Lamento aus dem Hinterzimmer

Veröffentlicht in 1 am Dienstag, 9. Februar 2010 von badana

Ich warte. Ich übe mich in Geduld. Darin war ich nicht immer gut, ich kann mich vage erinnern. Ich warte schon lange. Meine Haare sind so lang, dass sie beinahe den Boden berühren. Und manchmal, da vergesse ich, dass ich nicht zum Mobiliar dieses Raumes gehöre. Dieser sperrige Tisch ähnelt mir und in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten ist er mir fast so etwas wie ein Freund geworden. 

Letztens kam jemand vorbei und fragte mich, was ich denn hier tue. Als ich ihm sagte, dass ich warten würde, da fragte er mich: Worauf? Und ich lächelte daraufhin milde und antwortete heiser: auf die Ruhe. Ich ärgerte mich über seine etwas überhebliche Art und fühlte mich gleichzeitig auch eingeschüchtert. Denn ehrlich gesagt warte ich nicht auf die Ruhe, vor lauter Warten hab ich den Grund für mein Ausharren vergessen. Das mit der Ruhe hab ich nur so gesagt. Anfangs gab es ein Ziel, da bin ich mir ganz sicher. Ich weiss noch, dass ich viele Pläne hatte, als ich mich auf diesen Stuhl setzte, doch momentan ertappe ich mich dabei, dem leichten Knarren zu lauschen, welches meine Sitzgelegenheit ab und an von sich gibt. Als würde das Holz mit mir atmen. Ich höre den Wind manchmal um die Häuserecken pfeifen und ich stelle mir vor, ich wäre Luft und könnte das Ende der Welt erreichen, einfach so. Ich stelle mir die Vögel vor und sehne mich nach Leichtigkeit und Freiheit. Aber das ist Unsinn. Hier stehen mein Stuhl und mein Tisch. Hierhin gehöre ich. Das ist mein Reich.

Manchmal stelle ich mir die Welt draussen vor: In meinem Kopf sind die Menschen kleine Ameisen, die kopflos durcheinandertrippeln. Irgendwie macht mich dieses Wirrwarr traurig, es wirkt willkürlich und verloren. Aber hier fühle ich mich geborgen, ich bin froh, dass mich diese Wände umfangen, dass mich dieser Stuhl trägt und dass dieser Tisch meine Ellbogen stützt.

Die zwei Fenster in meinem Zimmer sind verhangen, irgendwann wollte ich den Regen nicht mehr sehen. Das wechselnde Wetter bedrückte mich zu sehr. Jetzt betrachte ich die Leinentücher, die einmal weiss waren und nun gelbliche Ränder aufweisen. Ich stelle mir vor, dass draussen immer die Sonne scheint. Ich stelle mir vor, mein Haus ist ein Schiff, das alle Weltenmeere durchpflügt.

Und im Schiffsbauch sitze ich und warte -

Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Fusselbart
Kommt Rasierapparat und vergessen ist alles, was früher war
Und du wartest
A
uf gar nichts mehr
Auf den Sommer nicht und nicht auf laengeres Haar
Und darauf dass einer dein Herz repariert

(Element of Crime)

Von Menschen in Tieren

Veröffentlicht in Ferkeleien & Sex mit Tieren, Selbstmord & Freizeit am Sonntag, 17. Januar 2010 von drunkenjudge

Geschichten, in denen Menschen und Puppen Zeit in Mägen von Tieren verbringen, gibt es viele. Zum Beispiel die Geschichte von Jona, der während eines Sturms von einem grossen Fisch verschluckt wird, drei Tage in diesem Tier herumhockt und schliesslich an Land wieder ausgespuckt wird. Oder die Geschichte von Pinocchio, der von einem Wal verschlungen wird, in dessen Bauch er zufällig seinem Vater begegnet.

Solche Fiktionen könnten die Transportindustrie gerade in Zeiten der globalen Erwärmung beflügeln: Schliesslich muss so ein Fischbauch nicht künstlich geheizt werden. Ganz generell gilt der Fisch als CO2-neutrales Tier. Der Transport im Magen würde Schiffsreisen zudem jenen Hauch von Abenteuer zurückgeben, der seit dem Ende der Dampfschiff-Ära auf immer verloren schien.

