Ich erwachte langsam, meine Augenlider schienen Tonnen zu wiegen. Tief im Schädel drin wummerte ein dumpfes Pochen. Schlimmer kanns nicht kommen, dachte ich, erschrak, da sich jemand über mich beugte - doch da holte der Mann bereits aus und schlug mir ins Gesicht. Meine rechte Gesichtshälfte fühlte sich taub an und als ich mit der Zunge über den Mundwinkel fuhr, schmeckte ich das Metall meines Blutes. Er starrte mich an und sein Kiefer zitterte. Ich konnte nicht klar denken, er hatte mir wohl das Gehirn durchgeschüttelt.
“Wieso..”, begann ich und versuchte aufzustehen, doch da hieb er mir mit seiner Faust volle Pulle in den Magen. Ich sackte auf die Knie und erbrach mich auf den schwarzweiss gekachelten Küchenboden. Mit dem Ärmel wischte ich mir den Mund ab und sah durch einen Tränenschleier, wie er mit dem Bein ausholte, um mich zu treten. Ich robbte unter Schluchzern rückwärts bis ich die Türe in meinem Rücken spürte.
Ich versuchte, mich zu erinnern, wer dieser Mann war und wo ich war - tastete den Raum schnell mit den Augen ab und suchte nach irgendeinem Hinweis, der mir Aufschluss über meinen Aufenthaltsort geben könnte. Doch die Wände waren kahl und nackt, die Küchenschränke waren abmontiert worden, ich sah nur Dübel und hinter abgeschabter Farbe grauen Beton.
Der Mann kauerte vor mir nieder und betrachtete mit verzerrtem Gesicht das Erbrochene, das ich bei meinem Fluchtversuch über den Fussboden verstrichen hatte. Er entblösste seine Zähne, das Geräusch, das er von sich gab, klang wie ein Fletschen. Dann heftete er seinen bohrenden Blick wieder auf mich und erhob sich.
Er hatte bis dahin kein Wort gesagt und ich begann ihn anzuschreien “Sag was, du verfickter Wichser, sag was..”. Ich spürte, wie mir die Rotze runterlief, sich mit dem Blut vermischte und von den Tränen weggeschwemmt wurde. In diesem Moment empfand ich weder Scham noch Angst, nur kalte Wut und Fassungslosigkeit.
Plötzlich hörte ich eine Türklingel, ich begann zu rufen, doch er war rasch bei mir, packte mich an den Haaren und schleuderte meinen Kopf gegen die Wand. Ich sah nur noch Funken und sackte weg.
Als ich wiederum erwachte, spürte ich keinen Schmerz, aber ich konnte mich nicht bewegen. Irgendetwas schnitt mir ins Gesicht und ich fühlte mich seltsam körperlos. Ich war erleichtert, da ich den Mann nirgends entdeckte. “Ein Albtraum?” - fragte ich mich, aber dann sah ich das viele Blut.
