurde ihr schlechtes Gewissen so klein, dass es leicht in ihre Hosentasche passte. Nun harrte sie der milden Tage, summte und kämmte sich das Haar. Sie wusste zwar nicht, wozu sie da war und was das alles sollte und manchmal war ihr etwas langweilig. Meist aber fühlte sie sich wohl in dieser Ruhe, sie kannte das Geräusch der knarrenden Dielen, das morgendliche Klopfen der Heizung – das Holz unter ihren Fingern fühlte sich glatt und angenehm an. Gelassen sah sie die Jahreszeiten vorüberziehen und erwartete rein gar nichts mehr vom Leben.

Donnerstag, 12. Januar 2012 um 11:26
dielen. sie knarren auch wenn sich niemand drüber bewegt…
Freitag, 13. Januar 2012 um 17:37
Und Hähne tropfen unaufhörlich.