Der Fischbauch, zum Beispiel als Ort überraschender Begegnungen, als Symbol animalischer Hybris oder ganz einfach als exotischer Schauplatz, hätte auch für Film und Literatur noch immer Potenzial: Ein Vater (z.B. Darth Vader) und sein Sohn (z.B. Luke Skywalker) kämpfen in den Eingeweiden um Leben und Tod, ein Luxuswal rast gegen einen Eisberg, im Fischbauch wird ein Kind mit ungewöhnlichen Fähigkeiten geboren, ein frisch vermähltes Paar verbringt seine Flitterwochen just in jenem Wal, in dem die Jugendliebe der Braut als Kellner arbeitet.

Aber darum geht es eigentlich nicht. Es geht darum, dass ich nicht in einem Magen sitze. Das hier ist glaub’ schon der Darm.

Umweltfreundlich und geräumig: Der Wal im Vergleich zum Panzer.

Post von der «Bank»

Veröffentlicht in Von Vögeln am Freitag, 8. Januar 2010 von drunkenjudge

Wecken sofort Vertrauen: Banker.

Von: Nat West Bank London [kevinbrown@infotechnologyonline.com]
Gesendet: Fr 08.01.2010 08:10
An: drunkenjudge
Betreff: Nachricht von Mr. Brown Kevn

Ich grüße euch,

Mein Name ist Herr Kevin Brown die Branch Manager von NatWest Bank in Großbritannien, ich hiermit bitten für Ihre streng Vertrauen auf ein gutes Geschäft, die eine große Summe Geld von einem unserer verstorbenen ausländischen Kunden Late Mr. Thompson Morrison, der zusammen mit seiner Familie nach Flugzeugabsturz von Alaska Airlines-Flug 261 starb, die stürzte am 31. Januar 2000.

Er setzte diese Mittel in Höhe von (zwölf Millionen fünfhunderttausend Dollar USA) $ 12,5 Mio für die sichere Aufbewahrung in unsere Bank hier in London. Zuvor reichte unsere Bilanz zeigt, dass der Fonds tatsächlich für ein Projekt wollte er Start in der nahen Zukunft (ein millionenschwere Stahl Einpflanzung in Florida, USA) vor seinem plötzlichen und frühen Tod. Seit seinem Tod nichts von seinem nächsten Verwandten oder-of-kin hat uns gekommen, um diesen Fonds als Erbe zu fordern.

Jetzt ist unsere Bank gewartet hat, einen der Verwandten-up für die Behauptung, aber niemand getan hat, kommen wird. I persönlich nicht erfolgreich erwiesen hat bei der Ortung des Verwandten für 2 Jahren, ich suche Ihre Zustimmung zu präsentieren, wie die nächsten Angehörigen / der Berechtigte an den Verstorbenen, weil meine Bank wird das Geld nicht frei, es sei denn, jemand gilt Anspruch für die nächsten Angehörigen von dem Verstorbenen, wie in unserer operativen Leitlinien.

Bitte Ich brauche dringend Ihre Zusammenarbeit, weil ich nicht das Geld wollen, in die Bank Treasury gehen. Das Vereinigte Königreich Bankpolitik und Leitlinie festgelegt, daß alle beanspruchten Geld, um eine verstorbene Person gehören für den Zeitraum von 8 Jahr wird in den Banken Treasury als nicht beanspruchten Schulden übertragen werden. Die Wahl der Kontaktaufnahme mit Ihnen ist geweckt aus der geographischen Natur, wo Sie leben, vor allem auf die Empfindlichkeit der Transaktion.

