Ich warte. Ich übe mich in Geduld. Darin war ich nicht immer gut, ich kann mich vage erinnern. Ich warte schon lange. Meine Haare sind so lang, dass sie beinahe den Boden berühren. Und manchmal, da vergesse ich, dass ich nicht zum Mobiliar dieses Raumes gehöre. Dieser sperrige Tisch ähnelt mir und in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten ist er mir fast so etwas wie ein Freund geworden.
Letztens kam jemand vorbei und fragte mich, was ich denn hier tue. Als ich ihm sagte, dass ich warten würde, da fragte er mich: Worauf? Und ich lächelte daraufhin milde und antwortete heiser: auf die Ruhe. Ich ärgerte mich über seine etwas überhebliche Art und fühlte mich gleichzeitig auch eingeschüchtert. Denn ehrlich gesagt warte ich nicht auf die Ruhe, vor lauter Warten hab ich den Grund für mein Ausharren vergessen. Das mit der Ruhe hab ich nur so gesagt. Anfangs gab es ein Ziel, da bin ich mir ganz sicher. Ich weiss noch, dass ich viele Pläne hatte, als ich mich auf diesen Stuhl setzte, doch momentan ertappe ich mich dabei, dem leichten Knarren zu lauschen, welches meine Sitzgelegenheit ab und an von sich gibt. Als würde das Holz mit mir atmen. Ich höre den Wind manchmal um die Häuserecken pfeifen und ich stelle mir vor, ich wäre Luft und könnte das Ende der Welt erreichen, einfach so. Ich stelle mir die Vögel vor und sehne mich nach Leichtigkeit und Freiheit. Aber das ist Unsinn. Hier stehen mein Stuhl und mein Tisch. Hierhin gehöre ich. Das ist mein Reich.
Manchmal stelle ich mir die Welt draussen vor: In meinem Kopf sind die Menschen kleine Ameisen, die kopflos durcheinandertrippeln. Irgendwie macht mich dieses Wirrwarr traurig, es wirkt willkürlich und verloren. Aber hier fühle ich mich geborgen, ich bin froh, dass mich diese Wände umfangen, dass mich dieser Stuhl trägt und dass dieser Tisch meine Ellbogen stützt.
Die zwei Fenster in meinem Zimmer sind verhangen, irgendwann wollte ich den Regen nicht mehr sehen. Das wechselnde Wetter bedrückte mich zu sehr. Jetzt betrachte ich die Leinentücher, die einmal weiss waren und nun gelbliche Ränder aufweisen. Ich stelle mir vor, dass draussen immer die Sonne scheint. Ich stelle mir vor, mein Haus ist ein Schiff, das alle Weltenmeere durchpflügt.
Und im Schiffsbauch sitze ich und warte -
Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Fusselbart
Kommt Rasierapparat und vergessen ist alles, was früher war
Und du wartest
Auf gar nichts mehr
Auf den Sommer nicht und nicht auf laengeres Haar
Und darauf dass einer dein Herz repariert
(Element of Crime)
![vinkelbygg_ved_blaa_versj4_scale[1]](http://harrharr.files.wordpress.com/2010/02/vinkelbygg_ved_blaa_versj4_scale1.jpg?w=449&h=699)








