Yahaaa! Ich war am Southside, meine lahmarschigen Freunde, und habe mir drei Tage Bier, Sonne und Musik reingezogen und dabei nebenbei noch Feldforschung betrieben – war nämlich nur mit Jungs unterwegs. Wir haben nicht nur über Titten geredet (schon bizeli, denn Festivalbesucherinnen mögen keine BHs und neben dem Tuttlinger Bahnhof steht eine Nazi-Fabrik, die Frauen mit grossen Busen designt), sondern uns auch die in der heutigen Zeit schwer fassbaren Begriffe „Erkenntnis“ und „Wahrheit“ philosophisch erörtert.
Zudem waren wir sprachlich äusserst kreativ und haben wieder einige neue Open-Air-Slogans verfasst – unter anderem „Metal up your fucking ass!“, „Radiofuckinghead“ (scheint nur vulgär – wer erkennt den äusserst komplexen intertextuellen Verweis?), „Fire up the metalfuckingasses!-Party“ (die demnächst stattfinden soll) und schliesslich: „Wixer fall into Pisse“.. Übrigens nennt sich dieses jugendsprachliche (hüstel) Phänomen der Sprachkreation „Bricolage“ (dt. = Bastelei).
Radiohead war ganz gross. Die Worte gehen hier schon aus. Obschon ich sie in Vergangenheit nie als überzeugende Festival-Band betrachtet hatte. Die haben reingehauen. Ich dachte, ich löse mich auf oder werde zu einem Dings (egal, mir fällt nichts ein). Muss man gesehen haben, bevor man stirbt und tot ist.
Weitere Highlights: Sigur Rós (er hat nur ein ganz klein wenig gejault, i schwör), Foals (genial, englisch, jung, musikalisch äusserst überzeugend) – und der Bucovina Club hat schliesslich für ausgelassenes Gehüpfe gesorgt (was eine nicht zu unterschätzende Leistung darstellt, insbesondere bei dieser Hitze).
Vielleicht wird das Altern an einem solchen Festival spürbarer als sonst im Alltag, wenn der Rücken mehr schmerzt, die Zelte niedriger erscheinen, um Stühle gekämpft wird wie um Brot, wenn man lieber Gemüse statt fettigen Fuck essen möchte..
Aber auch nächstes Jahr werden wir unsere müden Knochen in Shuttlebusse hieven, wir werden stinken und glücklich sein in dieser kleinen Freiheit, die sich eröffnet im gähnenden Schlund der alles gleichmachenden Monotonie des Alltags.
Metal up your fucking ass!