Alles, was ich von Ihnen verlangen, ist jetzt Ihre ehrliche Zusammenarbeit, Vertraulichkeit und Vertrauen, damit wir sehen diese Transaktion durch. Ich garantiere Ihnen, dass dies unter einer legitimen Anordnung, dass Sie von jeder schützen ausgeführt werden Verstoß gegen das Gesetz. Dieser Fonds wird nicht ausgegeben werden oder in diese Prozentsätze geteilt, 60% auf mich zu und 40% für Sie. Auf Ihrer Vereinbarung über die Partnerschaft mit mir bei der Durchführung dieser Transaktion würde, Ich mag dich zu mir mit Ihrem Angebot persönliche Informationen geben:

1. Vollständiger Name
2. Ihre private Handy-Nummer für eine effektive Kommunikation
3. Ihre Kontaktadresse.
4. Alter / Geschlecht
5. Beruf
6. Nationalität

Get back to me so bald wie möglich, so dass ich Ihnen mit mehr Detailinformationen über die Transaktion liefern wird und die Schritte werden folgen.

Mit besten Grüßen,
Herr Kevin Brown

Ich bau dir ein Haus, ich steck dir einen Baum..

Veröffentlicht in 1 am Samstag, 2. Januar 2010 von badana

Gut, die Welt war mir die letzten Jahre vielleicht nicht so wohlgesinnt. All zwei Schritte bin ich über die eigenen Füsse gestolpert oder über fremde oder sogar über Zigistummel, die nachlässig auf dem kaugummiverklebten Asphalt ausgedrückt wurden. Ich fiel also rasch und oft und ich habe mich an diese Fallbewegung beinahe schon etwas gewöhnt. Man gewöhnt sich ja an alles und irgendwann baut man sich sogar im Schmerz ein Nest.

Damit ist jetzt aber Schluss, denn das Jahr 2010 wird mein Glücksjahr, i schwör. Es begann genau so, wie es sollte: Bereits in der ersten Stunde hatten Wanda und ich ein Fleischkäse-Musical erdichtet (eine moderne Abwandlung von Meat Loafs “I will do anything for love”) und nachdem wir uns die Seele aus dem Leib getanzt hatten zu Jennifer Rostock, bin ich unter einem Dachfenster eingeschlafen, die fliehenden Wolken betrachtend.

Am nächsten Tag war der Warzel einfach ekelhaft (so wie er sein sollte) und Wanda hat ein weinendes Mädchen getröstet und ich hab Tratschheftli gelesen und plötzlich fühlte ich mich so aufgehoben, so glücklich, so wahnsinnig glücklich – denn auch wenn all meine Woodoo-Puppen kaputt sind (siehe Gedicht von Alta “Ich hab kein Hasenschwänzchen hinten”) und auch wenn ich Johanniskraut und 18 Spliffs täglich brauche, um den Alltag zu überstehen, auch wenn der Polizeihund in mir nie zu bellen aufhört (siehe “Zündels Abgang” von Markus Werner):

Heee!!

Das Leben bleibt spannend. So unglaublich spannend.

old shit / new shit

Veröffentlicht in Free yourself from yourself, Ich liebe dich, mein liebes Ich, Selbstmord & Freizeit am Dienstag, 29. Dezember 2009 von drunkenjudge

Ich hocke im toten Winkel des alten Jahres, neben mir sucht Norman Irish nach versunkenen Nazi-Enten. Auch Boris T. ist hier. Er wirkt entrückt, ist wohl gerade in Kontakt mit Gott oder einem seiner Paradiesengel.

Jahresendzeitstimmung. Längst sind die alten Vorsätze vergessen, die neuen haben noch keinen Sinn. «Can you do it better?» Der Spruch aus der Werbung fällt mir ein, wenn ich zurückdenke. Was für ein Fazit. In den Träumen dieser Unzeit: Roman Polanski, Videogames und falsche Brüste.

Bald muss ich aufstehen und den Staub abschütteln. Dann: Norman in den Arsch treten und Boris exorzieren. Und Traum-Polanski, der kann mir im neuen Jahr gestohlen bleiben. Gib Mundgeruch keine Chance!

And In The Darkness Bind Them

Veröffentlicht in 1 am Dienstag, 15. Dezember 2009 von badana

Mein Shrink meint, meine Weltherrschaftsansprüche seien beängstigend. Zuerst dachte er eben lange, es sei ein Witz, weil ich so viel davon sprach und dabei lachte. Nun ja, als er dann von mir eines Besseren belehrt wurde, wollte er herausfinden, wo die Wurzel meines Grössenwahns begraben liegt. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass es sich dabei ganz klassisch um apriorisches Wissen handle. Vielleicht fand er auch das seltsam, er hat jedenfalls das Thema gewechselt und sich dann auf den Wahrheitsbegriff gestürzt, wie ein Besessener. Manchmal tut es mir fast schon leid, wie sehr er sich bemüht, irgendwie voranzukommen und schliesslich doch immer wieder an den gleichen Worten scheitert. Er sagt “Konsens” – ich schrei “scheiss auf Verwässerung”. Er sagt “einen Schritt auf jemanden zugehen” – ich brülle “ich lasse mich nicht zur Prostitution zwingen”. Er sagt “inneres Gleichgewicht” – ich keuche “lieber Selbstmord als Mittelmass und Spiessertum”. Da bin ich knallhart, wie der Humpty Dumpty, da kann mir keiner was vormachen, nicht mal der Tomtom, der findet “meh Dräck” sagt nur ein prominenter Cerverlat, ich mein, ich sag das, was ich will und wann ich es will und es heisst immer nur das, was ich will, das es heisst. Also je nach Lust und Laune - mal dies, mal das.

Was ich jetzt noch brauche, ist so ein Gadget – ich brauche dringend einen Zauberstab oder ne Superwaffe oder so ein Hexendings, “One Thing to Rule Them All. One Thing to Find Them. One Thing to Bring Them All and In The Darkness Bind Them.”

Liebe Freunde: Ich hab bald Geburtstag.

Huhn mit Ei (in Batterie, ohne Erleuchtung)

Veröffentlicht in Von Vögeln am Montag, 14. Dezember 2009 von drunkenjudge

«Geschmacklosigkeiten eines gebratenen Hühnchens.» (Unbekannter Künstler um 2009)

Heute habe ich ein Ei gelegt. Mein erstes Ei. Ich will es behalten – egal was die anderen sagen. Ich habe mir ein paar Ballen Stroh gekauft, die ich in meiner Bürobox auslegen werde. Damit ich auch bei der Arbeit brüten kann.

Meine Bürokollegen haben mich gewarnt: Noch ein Ei, und ich bin gefeuert. Ein Huhn hat keine Rechte. Und als Henne gelt ich nun, auch wenn ich selten gackere. Ich trage höchstens Flaum am Körper, und tauge nicht zum Daunenkissen. Zum Pfulmen auch nicht. Und doch bin ich ein Huhn, da mir dies Ei entfuhr.

Das Ei ist faustgross und hellbraun, wie die Augen meiner Mutter. Welche Farbe wohl der Dotter hat? Ist er hellgelb, weil ich Mais gern mag? Oder rötlich, von all dem Paprika, den ich als Mensch verschlang? Fragt so ein Mensch oder ein Huhn? Einerlei, das Fleisch soll ähnlich schmecken.

Just Fall

Veröffentlicht in 1 am Samstag, 12. Dezember 2009 von badana

“When the seasons circle sideways out of turn
And words don’t speak just fall across the carpet
You’re just in time to watch the fires burn”

(Sonic Youth)

Tiefer Fall

Veröffentlicht in Blutbad & Todschlag, Liebe & Foltereien am Samstag, 28. November 2009 von froileincharlotta
Leere Tusenbank

Blick zurück auf die leere Tusenbank

Gut gemacht!

Gestern bin ich vornüber von der Tusenbank gefallen. Nein, nicht von meiner. Ich bin von eines anderen Tusenbank gefallen, vornüber auf die Stirn. Das gibt eine hässliche Narbe, wohl wahr. Ich bin aufgestanden, hab mir das Blut aus den Augen gewischt und wollte losschreien, so laut, dass alle Nachbarn die Fenster öffnen oder aber mit dem Besen gegen die Zimmerdecke poltern. Ich hab es mir anders überlegt. Ich hab mir gedacht: “Gut gemacht!” Und dann hab ich mich ermahnt, nicht wieder den selben Fehler zu machen. Für irgendwas sollten die Ringe unter den Augen, die immer dunkler werden, gut sein. Für irgendwas sollte man ja lernen, wenn schon nicht für’s Leben. So bin ich also gegangen und hab mich dabei etwas verloren gefühlt. Und habe mich, während ich ging, gefragt, ob ich denn gerne nicht gefallen wär. Ob ich denn – wenn man mal das Machtgerangel beiseite lässt – wirklich lieber meine Tusenbank leergefegt hätte. Und denke mir, dass unter dem Schmerz und der Scham etwas liegt, was Grösser ist. Etwas, was mich aufatmen lässt. Dann. Und wann. Und wieder. Morgen. Vielleicht.

Stigma

Veröffentlicht in 1 am Freitag, 27. November 2009 von badana

Ja, nein, ich hab keinen Freund. Ich bin alleine, sieht man das? Sieht man den Staub auf mir, wie er sich schichtet und empor türmt bis in die Wolken? Wieso, naja, es hat halt nicht geklappt. Die meisten, die ich traf, waren entweder dumm oder hässlich oder sie mochten keine Jugos, was keine gute Grundlage ist. Seit meinem rassistischen Briefkastenschänder bin ich etwas empfindlich geworden. Jaja, jeder hat sein Rucksäckli z träge und in meinem stecken Nazis. Nunja, da hatte es so einen, letztens, ich mein einen, der mir noch gefiel, doch irgendwie, naja, das war ganz seltsam, irgendwie war da nichts zwischen uns, das uns aneinander haften liess. Wir konnten keine Spuren im anderen hinterlassen und wenn wir auseinander gingen, war alles vergessen, die Worte, die Lacher, die Lächeln. Da blieb nur Leere und Leere ist doch etwas vom Schrecklichsten, nicht wahr? Wenn da nichts ist, nichts ist, das nachklingt. Was tun, was tun? Da ich langsam so richtig alt werde und der gesellschaftliche Druck von Tag zu Tag grösser wird (“Waaas, du bist noch kein Mami?”), erdichte ich mir deshalb fiktionale Boyfriends. Der eine heisst Klaus und ist Seemann und immer unterwegs, also kann ich ihn leider nie ans weihnachtliche Geschäftsessen mitnehmen und der andere heisst Patrick und ist Dokumentarfilmer und gerade für ein halbes Jahr in Russland, um das Paarverhalten von Kamtschatkabären zu untersuchen und eher ein Partymuffel und der kreative Igor, der ist mir sehr ähnlich, mein männlicher Zwilling, der ist trinkfest und kindlich und leider schaut er immer anderen Frauen nach und ist jetzt grad mit einer Tänzerin durchgebrannt (aber er kommt wieder zu mir zurück, am Ende kommt er immer zurück).

Ich kann mich einfach nicht zwischen den drein entscheiden, tja, ich wünschte, ich hätte auch nur einen Mann, so wie du, ja, deiner ist doch ein Feiner. Das wär doch ein sicherer Wert, nicht immer diese Leidenschaft und dieser Schmerz, sondern gemütliche Sonntage zu Hause und man kann sich nach einem harten Arbeitstag so richtig auskotzen und man ist nie allein, nie allein, nie allein. Stattdessen plage ich mich mit exzentrischen Haudegen rum, die mir auf der Tasche liegen und mir pausenlos ihre ewige Liebe beteuern, die mir weder beim Ausfüllen der Steuerrechnung noch beim Kistenschleppen helfen, mir aber im Eifer des Gefechts ab und an mal eine scheuern, um mich dann auf dem Küchenboden zu verführen.

So ein aufreibendes fiktives Liebesleben ist anstrengend und zehrt an den Nerven. Ich mache daher prophylaktisch eine Vitamin-B-Komplex-Kur und trinke viel Beruhigungstee.

Der Erich Kästner hat schon recht, wenn er schreibt:

Das ist das Verhängnis:
zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.

(aus: Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke)